Bula – it’s Fiji Time!

Nachdem wir unseren fahrbaren Untersatz ohne größere Komplikationen (nach rund 5.000 abgerissenen Kilometern) bei “Happy Campers” in Auckland abgeliefert haben, fliegen wir mit unserem breitestem Grinsen im Gesicht auf die Fiji-Inseln.

Schon am Flughafen Nadi auf der Hauptinsel können wir uns auf die kommenden elf Tage einstimmen: Fiji empfängt uns mit 33 Grad und singenden Einheimischen am Flughafen! Noch an Ort und Stelle lernen wir, was es mit dem Begriff “Fiji Time” auf sich hat. Auf Fiji kann aus fünf Minuten Wartezeit gerne mal eine Dreiviertel Stunde werden. “Lean back, relax and enjoy Fiji Time” heißt es hier. Somit üben wir uns in Geduld, als der einzige Geldautomat am Flughafen ausfällt und die Reparatur sagen wir mal gaaaanz entspannt angegangen wird.

Da wir bis auf die ersten beiden Nächte auf der Hauptinsel nichts Weiteres gebucht haben, erledigen wir das direkt zu Beginn und steuern am zweiten Morgen mit dem Katamaran “Yasawa Flyer” die gleichnamige Inselgruppe an. Fiji besteht in Summe aus 333 Inseln, sich bei ein paar verfügbaren Tagen für diese oder jene Inseln zu entscheiden fällt einem entsprechend schwer. Bei nur acht verbleibenden Nächten beschließen wir aber die Reise entspannt anzugehen, wir sind ja schließlich “on Fiji Time” und wollen nicht jeden zweiten Tag unseren Rucksack packen müssen. Von den 20 Yasawa-Inseln wollen wir zwei besuchen: Drawaqa Island und Nacula Island. Beide für jeweils vier Nächte.

Bei Drawaqa nehmen wir Kurs auf unsere erste Bleibe, die Barefoot Island Lodge, das einzige Resort der Insel. Schon der erste Eindruck vom Boot aus ist nicht zu verachten.

Barefoot Island

We arrive on Barefoot Island!

Bei unserer Ankunft werden wir von der Barefoot-Belegschaft mit Gitarre und Gesang am weissen Sandstrand begrüßt. Alles hier ist für uns perfekt: der kleine Inselabschnitt hat gleich drei Strände (Sunrise, Sunset und Mantaray Beach), die alle fußläufig in fünf Minuten erreichbar sind, es gibt einen Dive-Shop mit äußerst netten und kompetenten Tauchlehrern und die Hütten beziehungsweise “Bure” sind schlicht aber sauber. Die Crew ist so nett, dass man es fast nicht glauben kann. Schnell merken wir, dass das nicht nur professionelle Freundlichkeit, sondern echte Herzlichkeit ist. Hier können wir bleiben!

Barefoot-Crew

Ein Teil der Barefoot-Crew ausnahmsweise in traditioneller Fiji-Kluft

Gleich nach dem Check-In leihen wir uns Schnorchelequipment und erkunden die Korallenwelt rund um unsere Hausstrände. Es gibt ein Riff mit einem Drop-Off dahinter und unser erster Eindruck ist überwältigend.

Unterwasserwelt

Spektakuläre Einblicke in Fijis’ Unterwasserwelt

So beeindruckt von der bunten Unterwasserwelt, wollen wir es natürlich nicht beim Schnorcheln belassen. Wir sind ja schließlich zertifizierte Taucher und hoffen, bei dem ein oder anderen Tauchgang Mantarochen zu sehen, die hier während der Saison in Scharen die Fiji Inseln passieren. Direkt hinter Drawaqa (Barefoot Island) ist auch noch der “Mantaray Channel”, DER Hotspot für die größte Rochenart in der Saison.

Da Frau Schmitz aber seit einigen Jahren nicht mehr tauchen war, muss eine Auffrischung her. Die gibt es sogar kostenlos (sowas gibt’s doch noch) und nach einigen Anläufen bei den gängigen Übungen (Maske abnehmen unter Wasser ist kein Zuckerschlecken) ist die Hürde genommen.

Auffrischung Jenny

Alles roger – es kann losgehen

Wir machen so viele Dives, wie es das Budget zulässt. Bei einem Cave-Dive macht Monsieur Halemba (auch außerhalb der Caves) eine besonders gute Figur.

Tauchen Martin

Monsieur Halemba euphorisch unter Wasser

Die Mantas wollen sich uns aber nicht zeigen. Die Saison startet eigentlich auch erst im Mai und geht bis Oktober. Im April muss man also viel Glück haben, einem der Burschen zu begegnen. Das haben wir leider nicht, zu schade. Vor allem weil wir später erfahren, dass sich nur drei Tage nach unserer Abreise die ersten Mantas gezeigt haben … naja – beim nächsten Mal!

Dafür werden wir auf der Insel mit außerordentlich gutem Wetter belohnt. Und da täglich Gäste kommen und gehen, lernen wir in den vier Tagen eine Menge netter Leute kennen, mit denen wir teilweise bis in die Puppen unseren Spass haben. Fiji Gold und Fiji Bitter inklusive.

Am letzten Abend auf Barefoot Island ist, wie jeden Samstag auf der Insel, “Fijian Night”. Abends wird ein großes Buffet mit lokalen Köstlichkeiten aufgefahren, die vorher im Lovo, einer Art Erd-Grill, zubereitet wurden. Mnjamm! Dazu wird (wie immer beim Abendessen) live musiziert. Es gibt eine Feuershow, bei der die Jungs des Personals mit dem Feuer jonglieren und sichtbar Spaß daran haben. Wir auch!

Feuershow

Die Barefoot-Jungs on fire

Anschließend dürfen wir zum ersten Mal am fijianischsten aller Ereignisse teilnehmen – der traditionellen Kava-Zeremonie. Kava ist eine Pfefferpflanze, aus deren zerstoßenen und getrockneten Früchten ein kaltes teeartiges Getränk zubereitet wird, das eine gewisse rauschartige Wirkung haben soll. Einige der Jungs hier trinken das Zeug literweise – wir sind gespannt.

Da Jimmy Halemba die Musiker auf der Gitarre begleitet (was diese netterweise sehr zu schätzen wissen), stehen wir zwei besonders im Fokus der Zeremonienmeister und trinken über den Abend bestimmt 15-20 Kavas aus einer Kokusnussschale. Die Bezeichnung “das Zeug schmeckt wie altes Spülwasser” ist natürlich Blasphemie, kommt der Realität aber ziemlich nahe. Das Zeug sieht aus wie Schlammwasser. Wir finden es aber nicht so schlimm, wie der ein oder andere Reisende uns vorher glaubhaft machen wollte. Eine Wirkung spüren wir am Ende auch noch: zuerst werden Zunge und Lippen ein wenig taub, danach setzt eine leichte Schläfrigkeit ein. Tolle Sache, aber nicht wirklich unser Fall. Der anschließende Schlaf war allerdings tiefenentspannt.

Kava Session

Kava vom Feinsten

Am nächsten Morgen dann der tränenreiche Abschied von der Barefoot-Crew. Die Belegschaft versammelt sich, um uns beide Richtung Norden zu verabschieden. Fiji-Abschiedssong inklusive. Es ist schon erstaunlich, wie schnell man sich an einem Platz heimisch fühlen kann.

Abschied Barefoot

Die Mädels rufen uns ein letztes “Moce” (auf Wiedersehen) hinterher

Der nächste Stop ist die Nabua Lodge auf der Insel Nacula. Das Wetter schlägt leider um – Wolken ziehen auf, es wird etwas kühler und einzelne Regenschauer zeigen, dass wir das Ende der Regensaison doch noch nicht erreicht haben. Nichtsdestotrotz werden wir freundlich empfangen.

Nabua Lodge Garten

Top gepflegter Garten der Nabua Lodge. Rechts ist unser Bure zu sehen

Direkt am nächsten Morgen unternehmen wir einen Abstecher zur “Blauen Lagune” auf der benachbarten Turtle Island. Hier wurde 1980 der Streifen gedreht, der Brooke Shields zu Weltruhm verhalf. Das Wetter ist zwar noch schlechter geworden, der Strand ist aber schön und die Unterwasserwelt mal wieder sensationell.

Gebräunte Beine

Wer gewinnt den Bräunungswettbewerb?

Zwischendurch müssen wir Schutz vor dem Regen suchen und stellen uns im angrenzenden Beach Resort unter. Dabei kommen wir mit einigen Locals ins Gespräch. Einer der Männer – bestimmt Mitte 60 – stellt im Laufe des Gesprächs nur trocken fest, dass er 25 Jahre arbeiten könnte und die Inseln trotzdem nicht verlassen könnte. Wir realisieren mal wieder, wie privilegiert wir sind, all das hier überhaupt unternehmen zu können.

Am nächsten Tag nehmen wir ein Boot noch weiter in den Norden an den äußersten Rand der Yasawa-Inselgruppe. Dort gibt es berühmte Höhlen, in denen man schwimmen gehen kann. Die erste Höhle ist groß, es gibt einen Durchlass in der Decke durch den das Sonnenlicht etwas Licht spendet. Unterwasser gibt es einen versteckten Durchlass in den dunklen Teil des Höhlensystems. Die Guides leuchten uns mit Taschenlampen den Weg und wir tauchen todesverachtend in die Finsternis. Das Ganze ist echt ein bisschen spooky, aber wir haben Spaß. Trotzdem ist es schön, nach einem Stündchen die Sonne in Gänze wiederzusehen.

Yasawa-Fels

Vulkanische Felsformation auf den Yasawas

Zurück “zu Hause” entkommt Jenny beim Durchstöbern eines Rucksacks nur knapp dem Tode. Ein spitzer Schrei und Indiana Halemba kommt wie von der Tarantel gestochen reingestürmt. “Da ist was in Deinem Rucksack! Es ist lang und hat ganz viele Beine”. Was macht ein echter Abenteurer da als erstes? Er schnappt sich seine Kamera und versucht ausfindig zu machen, was es zu entdecken gibt. Als der gesamte Inhalt des Rucksacks auf dem Boden liegt, ohne dass sich etwas zeigt, glauben wir schon an eine Halluzination. Das Ungetüm lässt sich nicht auffinden. Doch plötzlich erschreckt sich auch der sonst so coole Herr Halemba: “Ich glaub’ es nicht! Ein Skolopender!” Diese Viecher sind leider verdammt giftig! Ein Biss ist zwar normalerweise nicht lebensgefährlich, jedoch extrem schmerzhaft und verursacht üble Nebenwirkungen wie Lähmungserscheinungen, Schwindelgefühle und unter Umständen auch Atemprobleme und Herzrhythmusstörungen. Mit diesem Kollegen ist also nicht zu Spaßen! Mit der angebrachten Vorsicht gelingt es uns ein Beweisfoto zu schießen.

Skolopender

Sieht harmloser und kleiner aus als er ist: der Skolopender (ca. 15 cm) in unserem Rucksack

Wir beschließen, den Aufenthalt in der Nabua Lodge um einen Tag zu verkürzen (allerdings NICHT wegen des Skolopenders), um noch in den Genuss einer der kleinen Klischee-Südseeinseln zu kommen. Wir canceln also die letzte Nacht und buchen uns auf South Sea Island ein, einem kleinen Inselchen, das man in gut fünf Minuten zu Fuß umrunden kann. Was vorher aber noch kommt, kann man wohl einen langen Geburtstag für Herrn Halemba nennen.

Da jeden Tag neue Leute ein- und auschecken, ist es immer ein bisschen wie im Lotto. Am Abend vor Martin’s Geburtstag haben wir jedenfalls keine sechs Richtigen. Die meisten sind gegen zehn in Richtung ihrer Zimmer abgezogen – in großem Stil rein feiern ist also nicht. Macht aber nix, denn wir haben in weiser Voraussicht noch einen Rotwein mitgebracht, der jetzt stilvoll geköpft wird. Wir feiern also ganz gediegen zu zweit in den 24sten (beziehungsweise den 34sten) rein und machen uns einen schönen Abend.

Am nächsten Tag gibt es dann eine kleine Überraschung – das hat Frau Schmitz schön geschickt eingefädelt. Direkt nach dem Frühstück gibt es ein Geburtstagsständchen der Belegschaft, Bula-Kranz und pinkfarbene Schaumbombe inklusive.

Geburtstag Martin

BULA! Martin und die pinke Geburtstags-Puffbrause

Im Anschluss nehmen wir den gelben Yasawa Flyer zur finalen Lokalität. Die kleinste Insel der Mamanucas, South Sea Island, präsentiert sich uns im besten Licht – das Wetter schlägt pünktlich zum Ausklang unseres Fiji-Trips wieder in die richtige Richtung um.

Southsea Island

Klischee Südsee-Insel

Die Entscheidung war auf jeden Fall gut. Hier finden wir alles, um pünktlich zum Abschied noch mal Richtig die Seele baumeln lassen zu können. Und zum krönenden Abschluss sehen wir fünf Minuten vor Ende unserer definitiv letzten Schnorchelrunde noch einen Hai. Den ersten und letzten auf Fiji … für dieses Mal.

Sonnenuntergang South Sea Island

Die Stühle bleiben für’s Erste leider leer …

Wir sind uns einig: die Fijianer werden uns in Zukunft noch mal zu Gesicht bekommen. Hier ist es einfach zu schön!

Vinaka und Moce
Martin & Jenny

 

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Bis zum nächsten Mal, Hobbiton!

Unsere Muskeln brennen noch vom Tongariro Alpine Crossing, weswegen wir den Folgetag ziemlich gediegen in diversen vulkanischen Hot Pools im Tongariro National Park verbringen. Gut erholt treten wir anschließend die weitere Reise Richtung Lake Taupo, dem größten See Neuseelands, an. Dort stoppen wir als erstes bei den überaus beeindruckenden Huka-Falls. Diese gehören zum Waikato River, der im etwas höher gelegenen See entspringt. 220.000 Liter Wasser pro Sekunde schießen hier mal eben den Fluss herunter, das sind locker 1.500 Badewannen voll. Jede Sekunde! Das Wasser ist dabei kristallklar. An gehobener Wasserqualität mangelt es den Kiwis jedenfalls nicht.

Huka Falls

Die Huka Falls – 220.000 Liter Wasser … pro Sekunde!

Da wir nur alle paar Tage einen Holiday-Park anfahren, um Strom und Wasser zu tanken und Dreckswasser loszuwerden, versuchen wir dazwischen immer schöne, möglichst kostengünstige Plätze für die Nacht zu finden. Freedom-Camping wird inzwischen nicht mehr so gerne gesehen bei den Einheimischen. Das hat leider zu viele Idioten dazu verleitet, beispielsweise ihr Toilettenpapier und die damit “verbundenen Dinge” überall in der Gegend rumliegen zu lassen … die Geldstrafen sind dafür mittlerweile schwindelerregend hoch. Man muss also die Augen und Ohren offen halten, um was Geeignetes zu finden. Mit unserer Bleibe für die kommende Nacht sind wir daher mehr als zufrieden. Ein super schöner, kostenloser und am Fluss gelegener Park für Camper aller Art und wir ergattern DEN Sahneplatz direkt am Wasser. +Yaaayyy+

Waikato-Camping

So kann man mal ‘ne Nacht verbringen. Traumkulisse am Waikato River.

Anschließend machen wir einen Abstecher zur Tour de France. Herr Halemba ist drauf und dran, das Bergtrikot zu gewinnen. Die roten Punkte sind vorsorglich schon mal am Rad, am Trikot arbeitet er noch. Aber die Haltung ist toppstens.

Rennrad

Nur was für die ganz Großen. Radrennsport in Neuseeland.

Da Frau Schmitz aber nicht mehr mit auf das Rad passt, entscheiden wir uns schweren Herzens doch für den Camper zur Weiterfahrt nach Rotorua. Ist auch bequemer.

Dort angekommen empfängt uns ein – Tongariro sei Dank – inzwischen vertrauter Geruch nach faulen Eiern und Schwefel. In Rotorua wimmelt es nur so von heißen vulkanischen Quellen, meterhohen Geysiren und blubbernden, stinkenden Schlammlöchern. Es dampft und brodelt wohin das Auge schaut, die Erde scheint auf hoher Flamme ein paar Süppchen zu kochen.

Hot Lake

Sieht schöner aus als er riecht: Heißer See in Rotorua.

Den Schwefelgeruch kriegen wir am Besten im schönsten aller Kiwi-Landstriche aus der Nase – dem Auenland. In einem Kaff namens Matamata hatte Peter Jackson vor Beginn der Dreharbeiten zum Herrn der Ringe (1999) “sein” perfektes Hobbiton bzw. Hobbingen gefunden. Dank der letzten Dreharbeiten zum Film “Der Hobbit” sind die ursprünglich abgerissenen Hobbit-Höhlen wieder komplett errichtet und inzwischen langfristig für uns Touris zugänglich geworden.

Auf den Spuren von Frodo, Sam, Gandalf & Co. inspizieren wir das kleine grüne Paradies und wünschen uns, hier ein Ferienhaus (bzw. Ferienhöhle) kaufen zu können. Die meisten Höhlen und sämtliche Accessoires haben natürlich Hobbitgröße und erinnern fast an Puppenhäuser in einem Märchenland für Kinder. Festangestellte Gärtner und Requisiteure sorgen den ganzen Tag dafür, dass der Rasen grün ist, die Blumen blühen und auch die kleinsten Details an Haus und Hof tippitoppi aussehen. Fast zu schön, um wahr zu sein.

Hobbingen

Hobbingen ist immergrün.

Hobbithoehle

Sam’s Zuhause. Hobbit-Eigenheim deluxe.

Inzwischen brechen leider schon die letzten Tage unserer Neuseelandreise an. Bevor es nach Auckland geht, nehmen wir uns noch rund fünf Tage Zeit für die Coromandel Peninsula. Da hier subtropisches Klima herrscht, ist es wieder etwas milder. Der Unterschied zwischen Tag- und Nachttemperatur liegt jetzt nicht mehr bei über 15 sondern “nur” noch bei rund zehn Grad und wir frieren nicht mehr so nach dem Aufstehen!

Um es vorweg zu nehmen, der ganze Landstrich ist der Hammer! Es gibt tolle Strände, schöne Wege, viel Grün, viel Sonne und ganz wenige Menschen. Wir starten mal mit einem kleinen Panorama-Bild, aufgenommen in der Nähe der Cathedral Cove.

Coromandel Panorama

Küstenabschnitt der Coromandel Peninsula

Und wo wir schon beim Thema sind, zeigen wir gleich noch eine kleine Impression vom nördlichen Teil des Strands in der besagten Cathedral Cove. Die Bucht ist von einer Steilwand aus glattem, hellen Sandstein begrenzt und ziemlich spektakulär. Am besten gefällt uns aber nicht die namensgebende “Cathedral” – ein großer Felsdurchgang von einer Strandhälfte zur anderen – sondern der einsame Obelix-Hinkelstein, der am Nordende der Bucht aus dem Wasser ragt. Die Bäume an der Spitze und die kleine Fotografin unten links vermitteln eine ungefähre Vorstellung der gigantischen Ausmaße des Kiesels, der von den Maoris “Te Hoho” genannt wird.

Te Hoho

Te Hoho – schicker Gigant im Wasser.

Wir bewegen uns weiter nach Norden und strapazieren unseren fahrbaren Untersatz mit einem 15 Kilometer langen Höllenritt auf unbefestigter Straße. Die Tour lohnt sich. Wir teilen uns den Campground mit einem Maori-College und sind am nächsten Tag die einzigen Strandgänger am quasi hauseigenen Strand. Unfassbar, dass hier nicht tausende Menschen die Sonne anbeten. Uns freut’s umso mehr – wir fühlen uns wie die Eigner des Landes.

Coromandel-Beach

Coromandel-Strände sind schön, lang und derzeit einsam.

Anschließend – langsam machen wir uns mit dem unangenehmen Gedanken vertraut, dass unsere Reise sich dem Ende nähert – fahren wir die Westküste runter und bewegen uns gemächlich Richtung Auckland. Am 15.4. wird uns die Air Pacific nach Nadi bringen, der Hauptinsel der Fidschi-Inseln. Endlich Erholung …

Von da aus werden wir uns dann wieder melden – voraussichtlich schon zum letzten Mal.

Zur Übersicht haben wir mal eine kleine Karte der Neuseeland-Route gebastelt – animiert versteht sich *g*

New Zealand Map

Neuseeland in fünf Wochen: Schmitz und Halemba auf Abwegen. Da sind ein paar Kilometer zusammengekommen.

Eure traurigen Bald-Heimkehrer

Jen & Maddin

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Aus gegebenem Anlass

Happy Birthday

Liebe Grüße aus Whangamata, Coromandel Peninsula!

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Heading North

Marlborough – Inbegriff für guten Wein. Zumindest in Neuseeland. Der hier produzierte Sauvignon Blanc ist tatsächlich bereits weltberühmt. Wir wollen wissen, ob das zurecht der Fall ist und buchen uns in ein familienbetriebenes Backpackers ein. Hausherrin Missus Watson erläutert uns erstmal 20 Minuten lang die Familiengeschichte, die (Wein-)Region und die anstehende Flugshow im Ort. Ach ja, das schöne Hostel zeigt sie uns nebenbei auch noch.

Wir starten also am nächsten Vormittag per gemietetem Velo die Tour durch die Weingüter der Region. Wir haben uns ganz schön was vorgenommen, denn in Marlborough gibt es dutzende Vineries – wir haben also die Qual der Wahl. In diesem ganz speziellen Fall lassen wir aber mal eine kleine Bildserie für uns sprechen.

Weintour

17 Weine an einem Nachmittag … und dann noch die Pints!

Nicht verschweigen darf man allerdings das Ende der Geschichte. Im englischen Pub Cork & Keg, der letzten Station unserer Tour, treffen wir nämlich nicht nur Leute aus unserem Hostel, sondern lernen auch noch das halbe Dorf kennen. Deswegen bleiben wir – die Pints mit lokalem Bier vertreiben langsam aber sicher den Weingeschmack auf der Zunge – bis zum Zapfenstreich hier und amüsieren uns prächtigst.

Leicht angeschwipst wollen wir anschließend auf unsere Drahtesel springen, um natürlich auf direktem Weg “nach Hause” zu fahren. Voller Entsetzen müssen wir aber feststellen, dass auch in Renwick im schönen Marlborough die Langfinger ihr Unwesen treiben. Die Räder sind weg (Schlösser gab es natürlich keine)! Wir scheuchen die ganze verbleibende Meute auf, um die Übeltäter dingfest zu machen. Das Ergebnis ist ernüchternd. Wir treten also betreten den Heimweg an, um dem Hostel-Papa das Unglück (gegen 12 Uhr nachts) zu schildern. Er kommt uns schon auf der Einfahrt entgegen und faltet uns regelrecht zusammen. Wir fühlen uns wie ungezogene Schulkinder. Es stellt sich nämlich heraus, dass ER die Räder “geklaut” hat. Laut Hausordnung hätten wir die guten Stücke nämlich bis sechs Uhr abends VOR dem Besuch des Pubs zurückbringen müssen … hätte man uns ja auch vorher sagen können. Naja – Unwissenheit schützt vor Schelte nicht.

Am nächsten Morgen – es ist Ostermontag – bekommen wir zum Abschied trotzdem noch ein Osterei in die Hand gedrückt und alles ist vergeben und verziehen. Wir können also guter Dinge Richtung Picton zu den Marlborough Sounds fahren, wo noch ein Kajak-Trip auf uns wartet. Laut Aussage der Locals soll das Wetter am kommenden Tag nämlich “beautiful” werden. Wir entscheiden uns also für den Ganztagestrip.

Der Kajakverleih sowie die Kajaks selbst machen einen sehr ordentlichen Eindruck. Wir erhalten die obligatorische Sicherheitseinweisung “quick and dirty” per Video und können morgens um zehn ins Wasser gleiten. Auf die Wettervorhersagen der Locals ist wieder einmal Verlass – es ist grau, bewölkt und windig. Macht nix, wir haben uns inzwischen daran gewöhnt und rudern durch die schönen Sounds.

Kajak

Frau Schmitz in schicker Weste auf dem Queen Charlotte Sound

Unsere Anstrengungen – sechs Stunden Kajakfahren haben es in sich – werden schließlich doch noch belohnt. Wir entdecken die ersten sonnenbadenden Seelöwen an Land und werden Zeugen der Show dieses besonders faulen Selbstdarstellers.

Seeloewe

Mimik á la Seelöwe

Abends belohnen wir uns mit dem Besuch einer ordinären Pommesbude – leider muss festgehalten werden, dass Frau Schmitz die wohl schlechteste Pizza Neuseelands zu sich nehmen durfte. Bahsses! Auch der Salat ist ein Witz – oder wird bei uns neuerdings auch pure Mayonnaise als Dressing serviert?

Am Folgetag verlassen wir die schöne Südinsel und setzen mit der Fähre “Interislander” auf die Nordinsel über. Petrus hat uns wieder lieb und beschert uns dieses Mal wirklich “beautiful” Wetter. Und da bei der Überfahrt der Queen Charlotte Sound durchfahren werden muss, erhalten wir doch noch die Möglichkeit, diesen bei feinstem Wetter zu knipsen.

Sounds

Kurz vor’m Verlassen der Südinsel – Ausgang der Marlborough Sounds

Gute drei Stunden später sind wir auch schon in Wellington, Neuseelands Haupstadt, angekommen. Die Stadt wird Ihrem Spitznamen “Windy Welly” voll gerecht – uns bläst ein mächtiger Wind entgegen, aber uns kann ja inzwischen nix mehr schrecken.

Windy Welly

Ganz schön windig in Windy Welly

Das Stadtleben tut uns trotzdem mal wieder gut und wir gehen für rund eineinhalb Tage den üblichen Tätigkeiten nach: Kühlschrank auffüllen, Tanken, Shoppen und Sightseeing beziehungsweise Kulturprogramm. Wir machen ein winzig kleines Studio ausfindig, das einen Teil zur “Herr der Ringe” Trilogie beitragen durfte. In der “Weta Cave” wurden einige Figuren und Kostüme entworfen und umgesetzt, die wir uns für umme (unfassbar!) anschauen dürfen:

Lurtz, der Ork:

Lurtz

Einschüchterungsversuche bei Lurtz dem Ork

Gollum:

Gollum

Ich mag sie roooh und zzzappelnd!

… und noch ziemlich viele Rüstungen, Waffen und anderer Schnickschnack.

Da wir leider nicht mehr soo viel Zeit haben, verlassen wir Wellington gen Norden an der wunderschönen Kapiti Coast entlang. Auf dem Weg in den Norden geraten wir zwischen Whanganui und Whakapapa plötzlich in eine Schafsherde. Die (nicht mehr ganz so) wolligen Kollegen sind wirklich überall.

Schafe

Schafe, Schafe, den ganzen Tag Schafe

Wir erreichen am 4.4. den DOC-Campingplatz in der Nähe des Tongariro National Parks. Abends trinken wir noch einen Tee mit unseren netten israelischen Nachbarn und halten den grandiosen Sonnenuntergang auf “Film” fest.

Sonnenuntergang

Sonnenuntergang am Rande des Tongariro National Parks

Da wir mit dem Ziel hergekommen sind, dem Schicksalsberg in Mordor Aug in Aug gegenüber zu stehen, beschließen wir, uns an das “Tongariro Alpine Crossing” zu wagen.  Die Wettervorhersage will es so (diesmal werden wir nicht enttäuscht), dass wir sofort am Morgen des 5.4. starten. Schon auf dem Weg zum Start zeigt sich uns der Schicksalsberg (eigentlich Mt. Ngauruhoe) – allerdings gar nicht mal so furchteinflößend.

Mount Doom

Der nette Schicksalsberg von nebenan

Bevor die Tour losgeht, hinterlassen wir noch ein Foto – man weiß ja nie …

Tongariro Crossing

Startschuss zum Tongariro Crossing

Schon kurz vor dem “Red Crater”, dem Hauptziel der Wanderung, bietet sich uns ein schöner (weil nicht komplett wolkenverhangener) Blick auf Mt. Ngauruhoe. Die Laune des Schicksalsbergs hat sich eindeutig verschlechtert!

Mount Doom 2

Es grummelt im Schicksalsberg. Wo sind die Orks?

Am Ziel angelangt bietet sich ein Wahnsinnsblick in den “roten Krater”, einem der Hauptkrater von Mount Tongariro, dem Namensgeber des Nationalparks. Die Wände sind wie nicht anders zu erwarten rot mit peschschwarzen Abschnitten, und Qualm steigt an vielen Stellen auf. Im dahinterliegenden Tal scheint paradoxerweise die Sonne. Es riecht heftig nach Schwefel beziehungsweise faulen Eiern.

Red Crater

Blick in den “Red Crater”

Wir schießen noch das Beweisfoto vor den knallgrünen “Emerald Lakes” und freuen uns auf dem Weg ins Tal schon auf das Bad in den heißen Quellen der Umgebung. Morgen ist nämlich Erholungsprogramm für die müden Knochen angesagt.

Emerald Lakes

Mordors Bezwinger vor den Emerald Lakes.

Man liest sich.
Jenny & Martin

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Wetcoast

Die Wetter-Prognose war schon schlecht. Aber was uns dann am Morgen des 25. März erwartet, ist eine einzige Frechheit. Es gießt aus Eimern und eine Nebelwand die ihresgleichen sucht hängt über Glenorchy (und damit auch über Paradise). Da die Vorhersage auch für morgen einigermaßen bescheiden ist, beschließen wir schweren Herzens, die Elfenetappe zu canceln. Unser Regenzeug ist einfach zu schlecht. Glücklicherweise haben wir noch am Ankunftstag eine rund 2-stündige Tour ins Umland unternommen – die Landschaft ist auch hier schon spektakulär.

Glenorchy

Schicker Seeabschnitt auf dem Weg nach Glenorchy

Wir beschließen, ein paar Kilometer mehr zu fahren – unser Programm ist schließlich einigermaßen straff. Erstmal geht’s zurück nach Queenstown. Wir essen einen der berühmten Ferg-Burger (die Dinger sind wirklich groß!) und füttern die Möwen mit den übriggebliebenen Pommes.

Moewen

Ziel fest im Blick – fertigmachen zum Abflug – fokussiert zuschlagen (zu schnell für die Kamera)

Ansonsten ist Queenstown, wie erwartet, einigermaßen touristisch – viel Jungvolk ist unterwegs. Wir füllen also nur schnell unsere Vorräte auf, tanken und machen uns auf den Weg Richtung Westküste. Fox- und Franz-Josef-Gletscher warten auf uns.

Fox-Gletscher

Grüner geht’s nicht.

Kurz vor dem Fox-Gletscher machen wir den nächsten Stop, um am nächsten Morgen früh eine Tour starten zu können. Es regnet immer noch in Strömen, weshalb wir uns an einer nahe gelegenen Lachsfarm ein Trostpflaster für’s Abendessen besorgen. Der Wetterbericht sagt aber für morgen ab 10 Uhr besseres Wetter voraus. Leider ist die Verlässlichkeit hierzulande ähnlich wie bei uns zu Hause. Morgens regnet es stärker denn je. Trotzig fahren wir trotzdem zum Gletscher-Einstieg, müssen aber nach einem kleinen Fotostopp resigniert kapitulieren. Der Weg ist nass definitiv zu gefährlich, abgesehen davon, dass wir so kaum um eine Lungenentzündung herumkommen – es ist nämlich auch gar nicht mal so warm.

Wir fahren einen Campingplatz vor Greymouth an und setzen uns erstmal in den hauseigenen Whirlpool. Der ist für lau und gibt uns Zeit zum Nachdenken. Wir erwägen einen Heli-Flug über die Gletscher. Da aber nicht klar ist, wie die Sicht ist, trösten wir uns mit einer Bierverköstigung bei “Monteigh’s Brewing Co”. Die Tour durch die kleine Brauerei (leider inzwischen von DB aufgekauft) ist kurz und informativ, die maori-stämmige Dame kennt sich im Brauwesen aus und weiht uns in die Geheimnisse neuseeländischer Braukunst ein (die leider sehr britisch geprägt ist, also nix mit Schaumkrone). Die Verkostung sagt uns trotzdem zu.

Nach kurzer Ausnüchterung fahren wir an einem großartigen Stück Westküste Richtung Westport und damit an den berühmten Pancake-Rocks vorbei. Das Wetter meint es endlich wieder gut mit uns und die Sonne lacht uns freundlich ins Gesicht. Wir halten und drehen die übliche Touristenrunde. Einziger Wermutstropfen: dir äußerst lästigen Sandlflies, die einem den Spaß hier echt ein wenig vermiesen können. Garstige kleine Biester! Trotzdem ist die Aussicht toll.

Pancake Rocks

Pancake Rocks – Pfannkuchenfelsen an der Westküste

Wir fahren noch ein gutes Stück weiter nach Norden. Der Abel Tasman Nationalpark wartet. Der ist zwar eine der Hauptattraktionen und damit in der Regel ziemlich überlaufen, aber wir sind ja glücklicherweise nicht in der Hauptsaison unterwegs. Unser letzter Stopp vor der Nordküste ist Kawatiri Junction, ein ehemaliger Bahnhof aus dem späten 19. Jahrhundert. Viel ist nicht mehr übrig, dafür hat’s hier heute massig Sandflies. Wir stecken also – wie es hier Brauch ist – die Hosen in die Socken (der heißeste Scheiß, wenn wir wieder nach Hause kommen, wetten?) und überlegen satte 30 Sekunden, draußen zu essen, entscheiden uns aber doch dagegen.

Tags drauf erreichen wir – später als gedacht – Maharau und versuchen ein paar Kajaks zu ergattern, um den Abel Tasman National Park seeseitig zu erkunden. Leider teilt man uns mit, dass es um ein Uhr mittags schon zu spät ist, da allein die Sicherheits-Einweisung schon eine Stunde dauere … wir verstehen zwar nicht, was es da groß zu erklären gäbe, gönnen uns aber ein sauschweineteures Wassertaxi und lassen uns vom Skipper in Anchorage absetzen. Hier ist es glücklicherweise deutlich angenehmer als in der Bucht in Alaska gleichen Namens. Zeit also, eine kleine Pause einzulegen. Was folgt, ist der anstrengende Teil. Wir laufen rund 16 km auf dem Abel Tasman Track zurück nach Maharau. Der Weg ist schön, angenehm zu gehen und führt uns durch schattige Wäldchen an türkisfarbenen Buchten vorbei.

Abel Tasman

Der Abel Tasman von seiner Schokoladenseite

Nach kurzer illegaler Dusche in einem dort ansässigen Campingplatz wollen wir uns in der Golden Bay nordwestlich von hier einen Platz für die Nacht suchen. Die etwa 75 km ziehen sich heftig in die Länge, weil mindestens die Hälfte der Strecke aus feinsten Serpentinen besteht. Nicht ganz ungefährlich, aber dabei ziemlich spaßig und immer wieder mit Wahnsinns-Ausblicken. Spät finden wir das “Kiwiana” in Takaka, dem kulturellen Zentrum der Golden Bay. Wir kochen und lernen ein paar Winzer aus aller Herren Länder kennen, die in Neuseeland praktische Erfahrungen sammeln und einen Einblick ins hiesige Winzerwesen bekommen. Wir begießen gemeinsam den Abend zwischen Tischtennisplatte, Billardspiel und Jenga-Challenge. Schön.

Wir verlassen das Kiwiana gegen 10 Uhr am nächsten Tag und fahren zu den Te Waikoropupu oder kurz Pupu-Springs. Die Quellen sind mit 14.000 qm Wasser pro Sekunde die größten Australasiens und die angeblich klarsten der Welt. Als wir das Wasser sehen, glauben wir dran. Der schätzungsweise zehn Meter tiefe See sieht aus, als führe er gar kein Wasser, weil man wirklich komplett ohne erkennbare Trübung bis auf den Grund gucken kann – sehr zum Leidwesen der fetten Fische, die es hier schwer haben, sich zu verstecken.

Te Waikoropupu Springs

Ganz schön klar – die Te Waikoropupu Springs

Im Anschluss ist Erholung angesagt. Wir fahren zum Tata Beach und lassen uns für ein paar Stunden die Sonne auf den Pelz scheinen. So richtig verwöhnt worden sind wir diesbezüglich zuletzt ja nicht. Nachdem wir genug Sonne getankt und leider zusätzliche Sandfly-Bisse bekommen haben, machen wir uns nach Nelson auf, einer der angeblich lebenswertesten Städte der Welt. Wir passieren einige Höfe, die lustigerweise alle “Horse Poo” für 2$ den Sack anbieten und kaufen bei einer lokalen Hippiefarm Vegetables für die nächsten Tage ein. Anschließend noch schnell in den Supermarkt für den fleisch- und sprithaltigen Teil der lebensnotwendigen Verpflegung und ab auf die nächste Campsite. Morgen ist Ostern – wir sind vorbereitet.

Nelson ist zwar nett, aber an den Feiertagen auch ziemlich ausgestorben. Dafür tragen ein paar Kreuzträger ein solches durch die Stadt. Bizarrerweise kommen Ihnen in dem Moment, wo sie uns passieren, ein paar Leute in hippie-ähnlicher Kluft entgegen, die auf Schellen, Rasseln und Trommeln einen Höllenlärm machen. Teil des Programms, intendierte Zusammenkunft oder Gegenbewegung? Wir wissen es nicht.

Bevor wir uns in Richtung Marlborough aufmachen, besuchen wir noch das sogenannte “Centre of New Zealand”, wobei wir einem frechen Bluff aufsitzen. Das Hinweisschild an der Straße behauptet klar und deutlich, dass es zum besagten Centre nur noch 50 Meter sind, also steigen wir aus und beginnen mit der Suche. Es kommt wie es kommen muss: der Mittelpunkt Neuseelands befindet sich natürlich auf einem Berg, den wir ahnungslos mit unseren Flip Flops besteigen. Gute 15 bis 20 Minuten Fußmarsch und ca. 200 Höhenmeter später erreichen wir auf dem Gipfel den Mittelpunkt des Kiwi-Landes. Die Aussicht über Nelson bei Sonnenschein kann sich sehen lassen, wir schießen noch schnell ein Beweisfoto und starten den Abstieg.

Center of NZ

Mittendrin statt nur dabei. Die Schmitz-Halemba-Connection am Centre of NZ

Jetzt geht’s erstmal weiter Richtung Marlborough – der Weinverkostung, den Sounds und der Überfahrt zur Nordinsel entgegen. Es gibt schlechtere Aussichten.

Cheers, Hei kona ra und Frohe Ostern!
Jenny & Martin

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Kiwi, Kiwi oder Kiwi?

Die Frage muss man sich in Neuseeland schon mal stellen. Denn hier kann sowohl das Wappentier der Neuseeländer, die mittlerweile weltweit verbreitete Frucht oder aber der Einwohner daselbst gemeint sein … und offensichtlich noch einiges mehr.

Wie Ihr seht, beschäftigen wir uns standesgemäß mit den wirklich wichtigen (philosophischen) Fragen des Lebens. Das geht deshalb, weil unser Flug (gefühlt) wirklich flott war und der Jetlag aus unerfindlichen Gründen ausgeblieben ist.

Um uns nicht in Details zu verlieren (was gerade Herr Halemba bekanntermaßen gerne tut), möchten wir heute mal mehr Fotos als Text für uns sprechen lassen und werden versuchen, uns kurz zu fassen. Regel Nummer eins eines guten Vortrags haben wir hiermit schon mal gebrochen – es kann also nix mehr schief gehen … auf geht’s!

Wir starten in Christchurch, einer eigentlich ganz hübschen Stadt, die leider Anfang 2011 von einem schlimmen Erdbeben heimgesucht wurde. Leider sind die Folgen bis heute deutlich sichtbar – das Stadtzentrum ist immer noch komplett im Aufbau befindlich. Die Neuseeländer haben aber eine angenehm charmante Art mit Schicksalsschlägen dieser Art umzugehen. Im Zentrum wurden kurzerhand bunte Container übereinander gestapelt, die alten Geschäfte dort (wirklich schick) untergebracht und damit das Projekt Re:START ins Leben gerufen.

Container Christchurch

Container-Chique in Christchurchs Innenstadt

Anschließend starten wir unsere Tour Richtung Süden, mehr oder weniger entlang der Ostküste. Erster Halt ist die Rakaia Gorge. Wir ergattern einen Standplatz auf der “Terrace” mit tollem Blick auf den Fluss. Eine gute Gelegenheit für die Dame des Hauses, vor der Behausung der nächsten Wochen zu posieren.

Rakaia Gorge

Erster Halt: Rakaia Gorge. Der Camper läuft.

Wir gewöhnen uns langsam ans Fahren auf der linken Seite und brettern weiter Richtung Lake Tekapo. Da uns der etwas spießig-piefige Campingplatz direkt am See (und damit mitten im Touri-Ort) nicht zusagt, fahren wir eine lange Seitenstraße bis zum kleinen Lake McGregor und finden dort einen DOC-Campingplatz. Das ist nicht nur günstig, wir treffen auch eine Menge netter, gleichgesinnter Leute (überwiegend Franco-Kanadier), mit denen wir den Abend feucht-fröhlich beschließen.

Am nächsten Morgen schlafen wir lange aus (wir ham ja schließlich Urlaub!) und suchen dann einen einsamen Parkplatz, um ein Ründchen am See spazieren zu gehen. Klima und Landschaft meinen es gut mit uns; außerdem sind wir ganz unter uns. Was ‘ne Ruhe!

Lake Tekapo

Ganz entspannt am Rande des Lake Tekapo.

Als wir weiterfahren, sehen wir in der Ferne plötzlich Mount Cook – unser nächstes Ziel. Unser Freund Lake Tekapo wird seinem Ruf gerecht und leuchtet Blau für uns. Alles echt! (man unterstellt Herrn H. ja schon mal unlautere Mittel beim Bearbeiten der Fotos …)

Tekapo plus Cook

Lake Tekapo und Mount Cook machen es dem Fotografen einfach.

Es geht also weiter Richtung Südalpen. Wir gabeln noch zwei deutsche Anhalterinnen (beide blutjunge Dinger von 19 Jahren!) auf und nehmen endlich selber Kurs auf Mount Cook, den höchsten Berg Neuseelands. Mit 3754 Metern ist er nahezu genauso hoch wie der Großglockner, immerhin der höchste Berg Österreichs. Dabei ist er aber so schwierig zu besteigen, dass angeblich über 70 Menschen beim bloßen Versuch ihr Leben lassen mussten. Wir begnügen uns daher mit einer netten Tour ins Hooker Valley mit schönem Blick auf den berühmten Giganten.

Hooker Valley

Hängebrücke auf dem Weg ins Hooker Valley – der blaue Fleck ist Jenny.

Wir verlassen die Südalpen mit dem guten Gefühl der ersten erfolgreichen Wanderung in den Beinen gen Südosten – nicht ohne vorher an Peter’s Lookout zu halten. Der Blick ist einfach zu schön!

Peter's Lookout

Blick auf die Südalpen von Peter’s Lookout am Lake Pukaki

Mit Oamaru wartet am irischen Saint Patrick’s Day ein Städtchen auf uns, das berühmt für seine Altstadt ist. Trotz schlechten Wetters hat sich das Zentrum für die Parade herausgeputzt und die Altstadt macht auf Achtzehnhundertsoundso. Wir fahren eine Runde mit der historischen Eisenbahn und versuchen vergeblich ein paar Pinguine am Hafen zu erspähen. Die sollen hier nämlich abends in Scharen auftreten. Dafür machen wir, zurück in der Altstadt, ein Foto einer pittoresken Ecke und erlauben uns diesmal, dem Retroschick mit einem Stich Sepia gerecht zu werden.

Oamaru City

Oamaru Altstadt – besonders heute ein schicker Fleck Erde

Bevor wir die Stadt verlassen, besuchen wir noch den Strand mit Lookout und sehen tatsächlich die ersten wilden Robben des Urlaubs. Die sind aber so faul, dass sie die meiste Zeit wie erschossen am Strand rumhängen. Da es zu kalt ist, als dass wir es ihnen gleich tun können, machen wir uns wieder auf den Weg.

In Neuseeland gibt es laut Wikipedia immer noch 32,4 Millionen Schafe. Und es waren mal noch mehr. Bei einer Einwohnerzahl von weniger als 4,5 Millionen Menschen eine unfassbare Zahl. Da wundert es nicht, dass man unterwegs eigentlich permanent an Schafherden vorbei fährt. Ein paar der wolligen Tiere haben wir mal “auf Film” gebannt.

Schafe

Das übliche Bild am Rande von Neuseelands Straßen: Schafe

Der nächste Halt ist Dunedin (Vorsicht, die Aussprache ist “De-nie-denn”). Die Stadt soll eigentlich sehr schön sein. Da das Wetter aber noch schlechter geworden ist, fahren wir nur einmal mitten durch, füllen unsere Vorräte auf und überlegen, was wir noch unternehmen können, bevor wir einen Schlafplatz für die Nacht suchen.

Es gibt eine Albatross-Kolonie, die wir gerne sehen würden. Die Neuseeländer wollen dafür aber satte 50(!), in Worten fünfzig Dollar haben, weshalb wir davon Abstand nehmen. In Oamaru hätten wir für die Pinguine schon 25 Dollar berappen müssen. An dieser Stelle sei trotz aller Sympathie mal gesagt: was ihr Kiwis mit den Touristen macht, ist üble Abzocke! Wir haben von Mitreisenden erfahren, dass viele “Attraktionen” bis vor einigen Jahren kostenlos oder zumindest sehr günstig waren. Der Preisanstieg ist so exorbitant, dass einem schlicht die Lust vergeht, Geld für diese Dinge in die Hand zu nehmen. So – genug der Tirade, wir wollten ja kurz und so …

Wir fahren etwa 25 km weiter nach Aramoana, wo es eine Free Campsite geben soll. Wir finden nur öffentliche Toiletten. Auf einer Mole steht ein Camper mit Locals. Die sind nett und schlagen vor, dass wir auch einfach bleiben und nix zahlen – das machen wir. So kommen wir zu unserer ersten “Freedom Camping” Erfahrung. Schön isses, auch wenn der Wind hier ordentlich laut pfeift.

Am nächsten Morgen geht’s noch mal für einen Abstecher in die Stadt, um die steilste Anliegerstraße der Welt zu sehen. Was sollen wir sagen – die ist wirklich steil (35%). Uns haut es die Kühlschranktür auf (die wir mal wieder vergessen haben zu verriegeln) und sämtlicher Inhalt verteilt sich im Bus. So groß ist die Sauerei glücklicherweise nicht, und wir posen noch schnell für’s obligatorische Foto.

Steile Straße

Steiler Typ.

Wir beschließen einen Umweg in die Catlins in Kauf zu nehmen. Dort ist es nämlich A) wenig touristisch, und B) können eine Menge Tiere in freier Wildbahn beobachtet werden, ohne einem dabei ans Portmonee zu gehen. Dass die Antarktis schon mal die ein oder andere frische Brise rüberbläst, können wir verkraften.

Auf dem Weg runter kommen wir an den Moeraki Boulders vorbei und –hey, wir sind Touristen –denken uns, dass wir die Zeit noch erübrigen können. Es regnet, aber der Weg lohnt sich. Die Welt hätte sonst den einzigartigen Boulder-Dance von Frau Schmitz verpasst. Schlanker Fuß, die Dame!

Boulder Dance

Jenny tanzt den Boulder Dance

Da bleibt dem Herrn der Schöpfung nur ergriffenes Staunen. Was macht der Mann von Welt also? Gute Miene zum nassen Spiel.

Boulder 2

Halembas Boulder-Blick

 Wir erreichen die Catlins und sind angetan von der wilden Schönheit des Landes. Klingt das jetzt geschwollen? Egal – die deutsche Sprache gibt eben Einiges her. Auch wild ist die Tatsache, dass wir mehr oder weniger zufällig gleichzeitig mit Freunden aus Köln in Neuseeland sind. Eine kurze Textmessage zwischen den Damen Uli und Jenny bringt dann plötzlich die Gewissheit, dass wir nur rund 30 km voneinander entfernt sind. Also schnell an der nächsten Abfahrt links und ab zum Nugget Point. Die Straße ist übel, aber der Camper überlebt die 15 km Gravel Road. Japanische Wertarbeit eben. Schnell noch zum Leuchtturm hoch und tatsächlich warten Marco und Uli schon und vertreiben sich die Zeit mit diesem Ausblick:

Nugget Point

Nugget Point – Blick auf den Südpazifik

Nach 20 Minuten Austausch von Reiseberichten machen wir uns auf den Weg zum Parkplatz, um noch mal auf das Wiedersehen anzustoßen – natürlich nicht ohne das obligatorische Gruppenfoto. Herr Halemba wird langsam alt und verpasst fast den Timer. Ein Hechtsprung katapultiert den alten Mann der Runde dann aber doch noch ins Bild.

