Top End

Nachdem mein Rucksack wohlbehalten angekommen ist stelle ich fest, dass ich das Hostel nicht bezahlen kann weil ich aus unerfindlichen Gründen kein Geld von meinem deutschen Account abheben kann. Ich kratze die Reste von meinem Westpac Konto zusammen – gehe dabei das Risiko einer Mahnung ein, weil ich die monatliche Kontoführungsgebühr nicht mehr zahlen kann – bezahle für zwei Tage in der “Wilderness Lodge”, meinem Hostel, und bekomme die Zusicherung dort auch ohne weitere Bezahlung erstmal bleiben zu können, vorausgesetzt ich finde Arbeit. Mein Reisepass wird allerdings als Rückversicherung “eingezogen”. Nun gut. Es ist also Jobsuche angesagt, aber das sollte ja – wenn man den Backpackergerüchten trauen darf – kein Problem in Darwin sein.

Wilderness Lodge mit Pool

Die Wilderness Lodge mit Pool

Da ich einen Grafikjob haben möchte, beschränke ich mich erstmal auf die Medienbranche…was sich schon nach kurzer Zeit als Fehler rausstellt, denn im Norden der Republik geht diesbezüglich mal gar nicht so viel. Anyway – nach einiger Zeit gebe ich meine hehren Bemühungen auf und beiß’ beim erstbesten Angebot an. Gebäudereinigung. Nicht gerade ein Traumjob, aber schwarz bezahlt – also “cash in hand”.

Ich fange mit vier weiteren Leuten aus dem Hostel an, um schon bald feststellen zu müssen, dass unser Chef zu der ganz unangenehmen Sorte gehört und insofern schwer zu ertragen ist. Aber… da muss man halt die A…backen zusammenkneifen und weitermachen. Die Kohle brauch’ ich nunmal mehr als dringend. Nach 5 Tagen ist der Spuk aber auch ganz schnell wieder vorbei weil irgendein Vollidiot die Tür des nagelneuen Aufzugs zerkratzt hat. Da das selbstredend “nur ein Backpacker gewesen sein kann”, sind wir alle gefeuert. Auch ‘ne Erfahrung wert. De facto hat zwar keiner der Truppe was damit zu tun, aber gut. C’est la vie!

Ich kann also erstmal meine Miete zahlen und gönne mir ein paar unfreiwillige freie Tage, in denen ich die Jobsuche weiter forciere. Plötzlich geht dann alles ganz schnell. Ich bekomme am Freitag, den 21. September die Möglichkeit Boote zu waschen, oder für eine Jobagentur in eine Großbäckerei zu gehen. Da ich dafür Stahlkappenschuhe brauche und man jeden Tag auf seine Einsatzzeiten warten muss entscheide ich mich gegen bessere Bezahlung für einen “sicheren” Job. Boote sind ja nicht so schlecht. Nur einen Tag später könnte ich außerdem Autos waschen, Kartons falten oder auf eine Melonenfarm gehen… aber das hatten wir ja schon. Irgendwie komisch – erst geht tagelang nix und dann hab’ ich die Qual der Wahl. Aber die Würfel sind gefallen.

Aufm Boot

Der Herr Halemba beim Boatwashing

Vacuum

…und beim Vacuumcleaning – ordinaerem Staubsaugen

Ich starte den Bootsjob und hör’ mich weiterhin nach einer Stelle für den Abend um, da ich WIRKLICH Geld brauche. Die Arbeit auf den Booten ist wirklich nicht so schlecht. Ich lerne ein paar interessante Leute kennen, habe ebenso interessante Unterhaltungen in den Pausen und ärger mich höchstens ein kleines bisschen über die schlechte Bezahlung.

Barramundi Crew

Die Barramundi Crew – mit Yoshi und Young-Tae

Carlos

…und Spaesschen mit Vorarbeiter Carlos aus Timor

Am Ende der Woche bekomme ich allerdings einen Anruf von “Thailicious”, dem angesagtesten Thai-Resaurant der Stadt, um am Freitag als Dishwasher anzufangen. Ich denk’ nur: “vom Tellerwäscher zum Millionär” und sag’ zu. Hier erwartet mich allerdings ein ganz anderer Stresslevel und nach dem ersten Tag bin ich froh, als ich endlich die Füße hochlegen kann, ein gutes “Singha” am Hals habe und einen Teller voll “Pad Thai” genieße. Von kommenden Montag an, geht’s dann auf dem “Floor” weiter – sprich: als Kellner. Mal schau’n was das gibt. Ich hab’ ja nicht gerade die Bombenerfahrung in dem Business.

Thailicous

Thailicious

Das Kellnern an sich ist nicht so schlecht, auch wenn man ganz schön unter Strom steht. Ich lerne viele Leute kennen, muss erkennen, dass ich trotz vieler Komplimente für mein Englisch noch lange nicht jeden Australier einwandfrei verstehe, stelle fest, dass es hier – wie überall auf der Welt – sehr nette Kunden, aber auch ein paar richtig ausgewachsene A…geigen gibt und bin jeden Abend froh, wenn ich nach meinem 11-13 Stunden Arbeitstag “nach Hause” komme, um noch eine knappe Stunde mit den anderen Backpackern im Hostel zu erzählen oder einfach ein kühles Bier zu trinken. Das bedeutet aber auch, dass ich im Schnitt nicht mehr als fünf bis sechs Stunden Schlaf bekomme, aber es ist ja alles für den guten Zweck +g+

Waiting

Mit den anderen Kellnern Jean-Phillippe und David

Nebenbei erledige ich auch noch zwei, drei kleine Medienjobs für good old Germanien – wofür das Wochenende gerade reicht, aber ich merke langsam aber sicher, wie ich aus den roten Zahlen und damit wieder auf einen grünen Zweig komme. Schönschön! Die wenigen freien Tage verbringe ich damit die Umgebung zu erkunden. Neben dem berühmten “Mindil” Nachtmarkt, den man sich natürlich nicht entgehen lassen kann, schaue ich mir die botanischen Gärten an, das Northern Territory Museum, gehe zum Casuarina Beach oder gammel einfach mal für ein paar Stunden im Hostel ab. Ker’ bin ich froh, wenn’s endlich weitergeht!

