Tief im Westen

Vom Parlament zur City

…ist es idyllisch

Was soll ich nur über Perth schreiben? Jetzt bin ich so lange in der isoliertesten Großstadt (Großstadt??) der Welt gewesen und hab’ dabei so erschreckend wenig gesehen. Danke AVIS! Womit wir beim ersten Thema wären. Jobsuche und Arbeitsalltag.

Avis

Nach langen, erfolglosen Bemühungen, einen Job über Aquent zu bekommen – die Media-Jobagentur, über die ich schon in Brisbane zu meinem Verlagsjob gekommen bin – krieche ich dann doch den Jungs hinterher zu AVIS und erflehe – letztlich erfolgreich – eine Stelle als VSA (Vehicle Service Agent). Was sich anhört wie James Bonds’ Bruder, entpuppt sich als schnöder Autowasch-Job, denn zu 80% machen wir genau das: Autos säubern. Erst von innen mit Sauger und Lappen, dann von außen mit giftigster Säure (Ja, tote Insekten sind hartnäckig) und dem guten alten Kärcher. Manchmal aber, wenn das Glück uns hold ist, dürfen wir die Autos zwischen Zentrale und Flughafen hin und her transferieren. Und wenn Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen, können wir zum “International” (Flughafen) fahren, was uns etwa 30 Minuten lustiger Fahrerei auf dem Highway beschert… was im Cabrio oder 3,8 Liter V6 ziemlich Laune macht.

Jedenfalls hab’ ich aufgrund der schlechteren Bezahlung (AVIS ist kniepig) 7, in Worten SIEBEN, Wochen arbeiten müssen, um noch über Melbourne nach Asien zum wohlverdienten Urlaub zu kommen – ohne nochmal arbeiten zu müssen. Wegen der so verlorenen Zeit muss ich außerdem auf Adelaide, einen Teil der Great Ocean Road und – besonders ärgerlich – Tasmanien verzichten. Aber ehe wir soweit sind nochmal kurz ein Blick auf das Geschehen abseits der Washbay.

Ben und Andy in der Washbay

Ben und Andy in der Washbay

Zuerst sind wir ja nacheinander auf zwei Campingplätzen untergekommen, bevor ich dann im Supermarkt mitten im Stadtzentrum unverhofft auf Alex, einen Londoner den ich aus Darwin kenne, treffe. Der wohnt in einer Appartmentanlage, deren Besitzer (Barrie, ein stinkreicher Alt-68er mit dünnem Pferdeschwanz – passt das zusammen??) ein Topangebot am Start hat. 400 A$ die Woche für ein Appartment mit zwei Schlafzimmern, Wohnzimmer, Küche, Bad und Bügelraum (!). Geteilt durch drei! Das ist weniger als die meisten Hostels verlangen. Also packen wir die Gelegenheit am Schopfe und sind von nun an stolze (gefühlte) Besitzer einer australischen Wohnung im schönen South Perth nur drei Minuten von Park und Fluss entfernt – unserem Garten.

Ausschnitt unseres

Ausschnitt unseres “Gartens”

Kakadu

Und ein Bild eines seiner Bewohner

Die Zeit vergeht mal wieder schneller als man gucken kann und Weihnachten steht vor der Tür. Es sind knapp 40 Grad im Schatten, das Radio bringt Weihnachtswerbung (und Sommerschnäppchen…Hand in Hand) und wir verstehen die Welt nicht mehr. Um uns wenigstens ETWAS in vorweihnachtliche Stimmung zu bringen dekorieren wir unsere beiden Zimmerpflanzen und basteln Weihnachtsdeko aus alten Bierkartons – stilecht! Mein Prunkstück, einen echten “Northern Hemisphere Weihnachtsmann mit Pudelmütze” (ohne Farbstifte gebastelt!) möchte ich euch nicht vorenthalten:

Weihnachtsmann

Der lustige Weihnachtsmann

Wir überlegen, ob wir wichteln sollen, entscheiden uns aber letzten Endes dagegen – unsere Rucksäcke sehen genug Pröll! Stattdessen beschenken wir uns anders. Beim nächsten Einkauf gucken wir nicht auf den Preis. Gar nicht! …es gibt Käse (und damit meine ich nicht Cheddar!!!) von der Deli-Theke, feinste Oliven aus ebenfalls selbiger, frisches Obst, noch frischeres lokales Bier, Schokolade (mit dem schönen Namen Kitkat Chocolate Overload), italienische Salami und… Wein von Avis.

Geschenke

“Weihnachtsbäume” mit Geschenken

Das ist doch immerhin nett. Heiligabend gibt es also eine mediterrane Platte (passend zum Wetter – es ist inzwischen über 40 Grad) und die genießen wir aber sowas von! Wie der liebe Herrgott in Frankreich.

Nicht nur weil wir arbeiten müssen will aber trotzdem nicht so recht weihnachtliche Stimmung aufkommen. Am Boxing Day (zweiter Weihnachtstag) steigt das Thermometer auf rekordverdächtige 44, 2 Grad (im Schatten! – der heißeste Dezembertag ever in Perth), was nur aufgrund der relativ niedrigen Luftfeuchtigkeit überhaupt erträglich bleibt. Alles in allem haben wir also Südhalbkugel-Weihnachten der gnadenlosesten Art mitbekommen, was ja – wenn man sich’s recht überlegt – auch genau die Erfahrung ist, die man erwartet hat.

