Brissie

Die Australier lieben Abkürzungen. Es gibt Zeugs gegen “Mozzies”, Australien ist “Oz”, Milch kommt vom “Milko” und am Saturday “Arvo” (afternoon) wirft man im Garten den “Barbie” (Barbecue) an und trinkt – wie bei uns – ein paar “Stubbies” dazu… und wir sind jetzt halt in “Brissie”. Auf den ersten Blick ist die Stadt eher etwas langweilig – ein kleineres uninteressanteres Sydney ohne Oper. Allerdings gibt es auch hier einige nette Ecken und die Gegend ist berühmt für ihre “easy going” Mentalität!

Central Station

Central Station

Judy ist am 19ten nach Neuseeland geflogen und May hat am 20sten einen Job im Inland auf einer Erdbeerfarm (nur Mädels zugelassen!) bekommen. Also sind wir nur noch zu dritt, wir Mannen. Aber auch wir waren bei der Jobsuche erfolgreich. Da aber mal wieder alles anders gekommen ist und der Post hier schon halbwegs veraltet ist, gibt es erstmal ein paar Impressionen von Brisbane:

Echse in den Parklands

Echse in den South Bank Parklands

Streetart

Street-Art

Kontraste

Kontraste (keine Retusche!!)

Business District
Der Business District

Und zum Schluss… ein waschechtes PILS!

PILS

Sooo… seit Montag sind wir jedenfalls in Chinchilla, etwa 300 Kilometer nord-westlich von Brisbane gelegen, wo wir uns in die Rock Melons stürzen. Glücklicherweise müssen wir die Schwergewichte nicht “picken”, sondern lediglich “stacken”, also in Kisten auf Paletten stapeln… tja, aber zu früh gefreut. Die Arbeit ist mit ziemlich großem Abstand das körperlich Anstrengenste, was ich je gemacht habe (und ich stand schon am Fließband oder den Paketen oder beim LKW ent- und zuladen!). Drei Liter in 4 Stunden ausschwitzen und wieder zu sich nehmen ist normal! Naja – die Kohle ist allerdings gut, von daher will ich nicht weiter meckern. Wir werden wohl noch rund 4 Wochen hier bleiben und uns ein finanzielles Pölsterchen schaffen und dann gehts auf Inseltour! Das ist ja ein ziemlich helles Licht am Ende des Tunnels!

Fotos von Chinchilla und einen kleinen Einblick in die Melonenarbeit wird es in den nächsten Tagen oder Wochen geben. Bis jetzt war noch keine Zeit zum knipsen. Die Hauptsache ist jedenfalls, dass ich eine mehr oder weniger funktionierende WLan-Verbindung hab’, um meinem Nerd-tum zu frönen.

Cheers und Helau!

Martin

Heading North

2. April
Wir holen uns nach einigen “Outback”- Warte-Minuten (mindestens die dreifache der angegebenen Zeit) unseren Ford Falcon “Stationwagon” ab und machen uns auf den Weg nach Norden. Der erste Stopp ist in Brooklyn. Tja – da bin ich dann also auch schon gewesen…

Vor Ort fragen wir ein paar Leute, wo man denn zelten könnte und werden auf einen kleinen Park verwiesen, in dem Zelten natürlich nicht gestattet ist. Da uns die Ortskundigen aber eine ruhige Nacht gewünscht haben, schlagen wir unser Zelt (im Auto ist eine komplette Campingausrüstung mit drin) in der hintersten Ecke des Parks auf. Während des Essens (es gibt fast überall Elektrogrills, die man for free benutzen darf) bekommen wir Gesellschaft von ein paar Opossums. Die Jungs machen sich gegenseitig das Leben ganz schön schwer und scheinen überhaupt ziemlich wilde Gesellen zu sein. Aber… schön zu sehen, dass man Wildtiere hier auch ohne Guide zu sehen bekommt.

Cheffe

Wer is hier der Boss? 

3. April
Nach der obligatorischen Katzenwäsche und einem kurzen Schock, als die rechte Hand des Rangers plötzlich auftaucht (“Zelten ist hier eigentlich nicht erlaubt. Wenn euch mein Chef erwischt, gibt’s Ärger. Aber der Alte liegt wahrscheinlich noch im Bett, weil er zu viel gesoffen hat…”), fahren wir weiter.

Eine kleine Landzunge, die auf der Karte als Lemon tree passage betitelt wird, entpuppt sich als hübscher Flecken Erde, wo wir den Campingplatz “Koala Shores” ansteuern. Die Leute sind alle extrem entspannt und freundlich, weshalb wir eine kurze aber gute Zeit haben. Bis auf einen kleinen Pool-Unfall vom Andy bleibt also alles, wie wir uns das vorgestellt hatten.

Ausgeknockt

Tyson vs. Holyfield

4. April
Am nächsten Tag peilen wir wieder einen Punkt an, der auf der Karte vielversprechend aussieht. Den Campingplatz Diamond Water in Laurieton. Im Prinzip das gleiche Bild: Entspannte Aussies, freundliche Hinweise (“…and behooind the hill – there is ya beach!”) und alles in allem Touri-freie Zone.

Poser am Strand

Poser am Strand

5. April
Auch am fünften April läuft noch alles nach Plan. Wir wollen nach “Red Rocks”, einem Gebiet zwischen Aboriginee-Historie und Camper-Idylle. Nach kurzer Ãœberlegung bleiben wir gleich zwei Tage, um dem täglichen Fahrstress (naja – hält sich zugegebenermaßen in Grenzen +g+) kurzfristig zu entgehen. Die Leute hier sind erstmals weniger freundlich als vielmehr leicht verschroben und unsere Nachbarn sind ein ziemlich stilles Alkoholikerpärchen (um 8:45 morgens schon die ersten 3 Kannen vernichtet!), aber die Umgebung ist toll. Unser Weg zum Strand beträgt schlappe 2 1/2 Minuten und wir haben inzwischen einen Ball am Start. Außerdem machen wir so eine Art Wattwanderung die beinahe ins Auge geht, aber mit dem Wasser bis zum Hals und den Handtüchern & Co über dem Kopf schaffen wir’s dann doch wieder ans rettende Ufer.

Red Rocks

Rockin’ Red Rocks

7. April
Nimbin!! Alle, die wissen, was es mit diesem Städtchen auf sich hat, brauchen eigentlich nicht mehr zu erfahren. Allen anderen sei gesagt, dass Nimbin DIE Hippiestadt schlechthin ist. Was hier an abgerissenen Autonomen und Möchtegern-Autonomen rumläuft ist echt kaum vorstellbar. Hinzu kommt, dass der Genuss von Cannabis hier zwar auch nicht wirklich legal, aber doch inoffiziell offiziell toleriert wird – ganz im Gegensatz zum restlichen Australien. Man stelle sich ein immerwährendes Woodstock vor, kombiniert das mit der Optik eines Western-Städtchens und man bekommt eine leise Ahnung von Nimbin. Alles andere muss man gesehen haben… ach ja, wir wohnen zwei Tage auf “Grannys Farm” und der Herbergspapa ist der Sohn von Jimmy Hendrix und Janis Joplin mit Bob Marleys Haaren in Grau… und ohne Zähne… oder so ähnlich!

Nimbin!

Pseudobreit

9. April
Erste Komplikationen. Byron Bay, unser nächster planmäßiger Halt, ist mächtig überlaufen. Klar – is’ ja auch noch Ostern und das Kaff hier gilt als Surfmekka. Nach vielen Telefonaten und ein klein wenig Stress fahren wir dann doch bis nach Coolangatta am südlichen Zipfel der Gold Coast weiter. Immerhin haben wir damit die Landesgrenze von New South Wales nach Queensland so gerade eben überfahren und sind somit im “Sunshine State”. Der Strand ist sehr weiß und schön und überhaupt, nur ein paar Flugzeuge vom örtlichen Flughafen stören die Idylle. Also bleiben wir auch hier zwei Tage und werden uns nachher mal zusammensetzen, wo’s anschließend hingeht.

10. April
Wir landen schließlich am südlichen Zipfel der Gold Coast in Coolangatta. Der Flughafen ist zwar direkt hinter unserem YHA, aber so wild ist das nicht. Der Strand ist kilometerlang und bis auf einige wenige Flecken wie leergefegt. Also steht ein Gammelstrandtag mit Sonnenbrandgefahr an. Außer Ben und Andy, die bei den Beinen bös’ mit der Sonnenmilch gespart haben, kommen alle mit etwas mehr Bräune zurück ins Hostel.

11. April
Wir wollen nochmal ins Hinterland und kommen schlußendlich im bisher gemütlichsten und außergewöhnlichsten Hostel der bisherigen Tour in einem Ort mit dem schönen Namen Murwillumbah an. Herbergsvater Tassie muss man sich als eine Mischung aus Peter Lustig und Daniel Düsentrieb vorstellen. Alles ist alt und nicht gerade hochwertig, aber allerfeinst gepflegt. Vom selbstgebastelten Headset/Sonnenbrille und Verstärker im uralten Tourbus über festgeschraubte Sonnenliegen und eigens in filigraner Handarbeit hergestellter Spezialmülleimer und Wandkarten ist alles irgendwie strange…aber nett. Außerdem gibt es jeden Abend um 9 von Tassie höchstpersönlich gekugelte Eiscreme for free. Wenn das mal nix ist. Wir besuchen noch die sogenannte “Natural Bridge”, die uns aber nicht so sehr vom Hocker haut und sind relativ zeitig wieder in unserer Villa Kunterbunt.

Villa Kunterbunt

Villa Kunterbunt

Der 12te wird in vorläufiger Erinnerung bleiben. Ben und ich fahren mit eine Deutschen, einer Kanadierin und einer Engländerin (der Rest unserer Truppe ist lustlos oder lädiert) von Tassie kutschiert zum Mount Warning, dem Wahrzeichen der Gegend.

Mt Warning 

Der will erklommen werden

Mit 1156 m ist er gar nicht mal so flach und erhebt sich alleine in einem ziemlich gigantischen Vulkankrater. Der Aufstieg soll rund 2 1/2 Stunden dauern – 786 Höhenmeter müssen bewältigt werden. Wir rocken los und kommen nach regenbewaldetem Marsch an die letzten 100 Höhenmeter.

Dschungel

Kleiner Ben im grossen Wald

Berühmt berüchtigt, weil nur mit Hilfe einer Chain, also metallenen Hilfskette, zu bewältigen, die an den Felsen befestigt ist. Die Steigung liegt je nach Abschnitt bei geschätzten 15-45 Prozent. Teilweise ganz schön heftig, wenn man sich vorstellt, dass die Australier hier teilweise extrem unvorbereitet und FlipFlop-beschuht ankommen. Heidenai!!

steil

Sehr viel steiler als man meint!

Wir packen den gesamten Aufstieg ziemlich verschwitzt in Einer Stunde, 40 und rücken zum stolzen Gruppenbild zusammen.

Gipfelsturm

Gipfelstuermer…

ungezwungen

…ungezwungen erwischt…

Nebel

…im Gipfelnebel!

Nachdem uns Tassie wieder zum Hostel gebracht hat, machen wir uns frisch, da ein Steakabend in einem Club (solche Clubs aller Art sind hier ziemlich populär!) ansteht. Das Essen ist OK und preiswert und sämtliche Leute wirklich nett. Ich unterhalte mich mit einer Endsechzigerin aus England, einem vielleicht 38-jährigen Aussie aus Sydney und der Kanadierin Kara – EnglischaufpolierungOmat!

Auf dem Rückweg können wir einem Bottleshop nicht widerstehen, weshalb der Restabend feucht-fröhlich gitarren- und bierschwanger zu Ende geht. Um 3 fallen wir zufrieden in die Heia.

13. April
Nach Sonne kommt Regen. Unnötige Diskussionen führen zu einer Fahrt bis 50 km über Brisbane. Jetzt sind wir im Dicky Beach Family Holiday Park (hört sich schlimmer an, als es ist) in der Nähe von Caloundra und schauen mal, wie’s weiter geht. Ich freu’ mich auf Brisbane und eine ganze Weile ALLEINE ausspannen! Eben haben wir eine lustige Dreierbande aus Deutschland getroffen, die uns einen Tipp zum Olivenpflücken gegeben haben. Die Adresse kommt morgen nach – geht allerdings erst in 2 Wochen. Ich hab’ jedenfalls Bock drauf!

So Kinder – bis in 12 Wochen oder so, wenn das mit dem Netz hier nicht besser wird – in der Bibliothek in Brisbane soll man allerdings umsonst surfen können – Jippiehjajeeh, Schweinebacke!

Euer kleiner Brownie