Gruppenbild

Wiedersehen am Ende der Welt

Zurück am Parkplatz bauen wir erstmal stilecht das Campingmobilar auf und öffnen ein Fläschchen eisgekühltes Kiwi-Bier. Die öffentlichen Toiletten im Hintergrund komplettieren das traumhafte Ambiente.

Bierchen am Parkplatz

Bierchen am Parkplatz

Wir reißen uns rechtzeitig los, um noch am selben Tag in Pounawea anzukommen, unserem Platz für die Nacht. Schöner Platz, schlechtes Wetter – damit ist eigentlich alles gesagt. Tags drauf geht’s in die Porpoise Bay – ein letzter Versuch, Pinguine “in the wild” zu Gesicht zu bekommen. Die Bucht ist der Knaller. Direkt nach unserer Ankunft sehen wir ein paar Hektordelfine, die in der Hauptbucht fröhlich ihre Runden drehen. Das geht ja gut los. Wir essen und ziehen los, um auch noch einen Blick auf die Pinguine werfen zu können. Da Gelbaugenpinguine im Gegensatz zu praktisch allen andern Pinguinen Einzelgänger und dazu noch ziemlich scheu sind, ist es um so schwieriger, sie in freier Wildbahn zu sehen.

Wir legen uns also auf der Lauer und beginnen schnell zu frieren. Die Antarktis ist, wie schon erwähnt, ja nicht mehr so wahnsinnig weit weg und der Wind bestätigt das. Die Sonne geht langsam unter und die Umgebung wird noch schöner. Darum machen wir schnell ein Panorama-Bild bevor wir kapitulieren.

Curio Bay

Das Frieren hat sich gelohnt – die Curio Bay im Panorama

Auf dem Rückweg beschließen wir, die letzte Option zu ziehen und nehmen den Umweg über die andere Seite der Bay in Kauf. An einem kleinen Viewpoint stehen ein paar Leute und … beobachten zwei Gelbaugenpinguine an Land. Wir haben es also doch noch geschafft! 20 Minuten gucken wir dem Erkundungsgang des einen gebannt zu (der andere liegt die ganze Zeit faul rum), bevor uns die Kälte endgültig in den Van zurücktreibt.

Der nächste Tag steht ganz im Zeichen der Wasserfälle. Wir fahren vier oder fünf davon ab und laufen immer wieder durch urwüchsiges Kiwi-Gehölz, bis wir kein Wasser mehr sehen können. Stellvertretend für alle anderen, posten wir hier mal ein Bild der vielleicht schönsten Kaskade, die wir außerdem komplett für uns alleine haben.

Wasserfall

Wasserfall in der grünen Hölle

Über Invercargill machen wir uns auf den Weg nach Te Anau, mit dem finalen Ziel Milford Sound. Unser erster Halt ist Henry Creek, wo wir in der Abendsonne kochen und ein “Feierabend-Bier” öffnen. Nachts ist es immer noch kalt, aber wir haben uns langsam daran gewöhnt. Am nächsten Tag erledigen wir einige praktische Dinge (wie Wasserwechsel) und halten am Cascade Creek. Hier gibt es eine schöne kleine Wanderstrecke, die durch einen absoluten Märchenwald führt. Die Eindrücke sind schwerlich auf Foto festzuhalten. Fast jeder Baum ist mit Moos überwachsen und wir meinen Baumbart an jeder Ecke zu sehen.

Ent-Wald

Ent-Wald par excellence

Wir beschließen, vor Milford Sound noch eine Tagestour einzulegen und entscheiden uns für den Gertrud-Sattel. Von oben soll man in den Sound reinschauen können – das überzeugt uns. Der Aufstieg ist kniffliger als gedacht. Es geht über Geröllfelder und blanke Felswände (mit Kletterseilen aus Stahl) vorbei an schönen Bergseen, bis wir endlich oben den tollen (und kalten) Ausblick genießen dürfen.

Milford Sound

Milford Sound aus der Vogelperspektive

Da wir uns beim Anblick des nächsten Fotos nicht mehr eingekriegt haben (und es zudem das einzige Bild von uns beiden zusammen auf der gesamten Klettertour ist), wollen wir Euch am Spaß teilhaben lassen. Und fragt bitte nicht, warum der feine Herr links genau in diesem Moment an den Ultimate Hulk denken musste (Zur Auswahl bei der Wahl des neuen Spitznamens stehen im Moment “Der Halslose” oder “Hulklemba”). Die Kommentarfunktion ist jedenfalls hiermit freigeschaltet.

Hulklemba

Der halslose Hulklemba. In seinen Armen Betty Ross – ganz in Blau

Nach diesen Eindrücken ist der Milford Sound von unten fast nicht mehr der Rede wert. Wir schauen auf dem Rückweg noch bei den “Chasm”-Wasserfällen vorbei (Danke für den Tipp, Uli Benn) und hören schon von weitem den Schrei eines Keas. Glücklicherweise läuft der Lümmel nicht weg und wir können gerade noch die Knipstaste drücken, ehe er zu seinen Kumpels in den Wald fliegt.

Kea

Kea auf fremdem Terrain

Wir nächtigen heute in Glenorchy in der Nähe von Queenstown – wieder ziemlich im Nirgendwo. Morgen früh fahren wir nach Paradise hoch (etwa 25 km von hier), wo ein paar Szenen aus dem Herrn der Ringe gedreht wurden – unter anderem Lothlorien. Wir freuen uns also auf den Elfenwald. Bis dahin gibt’s noch ein Bierchen. Ihr hört von uns.

Feldbier

Happy Campers

Cheers
Eure Happy Campers

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Good Morning Vietnaaam!

Zugegeben, einfach gemacht haben es uns die Vietnamesen nicht. Wenn man aus dem relaxten, beschaulichen und wunderschönen Luang Prabang ins verstopfte, überfüllte, hektische und versmogte Hanoi kommt, dann ist ein Kulturschock erstmal vorprogrammiert. Nachdem wir uns damit vertraut gemacht haben, dass man seine Augen sprichwörtlich überall haben muss, da es keine Gehwege gibt (die nicht voller Straßenstände, essender Menschen, Handwerkern, geparkten Mopeds oder Müll wären) und der durchschnittliche Verkehrsteilnehmer aber auch so gar keine Lust hat, auf uns unbedarfte Mitteleuropäer (die deutsche StVO §1-53 immer im Hinterkopf) Rücksicht zu nehmen, beschließen wir, zu überleben. Das ist nicht immer einfach, aber wir wollen nicht klagen. Wie Eingangs erwähnt, machen es uns die Vietnamesen wirklich nicht so leicht, zum Beispiel einfach eine Straße zu überqueren. Hier mal eine Impression des normalen Strassenwahnsinns. Welcome to Mopped-City!

Hanoi - Mopped City

Noch eine der harmloseren Kreuzungen

Trotz eindringlicher Warnungen bezüglich des Umgangs mit den Einheimischen (auch in Bezug auf Touristen-Nepp), lassen wir uns prompt von einer “freundlichen” Fruchtverkäuferin überrumpeln, die uns schneller den Hut aufgesetzt und die Fruchtkörbe umgehängt hat, als wir “Ananas” oder wenigstens “không”, das bedeutet schlicht “nein”, sagen können. Natürlich will sie “no money” von uns, nur die Tüte mit Ananasstückchen sollen wir doch BITTESCHÖN mitnehmen – für 80.000 Dong, das sind fast 3 Euro. Dafür kann man übrigens anderswo mindestens ein leckeres Bier bei einem netten vietnamesischen Gericht zu sich nehmen. Der Durchschnittsverdienst in Vietnam liegt laut unserer Quelle übrigens bei etwa 150 EUR im Monat … wie auch immer, wir speisen die inzwischen gar nicht mehr so fröhliche Dame mit 25.000 Dong ab (immer noch zu viel) und nehmen uns vor, es mit der Freundlichkeit nicht immer so genau zu nehmen, wenn wir angequatscht werden.

Fruchtverkauf in Hanoi

Zwei waschechte vietnamesische Fruchtverkäufer.

Um diese Erfahrung reicher, suchen wir die in Hanoi üblichen Sehenswürdigkeiten aus. Wir lassen uns von einem Taxi mit tatsächlich regulärem und nicht getürktem Taximeter zum Ho-Chi-Minh-Museum und -Mausoleum fahren (in dem die Leiche von “Onkel Ho” entgegen seinem letzten Willen einbalsamiert ausgestellt wird). Die Umgebung mutet doch sehr sozialistisch an, riesige geradlinige graue Gebäude, dazu ein geometrisch exakt abgestimmter Garten. Der Sonnenkönig hätte seine helle Freude daran gehabt. Jenny hat es sich nicht nehmen lassen eine stramme Parade zu organisieren – es wollte nur leider keiner mitmachen.

Mausoleum

Strammer Aufmarsch vor Onkel Ho’s Mausoleum.

Abends gönnen wir uns ein wenig Kultur und besuchen das in ganz Vietnam bekannteste und erfolgreichste Wasserpuppen-Ballett. In neun “Szenen” wird die vietnamesische Kultur und Teile der Landesgeschichte an Hand bunter im Wasser “tanzender” Puppen dargestellt. Schön asiatisch.

Water Puppets

Da tanzen Sie, die Water Puppets.

Wenn man schon mal im Norden Vietnams ist, sollte man sich einen Besuch in der Ha-Long-Bucht nicht entgehen lassen. Nach einem kurzen Wettercheck, der leider sehr ernüchternd ausfällt (Nebel und Nieselregen), entscheiden wir uns daher nur für eine Tagestour. Bei gutem Wetter wäre eine Zwei-Tagestour sicherlich schöner und weniger stressig gewesen. Sei’s drum, morgens um acht Uhr geht es mit dem Minibus von Hanoi aus los – rund dreieinhalb Stunden später sind wir am Hafen der Stadt Ha Long angekommen.

Vorab sei angemerkt, dass wir uns für die etwas teurere Tages-Tour entschieden haben, da die Dame im Reisebüro uns versichert hat, dass wir dann auf einem deutlich neueren Schiff mit hervorragendem Mittagessen untergebracht werden. Laut unserem Loose-Reiseführer sollte man vor Buchung einer Tour darauf besonders achten, denn viele Schiffe seien eigentlich gar nicht mehr seetauglich. Sozusagen “Betreten auf eigene Gefahr”.

Also wieder zurück zur Hafenszene! Wir schauen uns um – überall veraltete Schiffe, der Lack ist sprichwörtlich ab. Wir suchen nach einem neueren Modell – vergeblich! Da werden wir auch schon gebeten, eine der vielen Rostlauben zu betreten. Das ist also unsere ganz private Sterne-Yacht. Wir beten und betreten mutig die Planken. Die Vietnamesen wissen definitiv, wie man Geld verdient! Das ist also das Geheimnis des Aufschwungs der letzten Jahre. Wenigstens das versprochene Mittagessen ist tatsächlich gut und reichlich. Wir lernen an unserem Tisch ein paar junge Japaner kennen und können unsere kürzlich erworbenen Japanisch-Kenntnisse erneut unter Beweis stellen. Die Teller sind noch nicht ganz leer, da sind wir schon mitten drin in der Ha-Long-Bucht, die übrigens zu den neuen Weltwundern gezählt wird, worauf unser Guide sichtlich stolz ist! Auch wenn es bei Sonnenschein vermutlich etwas paradiesischer ausgesehen hätte, sind wir von der gesamten Kulisse bei Dunst und Nebel beeindruckt. Spooky!

Halong-Felsen

Neblige Karstfelsen in der Halong-Bucht.

Mitten in dieser Idylle befindet sich ein “Floating Village”, ein schwimmendes Fischerdorf. Die Einheimischen verdienen sich etwas Geld mit dem Verleih von kleinen Ruderbooten und Kajaks, mit denen wir Touris die nähere Umgebung samt “Höhlen” (irgendwie waren es am Ende nur Felsdurchgänge) selbst erkunden können. Wir suchen die körperliche Ertüchtigung und schwingen uns selbstredend in eines der kleinen Kajaks. Mit der Kamera bewaffnet (waterproof under the Hoodie) werden ein paar Bilder von Höhlen, Felsen und dem Fischerdorf geschossen, bevor es nach rund 30 Minuten wieder zurück auf unsere Rostlaube geht.

Floating Village

Floating Village Houses in der Halong-Bucht.

Unser pubertierender Tour-Guide gewährt uns einen Einblick in seine sehr ausgeprägte Phantasie und erklärt uns, welche Figuren in den Felsen zu erkennen sind: vom Fisch über kämpfende Hähne bis hin zu einem küssenden Paar ist angeblich alles zu sehen. Dieses Rätselraten wird anschließend während des Besuchs einer Tropfsteinhöhle fortgeführt. Dieses Mal “sehen” wir Affen, Palmen, Löwen, Brüste und andere spannende Körperteile. Kein Kommentar!

Einigermaßen erschöpft kommen wir abends um halb neun wieder in unserem Hostel an und lassen den Tag und die gewonnen Eindrücke Revue passieren. Fazit: wegen des schlechten Wetters haben wir uns unserer Meinung nach richtigerweise für die Tagestour entschieden, auch wenn diese alles in allem etwas schlaucht. Bei besserem Wetter würde ich aber jedem raten, eine 2- oder 3-Tages-Tour zu ordern. Die Ha-Long-Bucht ist es definitiv wert!

Nach dem ganzen Staub, den wir in den vier Tagen Hanoi einatmen durften (ganz zu schweigen vom puren Stress des täglichen Überlebenskampfs) sehnen wir uns allmählich nach Sonne, Strand und Meer, vor allem aber auch nach Ruhe und guter Luft! Wir beschließen einen längeren Inselstopp einzulegen und nicht noch weitere Städte im zentralen Vietnam zu bereisen. So wahnsinnig viele Inseln hat Vietnam nicht zu bieten – unsere Wahl fällt (auch aufgrund der Nähe zu Ho Chi Minh City) schnell auf die südlichste und größte Insel Phu Quoc. Der Loose (Zur Erinnerung: das ist unser Reiseführer) schreibt, dass man definitiv JETZT nach Phu Quoc reisen soll, wenn man in einigen Jahren den berühmten Backpacker-Spruch bringen will: “Wärst Du mal vor 10 Jahren da gewesen”. In Kürze soll die Insel nämlich mit den bekannten Thai-Inseln Kho Samui und Phuket konkurrieren können. Das ist zumindest der Wille der Regierung in Hanoi. Russische Investoren gibt es wohl schon reichlich …

Auch die Taxifahrt gibt Aufschluss über die rasante Entwicklung, denn es gibt schlichtweg keine Möglichkeit für unter 120.000 Dong (ca. 4 EUR) zu unserem Ressort zu kommen. Laut Herrn Loose (Stand 2011) hätte dies maximal ein Drittel sein sollen, aber was will man machen. Der Tourismus hält Einzug, mit ihm steigen die Preise und mit ihm kommt der Müll (dazu später mehr). So ist das Leben. Wir konstatieren: wären wir schon VOR ein paar Jahren hier gewesen, hätte der Spruch seine Berechtigung gehabt, so ist er schon überholt. Wir lassen uns die gute Laune aber nicht verderben, zumindest das Wetter empfängt uns nämlich königlich. In unserem “Beachclub Resort” angekommen, werden wir nett empfangen, das Zimmer ist schön, sehr sauber (das ist nicht immer selbstverständlich) und hat darüber hinaus auch noch Meerblick! Auch sonst kann sich unsere neue Bleibe sehen lassen, allabendlicher Sonnenuntergang inklusive.

Beach Club Resort

Unser Hausstrand vor dem Beach Club Resort. Gar nicht mal so hässlich.

Der erste Tag steht ganz im Zeichen des “Nichts-Tuns” steht (Sonne, Essen, Lesen, Schlafen) und es gefällt uns gut. Dem guten alten Flipper übrigens auch.

Flipper is back

Flipper erfreut sich des Anblicks von Frau Schmitz auf der Luftmatratze.

Am Folgetag chartern wir zwei Exemplare des beliebtesten Fortbewegungsmittel der Vietnamesen – rischtiisch, et Mopped! Lustig behelmt geht es los, um die Nordhälfte der Insel zu erkunden. Die Helme hier sind im Übrigen nicht mit den unseren zu vergleichen. Style ist eben alles – die Teile ähneln eher normalen Baseball-Caps (gerne mit einer “FBI” oder “Police” Beschriftung) und sind garantiert nicht TÜV-geprüft.

Moped-Jenny

Cop Jenny vom FBI auf ihrer Rennkiste.

Die Fahrt gestaltet sich je nach Untergrund und Verkehrsaufkommen anspruchsvoll, nur die Haupt-Hauptstraße ist geteert. Da das Verkehrsverhalten der Einwohner, vorsichtig ausgedrückt, gewöhnungsbedürftig ist, lernen wir gezwungenermaßen schnell und kommen nach kleineren Komplikationen am nord-westlichen Zipfel der Insel an. Von dort aus fahren wir am Meer entlang zurück, machen hier und da Halt an einsamen Stränden und stoßen auf mehrere Fischer, die hier die weltberühmte Fischsauce “brauen”. Nice and smelly!

Fischsauce

Die angeblich beste Fischsauce kommt aus Phu Quoc.

Sonnencreme haben wir natürlich vergessen, womit uns der erste ordentliche Sonnenbrand nach fast 6 Stunden Mopedtour die Haut verbrennt. Wir reden uns ein, dass das Thema mit ein bisschen Aprés Sun Lotion schnell erledigt sein wird, sehen uns in dieser Annahme allerdings eine Woche später getäuscht. Es blättert also. Abends gönnen wir uns zur Abkühlung einen “Hot-Pot”, eine Art Fondue mit Gemüsebrühe. Neben Fisch und Fleisch schmeißen die Asiaten aber auch jegliches (uns teils unbekanntes) Gemüse in den Pott. Dazu gibt’s ein kühles Saigon Green – lecker!

Hot Pot

Herr Halemba heiß auf Hot Pot.

Wir suchen die gesunde Mischung aus Entspannung und Aktivität und buchen folgerichtig (nach einem weiteren Strandtag) eine Schnorcheltour zu den südlichen An Thoi Inseln. Bei Kaiserwetter betreten wir mit ca. 15 weiteren Personen das Boot und fahren gen Süden. Noch vor dem eigentlichen Schnorcheln sollen wir alle unser eigenes Mittagessen fangen – es wird also geangelt. Das Hightech-Equipment ist schon an Board. Jenny entscheidet die Challenge mit zwei zu eins Fisch(ch)en klar für sich. Der Verlierer ist angemessen zerknirscht.

Angeln

Big Fish!

Neben den selbstgefangenen Fischen wurde ordentlich zu Mittag aufgetischt. Außer den bekannten Gerichten (Vietnamesische Suppe, gebratene Nudeln, Reis, Ei und Gemüse) gab es jedoch auch eine absolute Premiere für uns: Seeigel! Was sollen wir sagen? Mit Zitronensaft und Chili durchaus lecker! Auch wenn so ein Seeigel aus gar nicht mal soviel Seeigel besteht, wenn er einmal geöffnet vor einem liegt.

Seafood on Board

Feinste vietnamesische Igel-Küche!

Das eigentliche Highlight ist dann leider eher traurig. Die Unterwasserwelt war sicher mal wunderschön – heute ist jedoch schon so viel zerstört und abgestorben, dass bunte Korallen und Fische Seltenheitswert haben. Wer die Organisation genauer unter die Lupe nimmt, dem wird auch schnell klar warum das so ist: pro Tour springen 15-20 meist unerfahrene Schnorchler ins Wasser und trampeln mit ihren Flossen auf so ziemlich alles, was sich Koralle oder Igel schimpft. Ein paar Idioten aus “unserer” Gruppe haben sich zur Verschnaufpause auch schön mitten auf eine Hartkoralle gestellt. Von den Guides kommt natürlich keine entsprechende Ansage – es zeigt sich, dass sie es selbst wohl auch nicht besser wissen. Und von diesen Anbietern gibt es leider ganz schön viele – da kann man sich ausmalen, wie lange hier noch Schnorcheltouren angeboten werden können. Beim nächsten Mal würden wir uns an eine Tauchschule wenden, da läuft das nämlich anders ab.

Auf dem Rückweg bekommen wir dann aber doch noch ein kleines Highlight: die Bucht einer der kleinen unbewohnten Inseln im Umkreis kann sich sehen lassen.

Nice Bay

Traumhafte Sicht auf versteckte Bucht im Süden.

Ein Besuch des angeblich schönsten Strands ganz Vietnams, dem “Beach Sao”, ist auch noch inklusive. Schön ist er schon (klares Wasser, feiner Sand, grüne Wälder rechts und links), aber auch hier liegt übelst viel Müll rum! Es gibt eigentlich kaum einen (bewohnten) Strandabschnitt, in dem nicht wenigstens eine Plastiktüte hier und da im Meerwasser schwimmt. Die meisten Anlagen scheinen es mit ihrer Liebe zur Natur nicht allzu ernst zu nehmen. Alles in allem ist uns das leider sehr stark in Erinnerung geblieben. Deshalb sehen wir Phu Quoc vermutlich nicht wieder. Schade eigentlich.

Zum Abschluss möchten wir noch gemeinsam tauchen gehen. Da die Kommunikation mit der Tauchschule aber suboptimal läuft und wir keinen zusätzlichen Tag für’s “Refreshing” haben, entschließt Jenny sich “zu Hause” zu bleiben. Herr Halemba darf sich also alleine morgens um 6 aus dem Bett quälen, um ein Tauchboot für zwei Dives zu entern. Schnell stellt sich raus, dass das Team fähig und lustig ist, die anderen Taucher nett und die Gruppe überschaubar klein. Der erste Tauchgang darf zu zweit, der zweite zu fünft absolviert werden. Das geht wirklich kaum besser. Die Tour findet im Norden der Insel statt und zur allgemeinen Überraschung (nach der Schnorcheltour) und vor allem Erleichterung, sieht es hier im Meer noch ziemlich gut aus. Es gibt ein paar tolle Korallen und Anemonen zu sehen, einige Nudiebranches und schöne Fische, und zu guter Letzt auch noch einen Giant Puffer Fish, der tatsächlich ganz schön “giant” ist.

Dive Crew

Tauchcrew Phu Quoc

Abends treffen wir uns noch mit ein paar Leuten vom Tauchtrip: Andreas (aus Schweden), Pete und Annika (aus Bielefeld) und Skyler (aus den USA) und haben einen feucht-fröhlichen Abend. Womit wir (wie wir finden) eine unglaublich geschickte Überleitung zur nächsten Destination Ho Chi Minh Stadt aus dem Hut gezaubert haben. Die gesamte Truppe fliegt eh am gleichen Tag dort hin und wir verabreden uns für einen gemeinsamen (Abschluss-)Abend.

Und schwups sind wir auch schon da. Ho Chi Minh Stadt erscheint uns spontan etwas weniger stressig, etwas weniger dreckig und insgesamt einfach etwas freundlicher als Hanoi. Das mag daran liegen, dass wir inzwischen schon etwas abgestumpft sind, oder aber an unserem wirklich netten kleinen Hotel mit wirklich netten, kleinen Menschen. Wir schauen uns in der Stadt um und treffen abends wie abgesprochen die Phu Quocler. Nach einem ziemlich tollen “Rooftop-Barbecue” verbringen wir den Rest des Abends in oder bei (?) einem zünftigen “Bia Hoi”. Dieses typisch vietnamesische Vergnügen besteht darin, in großer, geselliger (und wegen Platzmangels seeehr kuscheliger) Runde auf winzigen Plastikstühlen mitten im Verkehrschaos zu sitzen und das eigens in den Kellern gebraute “Bia”, also Bier zu sich zu nehmen.