MINDIL

Der Mindil Market bei Nacht

Dead Lizard

Ein toter Lizard in den botanischen Gaerten

Nicht unerwaehnt bleiben darf ein Sonntag, der der Kategorie “fast perfekt” zugeordnet werden kann. Frenchman Max und Freundin Alex, Israelin Keren, Franke Michael und meine Wenigkeit kaufen Grillzeug ein, packen Fussball und Gitarren ein und relaxen einen Tag am Casuarina Beach.

Nach erster Fuppes-Einlage und feinstem Barbecue (Grill-Facilities sind in Australien fast ueberall vorhanden und frei zu nutzen) starten wir die ersten musikalischen Versuche…

Musikalische Pause

Gitarre, Gitarre und Melodica

…die wir nach ein paar sehr gediegenen Runden Boule mit einem australischen “Aussteiger” am Strand ausbauen und vertiefen.

Strandmusik

Strandmusik

Da wir natuerlich auch das ein oder andere Bier genossen haben und unsere musikalischen Erguesse selbstredend von ganz erlesener Qualitaet sind, fangen die beiden Maedels irgendwann spoantan an, dazu zu tanzen. Erst bei Einbruch der Nacht machen wir uns zufrieden wieder zum Hostel auf und fragen uns, warum solche Tage so selten zustande kommen.

Dancing in the moonlight

Dancing in the sundown

Tja – und ratzfatz ist die Zeit dann doch auch schon wieder vorbei. Ich zähle die letzten Tage und kann es erst kaum fassen, dass Freitag Nacht, gegen elf Uhr alles Jobs beendet sind.

Ben und Andy, die mich in Darwin aufsammeln, haben sich am Montag, den 15. Oktober in Cairns auf den Weg gemacht und schaffen die 3000 Kilometer in 4 Tagen! Wieder vereint gehen wir jetzt die Planungen fuer die weitere Tour an. Erstes Etappenziel ist am Montag der Litchfield National Park, von wo aus es weiter Richtung Katherine geht. Danach durch die Kimberleys mit einigen Zwischenstopps nach Broome und die Westkueste runter ueber Exmouth und dem Ningaloo Reef, Monkey Mia & Co nach Perth. Let’s get surprised. Ich freu mich, wieder unterwegs zu sein – die naechsten Fotos werden dann sicher auch wieder spektakulaerer.

Outback Ahoi – wir sin’ am Staaart!

4 thoughts on “Top End”

  1. schöne bilder, vor allem das zweite… 😉 viel spaß beim weiterreisen – pass bloß auf dich auf (da fällt mir doch glatt wieder wolfsrceek ein…)! bis ganz bald hoffentlich :-* UND: noch 120 Tage!

  2. huuuhuuu, endlic issa wieder da, der kleine! Hab dich schon vermisst und das Schlimmste befürchtet ;-P
    Aber scheinbar geht’s dir ganz gut – wunderbar.

    Hier auch alles ganz gut, der Herbst hat begonnen und Bremen zeigt sich wettertechnisch momentan auch von seiner guten Seite. Am Freitag haben wir noch schön den Manu Chao in Hamburg mitgenommen (mal wieder grandios) und morgen gehts wieder an die Arbeit.

    Ansonsten wird “Projekt Südostasien” so Ende November/Anfang Dezember weiter vorbereitet und gebucht.

    Das war’s erstmal von mir. Dir noch eine schöne Reise. Viel Spaß. und lass dir nächstes Mal nicht mehr so viel Zeit mit dem bloggen!

    Grüßle vom Tom’msen

  3. Na, da isser wieder! Da kann ich auch wieder in Ruhe schlafen 😉 Wow, was für eine spektakuläre Zeit, vom Gebäudereiniger zum Bootsschrubber, Tellerwäscher bis zum Kellner alles in nur wenigen Wochen! Respekt!! Du siehst inzwischen wie ein Eingeborener aus, da glaubt Dir sicher keiner mehr, dass Du aus good ol’ Germany kommst 😀

    Aber cool, das es jetzt wieder weiter geht und neben Arbeit auch wieder Sightseeing angesagt ist. Ich freu mich auf die Bilder vom Reef!

    Hier ist der Herbst schon fast dem Winter gewichen, bei Temperaturen von -2 Grad nachts will ich morgens garnicht aus dem Bett … obwohl das wohl eher an Adina liegt 😉 Aber jetzt beneid ich Dich noch mehr, denn wer ohne T-Shirt Boote schrubben kann, der ist zu beneiden 😀

    Ich hab mich echt gefreut, mal wieder was zu Lesen (meine Eltern übrigens auch, die haben sich auch schon Sorgen gemacht und waren täglich auf deinem Blog) und freu mich auf Bilder und den nächsten Bericht.

    Machs gut, altes Haus und viel Spaß auf der Reise!!

    Grüße vom Sascha

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *