Allein unterwegs

Nein – meine Wochen sollten die nächsten zwei nicht werden…

Nachdem Jenny also wieder nach Deutschland muss, heißt es für mich: Job suchen! Da ich ja von Brisbane verwöhnt bin, kommt natürlich auch nicht alles in Frage – die Media Recruitment Agencies gibt es ja schließlich auch in Sydney. Aber, kluger Mensch baut vor, eingleisig fahren ging immer schon in die Hose. Also schnell zum AIFS (meinem “Hauptquartier”), Jobdesk checken. Schnell ein paar kurzfristige Tages- auf Zweitagesjobs und das Portmonee is’ schon wieder was dicker.

Blöderweise…ham die erstmal nix. “It’s not that busy at the moment”. Tja, dann halt nicht – es gibt ja auch noch Plan C, D und E. Schnell beim Musikhändler meines Vertrauens ein Notenpult besorgt, ein paar alte Songtexte ausgedruckt – man kann ja schließlich nicht alles im Kopf haben – bei der zuständigen Behörde einen Busking-Ausweis (Berechtigung zur Straßenmusik) geordert und ab dafür. Leider scheinen Sydnianer nicht annähernd so begeisterungsfähig zu sein, wie das Klischee des relaxten, immer gut gelaunten Aussies uns weismachen will. Fazit: Nach drei Anläufen lege ich die bis dato frustrierenste meiner musikalischen Erfahrungen zu den Akten. Die nächste Stadt kommt bestimmt.

Nebenbei habe ich auch noch einen alten Bekannten kontaktiert, der hier lebt und arbeitet und sich auch mal für mich umhören will – es kann sich ja eigentlich nur noch um Stunden handeln. Um die ganze Sache etwas abzukürzen. Nachdem ich von jeder erdenklichen Seite entweder keine Rückmeldung oder eine Absage bekommen habe (ich musste ja auch unbedingt was spezielles haben!) bewegt sich mein Kontostand in einem sehr grenzwertigen Bereich. Also mache ich das einzig Richtige, buche einen Flug nach Darwin (das war’s, schwarze Zahlen) und versuche Sydney mit seinem wechselhaften Wetter in den letzten Tagen das Beste abzugewinnen. Auf dem Balkon meines Hostels sitzend lasse ich das also nochmal Revue passieren.

Auf dem Balkon des Woodduck Inn

Auf dem Balkon des Woodduck Inn

Apropos Hostel. Das “Woodduck Inn” ist bisher das Beste aller Unterkünfte in Sydney. Groß genug um was zu bieten, aber doch so klein, dass man in Kürze das Team und die meisten Bewohner kennt. Nett. Achja – und nebenbei gibt es auch noch ein “Rooftop” mit wirklich schönem Ausblick auf den Hyde Park und die nähere Skyline.

Rooftop bei Nacht

Rooftop bei Nacht

Ausblick bei Tag

…und der entsprechende Ausblick bei Tag

Jedenfalls nehm’ ich dann noch was Positives aus Sydney mit. Die Stadt ist eigentlich schon relativ hektisch und im Kern auch nicht außergewöhnlich schön, aber die Außenbezirke haben’s in sich. Denn es sieht mitnichten überall so aus:

George Street

Ein kleiner Teil der George Street

Nachdem ich (per Bus) eher zufällig zur Watsons Bay hochgefahren bin, habe ich erstens festgestellt, dass Sydney eine verflucht weite Ausdehnung hat und außerdem in Teilen so gar nicht nach Großstadt aussieht. Oder wie wirkt das idyllische Städtchen auf den Klippen auf euch?

Auch das ist Sydney

Auch das ist Sydney

Außerdem gibt es einen sehr hübsch weiß gestrichenen Leuchtturm mit viel viel Freiraum drumherum.

Lighthouse

Leuchtturm in der Watsons Bay

Die rund drei Stunden gemütlichen Rückweg hab’ ich mir dann mal zu Fuß gegönnt, bin an schönen Villen in den verschiedensten Stilen, exotischen Blumen, Strandabschnitten, Kirchen und Minihäfen vorbeigelaufen und habe den Blick auf die “richtige” Skyline aus allen Winkeln genossen.

far far away

“Far Far Away”

Tja und dann kommt der Morgen des 6ten Septembers. Gestern noch beim Barbecue und Aboriginee Live-Musik vom Hostel verabschiedet und dann nach rund vier Stunden Schlaf zum Flughafen. “Domestic” selbstverständlich – geht ja nicht nach Indien, sondern nur ins Northern Territory.