Street Scene

Nächtliches Saigon – viel Andrang zum Bia Hoi.

Das Zeug schmeckt inzwischen ganz passabel und wir schmeißen fröhlich einige Runden (bei etwa 30 Cent pro Glas ruiniert uns das nicht), nicht ohne es am nächsten Morgen ein wenig zu bereuen.

Cheers

Gude Launee und hoch das Bia!

Unser letzter Tag in Ho Chi Minh Stadt (und damit auch in Südostasien) führt uns noch ins “War-Museum”, wo anschaulich die Gräueltaten der Kriegsparteien ausgeschlachtet werden. Hin und wieder gerät die Ausstellung etwas ins propaganda-hafte, aber es läuft einem schon kalt den Rücken runter, wenn man sieht, zu welchen Taten Menschen in der Lage sind. Wir lernen ein bisschen was über die jüngste vietnamesische Geschichte und verlassen das Museum nach rund drei Stunden wieder, um in der heißen Nachmittagssonne das Frösteln aus den Knochen zu bekommen.

Am 11.3. prügeln wir uns mal wieder früh aus dem Bett (6 Uhr – und das im Urlaub!) und lassen uns zum Flughafen kutschieren. Neuseeland wartet auf uns und wir freuen uns gerade sehr über die vor uns liegende Abwechslung!

In kollegialer Zusammenarbeit hochachtungsvoll
Jennifer Schmitz (jsz) und Martin Halemba (mha)

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Sabaidee und Schweineschwarte

… oder so ähnlich.

Aber um nichts vorweg zu nehmen, fangen wir in guter alter Tradition am besten von vorne an. In Bangkok haben wir die gute Idee, neben der üblichen MBK-Shoppingtour auch ein bisschen Kulturprogramm mitzunehmen. Wir kennen ja auch nach wiederholtem Besuch der Stadt noch lange nicht alle Sehenswürdigkeiten. Also haben wir nach zähen Verhandlungen mit dem Taxifahrer (es scheint immer weniger Fahrer zu geben, die einen auf Taximeter, also für den regulären Preis, mitnehmen. Überhaupt haben wir eine Übersättigung der Thais bezogen auf den Tourismus wahrgenommen) den Weg zum Jim Thompson House gefunden. Herr Thompson hat sich im zweiten Weltkrieg nach Südostasien verirrt und sich offenbar in Land und Leute verliebt. Also hat er einige alte klassische Thaihäuser abbauen lassen und mitten in Bangkok wieder zusammengefügt und die Produktion der ehemals berühmten Thai-Seide neu angekurbelt und damit einiges für die Wirtschaft des Landes getan.

Gute Laune bei den Seidenspinnerinnen.

Gute Laune bei den Seidenspinnerinnen.

Auf den Tipp eines einzelnen Herrn hin (Danke Tom!) sind wir dann am letzten Tag noch auf Bangkoks “Schäl Sick” gefahren, um uns Wat Arun anzuschauen. Und was sollen wir sagen? Es hat sich wirklich gelohnt. Schöner alter Tempel inklusive grandioser Aussicht vom “Prang”, einem Turm im Khmer-Stil.

Bangkok von oben – zur Abwechslung mal ganz gediegen.

Bangkok von oben – zur Abwechslung mal ganz gediegen.

Per Nachtzug geht es am nächsten Tag nach Chiang Mai in den Norden des Landes. Leider konnten wir keinen Schlafwagen mehr ergattern. “You know you go on Valentines Day?!? We fully Booked.” +ZwinkerZwinker+ Manchmal sind die Asiaten schon komisch. Sei es wie es sei – auch die Fahrt im regulären Abteil überstehen wir gut und kommen halbwegs entspannt nach 17 Stunden Fahrt in Chiang Mai an. Hier ist es spürbar weniger hektisch als in der Hauptstadt und wir genießen diese Tatsache in vollen Zügen. Als Erstes schlendern wir ein bisschen durch die Stadt und schauen uns ein paar schöne Holztempel an. In einem treffen wir auf ein Tulpenbeet, das jeden Holländer vor Neid erblassen lassen würde!

Tulpen vom Feinsten. Und in der Mitte thront ganz gülden der gar nicht mal so dicke Buddha.

Tulpen vom Feinsten. Und in der Mitte thront ganz gülden der gar nicht mal so dicke Buddha.

Nach zwei Nächten im netten CM Bluehouse und einigen interessanten Unterhaltungen mit anderen Reisenden starten wir am 17.2. unseren Trekkingtrip mit Private Guide Chan. Er gabelt uns an unserem Hostel auf und wir machen uns erstmal mit unseren Mitreisenden Romana (aus Österreich), Anne und Rafael (aus Baden-Württemberg) bekannt. Erleichtert stellen wir schnell fest, dass wir es gut getroffen haben – nicht nur mit der Größe der Gruppe, sondern auch mit unseren netten Mitreisenden.

Unser erster Abstecher führt uns zu einem traumhaften Wasserfall (Mok-Fa), unter dessen kühlendem Nass wir erstmal unsere aufgeheizten Knochen erfrischen. Ein Traum in Spritzwasserweiß.

Jungle Boogie unter'm Wasserfall.

Jungle Boogie unter’m Wasserfall.

Anschließend gibt es einen superleckeren Snack, eine traditionelle Thai-Leckerei, die aus süßem “Sticky Rice” mit Kokosmilch und Sesam besteht, was zusammen in ein Bambusrohr gestopft und über dem Feuer gebacken wird. Wir sind verblüfft wie unglaublich lecker das Zeug schmeckt! Nach dieser Stärkung und dem anschließenden offiziellen Lunch düsen wir ab in die Berge und starten den eigentlichen Trek. Nach toller Tour und der Erkenntnis, dass es in Thailand tatsächlich noch “richtigen” Dschungel gibt, landen wir am ersten Abend in einem Dorf des Karen-Tribes. Glücklicherweise kennt Guide Chan die Menschen hier schon seit über 20 Jahren und wir dürfen uns glücklich schätzen, MIT den Einwohnern zusammen das Dach und das Essen zu teilen, und nicht als Touristen den Menschenzoo zu besuchen, wie es offensichtlich auf anderen Touren durchaus gang und gäbe ist.

Jenny mit Tribe-Baby. Auch wenn es hier anders aussieht: das Kind ist garantiert echt.

Jenny mit Tribe-Baby. Auch wenn es hier anders aussieht: das Kind ist garantiert echt.

Wir sind jedenfalls endgültig überzeugt, die richtige Entscheidung mit der Tour getroffen zu haben. Danke an dieser Stelle noch mal für den Tipp, Cris.

Tourguide Chan. Von links nach rechts beim Sieben von Reis, in der Küche und stilecht mit Smartphone im Urwald.

Tourguide Chan. Von links nach rechts beim Sieben von Reis, in der Küche und stilecht mit Smartphone im Urwald.

Am nächsten Tag dürfen wir uns mal als Tarzan und Jane fühlen, bevor wir nach ordentlichem Fußmarsch ein Dorf der Lahu besuchen, wo wir zu Mittag essen, einen Sprung in den Fluss wagen, um anschließend per Elefant weiter Flußabwärts zu ziehen.

Tarzan und Jane beim eleganten Schwung an der Liane.

Tarzan und Jane beim eleganten Schwung an der Liane.

Die Tiere sind ehemalige Waldarbeitselefanten, die mittlerweile nur noch hin und wieder ein paar faule Touristen befördern und ansonsten einfach Elefant sein dürfen und hin und wieder ein paar Bananen naschen. Unserer ist jedenfalls unersättlich und nur durch gutes Zureden schaffen wir es, die Bananenstaude halbwegs gut einzuteilen. Natürlich nicht ohne den ein oder anderen Föhn- und – ja – auch Waschgang aus dem Elefantenrüssel abzubekommen.

Auf dem Rücken der Elefanten liegt das Glück der Charmanten oder so ähnlich.

Auf dem Rücken der Elefanten liegt das Glück der Charmanten oder so ähnlich.

Nachdem die Dickhäuter uns abgesetzt haben, besteigen wir ein Bambus-Floß. Und wenn wir hier von einem Bambus-Floß sprechen MEINEN wir ein Bambus-Floß, denn das Teil besteht nur aus Bambusrohren, zusammengehalten von Bambusfasern. Wenn das mal gut geht! Andererseits, die Tribes knallen seit Jahrhunderten so die Flüsse runter, also sollten wir das auch hinbekommen. Und so ist es dann auch. Erfreulicherweise erwartet Chan von uns ein gehöriges Maß an Eigenverantwortung und so steuern wir zu dritt durchaus anspruchsvoll auch durch die ein oder andere Stromschnelle. Dabei haben wir ein paar echt kitzlige Situationen zu überstehen, da der Mae Kok zur Zeit sehr wenig Wasser führt und eine erhebliche Anzahl Steine frecherweise immer inmitten der Fahrrinne im Weg liegen. Dem Spaßfaktor ist das jedenfalls nicht abträglich – im Gegenteil.

Der Steuermann – ganz schön feist unterwegs.

Der Steuermann – ganz schön feist unterwegs.

Abends kommen wir dann in einem weiteren Lahu-Dorf an – und wir haben das Glück (wie sich später herausstellen wird, ist das mit dem Glück so eine Sache), dass das Dorf just in dieser Nacht den Jahreswechsel feiert. Schon kurz nach unserer Ankunft geht die Böllerei los und wir sprechen hier nicht von unseren popeligen Chinaböllern. Die Jungs hier haben waffenscheinpflichtige Bomben am Start, die nicht nur einen Höllenlärm veranstalten sondern dabei auch noch eine hübsche kleine Stichflamme in den Abendhimmel senden.

Abends gucken wir bei der Generalprobe für die morgigen Tänze zu und lernen auch noch ein abgefahrenes Lahu-Instrument aus Kürbiskorpus und Bambusrohren kennen. Klingt irgendwie nach einer Mischung aus Dudelsack, Panflöte und … RockNRoll? Tolle Sache, zumal wir selber noch spielen dürfen. Die armen Lahu …

In der Nacht sollen zu den Feierlichkeiten ein paar Schweine geschlachtet werden – und zwar um Punkt vier Uhr. Die Ladies entscheiden sich aus diesem Grund für Ohropax. Nach einer angenehmen Nacht, teilt man uns beim ausgiebigen Frühstück mit, dass aus irgendwelchen Gründen die Schweine doch erst JETZT geschlachtet werden sollen. Nebenan sind jedenfalls keine Profis am Werk. Wir ersparen Euch jetzt mal die Einzelheiten, aber Anne flüchtet sichtlich angeschlagen schnell in die Hütte. Heute kommt wohl eher kein Fleisch mehr auf den Teller! Das ganze Dorf beteiligt sich anschließend und jetzt durchaus fachkundig am Zerlegen der Tiere. Wir dürfen zusehen, wie der Schwanz und ein Teil der Rückenschwarte (plötzlich ergibt sogar die Headline einen Sinn) in das “Spirit House” gehängt werden, um selbige gnädig zu stimmen. Der Kopf soll später noch folgen. So ist das mit der Religion: irgendwie immer eine blutige Angelegenheit.

Lahu-Dorf bei der Ankunft. Noch liegt alles friedlich da.

Lahu-Dorf bei der Ankunft. Noch liegt alles friedlich da.

Zum Abschluss schauen wir noch in einer kleinen Schmetterlings- und Orchideenfarm rein. Das haben wir zwar im Dschungel alles schon gesehen, aber nicht unbedingt so vor die Linse bekommen.

Schön isser, der tropische Flattermann.

Schön isser, der tropische Flattermann.

Wir verbringen noch eine Nacht in Chiang Mai und verabschieden uns mit ein paar Bierchen von unseren temporären Mitreisenden. Rafael, Anne, Sissi … es war schön mit Euch :)

Ein Minibus fährt uns nach Chiang Khong an die laotische Grenze und wir schaffen es gerade noch vor Einbruch der Dunkelheit, alle Immigrations-Formalitäten zu erledigen, die Beamten zu schmieren (ein Dollar pro Person) und in Huay Xai ein Plätzchen für die Nacht zu finden. Der erste laotische Curry schmeckt zwar hervorragend, spielt meinem Magen aber übel mit. Die nächsten Tage gehe ich etwas leichtfüßiger als sonst – sicher ist sicher. Trotz knapper Planung schaffen wir es am darauffolgenden Morgen (7 Uhr morgens ist und bleibt eine unchristliche Zeit) auf unser Boot von Shompoo-Cruise zu hüpfen, um in zwei Tagen auf dem Mekong nach Luang Prabang zu schippern. Wir nehmen Mehrkosten in Kauf, um das klassische Slowboat zu vermeiden, das ziemlich überfüllt sein soll. Wir konstatieren: es hat sich gelohnt! Acht Leute haben eingecheckt, auf einem Boot, das 40 Leuten Platz bietet. Wie gediegen ist das denn bitte? Wir lassen die Landschaft vorbeiziehen und genießen die ersten wirklich entspannten Tage unserer Reise.

Ausspannen auf den Wellen des Mekong.

Ausspannen auf den Wellen des Mekong.

Luang Prabang empfängt uns fürstlich. Das Wetter ist schön, weil warm aber weniger schwül als in Bangkok oder Chiang Mai, die Unterkunft OK und die Stadt einfach nur schön. Seit 1995 UNESCO-Weltkulturerbe sieht man, dass hier Geld geflossen ist. Es ist sauberer als wir das gewohnt sind und die Gebäude – traditionelle Lao-Häuser, Tempel und französische Kolonialbauten – sind renoviert und rausgeputzt. Hinzu kommt, dass die Laoten wenig aufdringlich und sehr entspannt sind. Kurz: hier kann man es verdammt gut aushalten.

Ausläufer der laotischen Stadt Luang Prabang.

Ausläufer der laotischen Stadt Luang Prabang.

Den einzigen Schandfleck haben wir aber auch schon ausgemacht. Diesen unglaublich hässlichen Hund, der doch tatsächlich genau vor unserer Nase auf die Straße gekackt hat. Verzeiht unsere Ausdrucksweise – wir verlieren langsam unsere zivilisierte Sprache.

Was für ein stolzes Exemplar Canis Lupus.

Was für ein stolzes Exemplar Canis Lupus.

Schüssinger und bis bald – dann aus dem quirligen Vietnam
Jennifoch und Machtäng

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Goodbye Tokyo, hello Bangkok!

Auch wenn wir inzwischen im tropisch heißen Bangkok angekommen sind, wollen wir Euch die letzten Tage im kalten aber sonnigen Tokio nicht vorenthalten. So ein bißchen Touri-Programm muss schließlich auch sein und so haben wir nach der Geburtstagsfeierei den großen zentralen Yoyogi-Park mit seinem Meji-Schrein besucht. Wer durch den Yoyogi-Park schlendert, kann kaum glauben – geschweige denn hören – dass er sich in einer der größten Metropolen dieser Welt befindet. Vom Straßenlärm ist nichts zu hören, nur die über den Baumwipfeln herausragenden Skyscraper lassen erkennen, dass es sich hier um eine Millionenstadt handelt. Leider ist es nicht gestattet den Schrein selbst zu fotografieren, dafür haben wir jedoch Beweisbilder von unserer sog. “Segens-Karte”. Es hat Tradition auf einer kleinen Holztafel seine persönlichen Segnungen und Wünsche niederzuschreiben. Das haben wir uns natürlich nicht nehmen lassen – also “Holzbrettchen” gekauft, losgeschrieben, kurzes Stoßgebet an die Shinto-Götter und aufgehangen das Teil.

Frau Schmitz im Zwiegespräch mit den Shinto-Göttern.

Frau Schmitz im Zwiegespräch mit den Shinto-Göttern.

Der Tokio Skytree in all seiner Pracht!

Der Tokio Skytree in all seiner Pracht!

Samstag haben wir dann glücklicherweise wieder auf unseren persönlichen Tokio-Guide Martin zurückgreifen können, was das Lesen von U-Bahn-Karten und das Bestellen von Essen und Getränken doch erheblich erleichtert. Also machen wir uns auf den Weg zu einem noch recht neuem Touristenhöhepunkt: dem Tokio Skytree, welcher erst Ende 2012 fertig gestellt wurde. Der neue Fernsehturm Tokios hat satte 634 Meter vorzuweisen und ist damit der größte Fernsehturm weltweit. Die furiose Idee diesen dann an einem Samstag besuchen zu wollen hatten jedoch nicht nur wir, sondern noch gefühlte weitere 438.000 Japaner. Diesem Andrang mussten wir uns entziehen, ansonsten hätten wir 3 Stunden warten müssen, um uns endlich in die offizielle Warteschlange einreihen zu dürfen … hoffentlich ist das angekommen: um uns ANSCHLIESSEND in die offizielle Warteschlange einreihen zu dürfen! Aber nicht mit Familie Kommander! Also ab und weiter im Text.

Die nächste Station ist Akihabara – Traum aller Geeks und Manga-Fans. Hier kann man sämtliches Geraffel für den PC, die Spielekonsole oder sonstigen Geek-Nippes kaufen. Ein Paradies für Männer möchte man meinen – zumal auch ein paar Japanerinnen bei gefühlten 3 Grad (und tatsächlichen 9) im knappen Manga-Outfit die Strassen schmücken. Für die Dame von Welt (also mich) eher weniger spannend, für die Herren der Schöpfung umso mehr (Anmerkung des Co-Autors: diese Zeilen stammen natürlich von der Grande Dame aus der Eifel und sind entsprechend mit Vorsicht zu genießen) – aber das würden die natürlich niemals zugeben …

Kommen wir zum nächsten Punkt, dem Promi-Test: wem ist AKB 48 ein Begriff?

akb48

Ganz heißer Shit aus Japan: AKB 48! Wir rasten aus!!

Ein riesen Ding in Japan – millionenfache Plattenverkäufe! Die Mädels sind DIE Idole aller japanischen Mädels und uns gänzlich unbekannt. “Kawaï kawaï” würde der geneigte Japaner jetzt sagen. Ein Mädchen/eine Frau möchte immer “kawaï”, also süß und niedlich aussehen (was von den Männern wohl auch erwartet wird).

Gleicher Tag, nächste Station: Asakusa-Schrein.

Schön und majestätisch: ein Teil des Asakusa-Schreins.

Schön und majestätisch: ein Teil des Asakusa-Schreins.

Der Schrein ist ziemlich überfüllt (wir müssen natürlich auch am Wochenende herkommen …). Wir kämpfen uns durch die Massen und lassen uns von ein paar Essstäbchen erst einmal die Zukunft voraussagen (keine Fragen bitte!). Frau Schmitz erwischt dabei – wie sollte es anders sein – die “Best Fortune” Wahrsagung. Es geht also trotz der großen “3″ weiter bergauf. Oder zumindest nicht bergab. Um unser Reiseglück noch etwas anzukurbeln fächern wir uns heiligen Weihrauch in die Gesichter.

Nach so viel Weihrauch und Glück bekommen wir Hunger und stillen diesen stilecht in einem guten Sushi-Laden. Nicht ganz günstig hier, aber man gönnt sich ja sonst nix.

Zu guter Letzt fahren wir mit der hochmodernen und rein computergesteuerten Yurikamome-Linie rüber auf die künstlich angelegte Insel Odaiba. Asiaten kopieren ja laut Volksmund ganz gerne. Man munkelt sogar, im chinesischen Sprachgebrauch würde man für “lernen” und “kopieren” das gleiche Wort verwenden. So verwundert es uns auch nicht, dass wir mitten in Tokio einen Eiffelturm zu Gesicht bekommen. Dazu gesellt sich dann auch noch die Freiheitsstatue im kleineren Format – why not!

Statue – die kennt man doch!

Statue – die kennt man doch!

Zum Abschluss in Tokio noch ein stilechtes Gruppenbild im “Kawaï-Stil”. Wir sind besonders angetan von den unglaublichen Rehaugen des Herrn Graf!

kawaii

Was ein “Bambi-Automat” so alles kann: Weichzeichner inklusive!

Inzwischen ist es wie erwähnt heiß! Bangkok hat mal wieder konstant über 30 Grad, so dass wir unser Outfit anpassen durften. Endlich in “kurz”!

Endlich in "kurz"!

Endlich in “kurz”!

Sayõnara & Sawatdee!

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Tokio

Oder: Wie kriegen wir unseren Jetlag in den Griff?

Die Antwort ist: bisher schlecht. Aber wenn wir es gleich mal schaffen, vernünftig ein- und dann auch durchzuschlafen, hat sich das Thema morgen vielleicht schon erledigt. Abgesehen davon (und abgesehen von der Tatsache, dass wir zu wenig warme Klamotten dabei haben), geht es uns prächtigst. Denn Tokio ist groß, spannend, vielseitig und vor allem anders. Wenn unser persönlicher Cityguide Martin uns mal nicht an die Hand nimmt, kann man wohl mit Fug und Recht behaupten, dass wir uns selten so {wählt irgendein Adjektiv aus, das Euch gefällt} hilflos/unwissend/ungebildet/dämlich gefühlt haben.

Erstens spricht kaum ein Japaner Englisch, zweitens geht man aus Höflichkeit auch eher nicht auf die Leute zu, um Fragen zu stellen (und dann auch noch auf Englisch!) und drittens sind japanische Schriftzeichen (und es gibt mehr als nur EIN Alphabet) eben nicht ganz trivial zu lesen. Und häufig gibt es eben NUR die japanischen Schriftzeichen. Ach so, und wenn man dann gleich mehrere Tage in Folge den Reiseführer liegen lässt, ist das auch wenig hilfreich!

Nichtsdestotrotz haben wir unseren Spaß. Tokio sieht zum Beispiel nachts ziemlich fantastisch aus:

tokio_nacht

Tokio bei Nacht – ein Knaller in bunt.

Begeistert haben uns auch die Toiletten. Eine durchschnittliche japanische Toilette ist nämlich sowas wie die aufgemotzte Version des deutschen Standardmodells.

Pimp my Superklo!

Pimp my Superklo!

Oder welche Toilette hat bei uns einen beheizten Sitz, eine warme Popo-Dusche, eingebautes Deo und diverse Knöpfe für Flush-Geräusche, um andere Geräusche zu überdecken. Der absolute Wahnsinn!

Da werden wir uns aber am Besten gar nicht dran gewöhnen, sonst sind wir nur enttäuscht wenn es wieder in die Heimat geht.

Kulinarisch gibt es hier auch ziemlich viel zu entdecken. Neben den superleckeren Ramen (Suppen) haben wir schon viele lustige Dinge probiert, die so illustre Namen tragen wie Okonomiyaki oder Yakitori etc.pp. Japan ist also definitiv mehr als nur Sushi – auch wenn das wohl morgen auf den Tisch kommen wird.

Das größte Event war aber bisher eindeutig Jennys 20und10ter Geburtstag. Martin hatte ein paar spontane Freunde und Kollegen eingeladen, mit denen wir zuerst lecker koreanisch essen waren (ich persönlich bin ja ein großer Kimchi-Fan), bevor es dann absolut stilecht in die Karaoke Bar ging. Da wir schon beim Essen ein All-you-can-drink-Paket hatten (in Japan aufgrund der hohen Biersteuer gang und gäbe) war die Hemmschwelle auch für uns Westler ziemlich gering. Hier mal ein paar Impressionen:

Essenfassen: Koreanisches Barbecue in Tokio City.

Essenfassen: Koreanisches Barbecue in Tokio City.

 

Mindestens ein neuer Stern ist am J-Pop-Himmel aufgegagen!

Mindestens ein neuer Stern ist am J-Pop-Himmel aufgegagen!

Jenny ist auf jeden Fall jetzt auch offiziell erwachsen und wir können beruhigt die nächste Etappe Südostasien angehen. Natürlich  nicht, ohne vorher (drei volle Tage bleiben uns ja noch) noch einige Ziele in der Stadt anzusteuern. Morgen starten wir am Meiji-Schrein, um dann mal ein paar neue Stadtviertel kennenzulernen. Bisher haben wir uns nämlich nur in Nakano, Shinjuku und Shibuya bewegt und es gibt ja noch 20 weitere Bezirke. Vielleicht schaffen wir es sogar, ein Sumo-Training zu besuchen, aber das wäre dann eine andere Geschichte.

Bis dahin – Mata ne und Alaaf
Martin & Jenny

 

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