Als ich am lokalen Computer mein “e-Ticket” dann ausdrucken will, bekomme ich die schöne Nachricht “SORRY UNABLE TO CHECKIN”. Tja, da bleibt einem der Frühstückskeks schonmal im Hals stecken. Schnell die Service-Tante angehauen, die mich an die nächste Service-Tante verweist, die mich… freundlich darauf hinweist, dass ich im “International” hätte einchecken müssen – der Flug geht nämlich nach Singapur weiter. Haha, das muss man ja auch erstmal wissen.

Glücklicherweise scheint die Dame recht fähig, checkt per Funk, ob ich das in 45 Minuten alles noch hinbekomme. “Kann er – wenn er schnell ist”. Na denn – ich bin ja schnell wie der Kugelblitz, wenn’s sein muss. Ich wetze also der Wegbeschreibung nach und finde mich nach einem Mini-Checkin erstmal in einer fetten Menschen-Schlange wieder. Geschätzte 150 Leute. Schüss, Flieger! Glücklicherweise geht’s dann doch relativ zügig, ich checke in den Domestic ein uns sprinte (übrigens mit Gitarre und Rucki) Richtung Transfer zum International – der Bus soll ja in 5 Minuten da sein… aber fährt mir direkt vor der Nase weg, der Sack. Also: warten, den nächsten Bus nehmen, über’n Flughafen schippern, vorbei an… gibt’s das – da steht doch tatsächlich die “Airforce One” direkt vor meiner Nase, keine 10 Meter Luftlinie entfernt. Richtig, der Bush, der Stinker, ist ja gerade in der Stadt. Naja – ich hab’ andere Sorgen.

Am International angekommen muss ich mich wieder in eine Schlange einreihen. “Echter” Checkin. Geht auch noch zügig. Danach wartet aber schon die nächste Menschentraube, da wir durch ein Nadelöhr zu den Gates vorgelassen werden. Der Vogel soll um 9:30 starten, es ist 9:27 – das Gate muss längst geschlossen sein. Ich höre, wie mein Name durchgerufen wird. Hab’ ich’s vergeigt, oder hieß das…? Es hieß! Am Gate 32 steht eine einsame Asiatin, die mich freundlich durchwinkt – ich bin der letzte Passagier des Fluges QF81 nach Singapur über Adelaide(!) und Darwin. Halleluja. Alles im grünen Bereich.

Denkste!

Ich unterhalte mich auf dem Flug nett mit meiner Sitznachbarin, einer Endfuffzigerin aus Sydney, die aber grad’ in Darwin lebt. Sie bietet mir an, mich von ihrem Mann in die City bringen zu lassen. Traum – Shuttle-Kosten gespart. Also gemeinsam aus dem Flieger raus und zum Gepäckband. Nicht schwer zu erraten was jetzt kommt, also mach ich’s kurz. Auch endloses Warten bringt meinen Reiserucksack nicht ans Tageslicht – das Teil ist verschütt gegangen. Also ein paar Formalitäten geklärt, “wir melden uns umgehend, sobald wir mehr wissen”. Als Entschuldigung bekomme ich einen Kulturbeutel samt Inhalt (inkl. weißer Short und T-Shirt – ich hab’ ja nix zum wechseln) in die Hand gedrückt. Naja – mich schockt heute nix mehr.

Im Shuttle (meine Sitznachbarin und ihr Gatte sind verschollen) lerne ich Ben aus Melbourne kennen. Er arbeitet für’s Arbeitsamt und muss in Darwin ein Problem der größeren Sorte bearbeiten. Er kümmert sich um die Belange der indigenous people, also der Aborigines und muss nach kurzer Einarbeitung auch in die Tribes fahren. Spannend und spannungsgeladen! Nichtsdestotrotz bietet er mir an, sich umzuhören was Jobs angeht – er sitzt ja schließlich an der Quelle. Außerdem bekomme ich noch einen Anruf, dass mein Rucksack in Sydney aufgetaucht ist und vermutlich morgen schon in mein Hostel geliefert werden kann. Das Wetter ist außerdem auch toppi, erinnert an Thailand.

Vielleicht wird ja am Ende doch noch alles gut…

Ihr hört von mir,
euer Leonard Landinsicht