Kaum ‘ne weitere Woche gearbeitet steht auch schon Sylvester vor der Tür. Ich bin leider nicht ganz fit – aber da wir ja sonst (der Geldbeutel dankt es) nicht feiern gehen, muss ich heute auf die Zähne beißen. Wir wollen zum Kings Park, um uns von dort aus das Feuerwerk anzugucken und danach nach Northbridge, die Feiermeile von Perth, um noch ein bissel unter die Leute zu kommen. Aber es kommt natürlich alles wieder anders. Das Taxi ist erst eine Stunde zu früh und kommt dann gar nicht mehr (es gibt in Perth etwa 400 vakante Taxifahrer-Stellen – kein Scheiß!), weshalb wir mit unseren Nachbarn zum Fluss runter gehen und ins neue Jahr rein”feiern”. Ist zwar ganz nett, aber so richtig enthusiastisch sind die Aussies hier nicht. Als wir um 12 total ausflippen, geht es um uns rum so ruhig zu, dass wir fast betreten leiser werden.

Sylvesterjungs

Kurz vor 12…oder kurz danach?

Hab ich das Feuerwerkeigentlich schon erwähnt? Das ist nämlich ganz nett wenn auch nicht außergewöhnlich und hat zur Folge, dass anschließend ein Nebelschleier über der Stadt hängt, den ich auf diesem Foto glaub’ ich ganz gut eingefangen hab…oder auch nicht, wenn ich mir das Resultat so begucke:

Gotham City

Nicht Gotham City

Auf dem Rückweg ist es dann schon so spät, oder früh – wie man will, dass die Sonne aufgeht. Und das ist trotz schwankenden Gangs ein Grund die Knipse nochmal in Anschlag zu bringen:

Sonnenaufgang

Sonnenaufgang im neuen Jahr

Und das war’s auch schon fast. Aber eben nur fast. Am Tag meiner Abreise schaff’ ich es dann endlich noch, in den Kings Park zu gehen, den Bill Bryson in “Frühstück mit Känguruhs” als das beschreibt, was in Perth den wirklichen Unterschied zu jeder anderen X-beliebigen Großstadt (da isser wieder, der Terminus) ausmachen würde. Ich bin gespannt.

…und nicht enttäuscht. Der Park ist so angelegt, dass man einen idealen Blick auf die Skyline der Stadt hat. Außerdem kann man auf einem Rundpfad die größte Ausbuchtung des Swan River mit all seinen Halbinseln und angrenzenden Stadtteilen quasi von allen Seiten betrachten. Das ist erstaunlich und zeigt vor allem, wie groß der Kings Park ist. Außerdem sehe ich so unseren Wohnort mal aus einer anderen Perspektive.

Traumskyline

Skyline vom Kings Park aus gesehen

Ich treffe noch die Britta auf einen Kaffee und fahr’ dann (das letzte Mal) mit dem Bus nach “Hause”, um meine Sachen zu packen (selbstverständlich wieder auf den letzten Drücker!). Anschließend geht’s zu AVIS, um der arbeitenden Bevölkerung, in Persona Ben und Andy, den Bus und die Schlüssel zu überreichen, mich zu verabschieden und den Flieger um die Ecke zu besteigen, um dem tiefen Westen Australiens den Rücken zu kehren. Melbourne wartet auf mich. Aber davon gibt’s in ein paar Tagen mehr!

So far – lonesome John

6 thoughts on “Tief im Westen”

  1. Goiler Weihnachtsbaum 😆 Den Weihnachtsmann hast Du aber mal geil hingekriegt, aber jetzt sach ma: da hat Dich doch Walter Moers inspiriert, oder etwa nicht? Vorm inneren Auge sehe ich gerade Käptn Blaubär mit Mütze und Bart vorbeitanzen, der seinen Enkeln die Geschichte, als er den Weihnachtsmann vertreten hat, erzählt 🙂 Und jetzt verstehe ich ganz gut, dass bei euch die Stimmung etwas gefehlt hat, 44 Grad ist ja auch mal heisssssss!
    Die letzten Impressionen aus Deiner Ãœbergangsheimat sind wieder mal sehnsuchtserweckend, aber dieses Jahr steht ja auch bei mir wieder Urlaub an und da habe ich auch noch einen Ãœberfall auf Dich vor 😉

    Du scheinst ja inzwischen ganz gut auskuriert zu sein und ich freu mich schon auf den ersten Bericht aus Asien (wo gibts den dann eigentlich? Hier oder wird thailzeit.com wiedererweckt? Krass, hast Du Dir mal ein Bild von Dir jetzt und bei eurem Thailand-Trip angeguckt?)!

    Rock on, Johnny and have a save trip!

    Greets, Container-Joe

  2. LOL – ich hab’ die Figuren immer so gezeichnet – eigentlich eher noch aus der Werner-Zeit beeinflusst… aber – meinetwegen auch vom Herrn Moers 😉

    Weiß nicht ob die Jungs Thailzeit reanimieren werden – wollte die da eh nochmal drauf anhauen. Werd’s euch aber hier wissen lassen wie’s weiter geht. Welches Bild du meinst kann ich mir gut denken – das sieht schon seit über 2 Jahren so scheiße aus +g+

    Naja – hier geht’s im Ãœbrigen schon in aller Kürze weiter. Morgen gibt’s Berichte über die schöne Great Ocean Road…

    Also hau rein Joe!

  3. Hi Maddin du alter Aboredgeni(die kriegen nen Heulkrampf wenn die sehen, wie ich das schreibe),
    erst mal ein gutes Neues Jahr und das 2008 genauso gut für dich wird wie 2007. Dein Blog ist einfach super-affen-titten-geil. Wir haben immer wieder weitergefiebert was es Neues von dir gibt. Wenn ich mir das so ansehe was du alles erlebt und mitgemacht hast, kann ich dir nur vorschlagen, damit du nach der Rückkehr nicht sofort entwöhnt wirst, dich für`s “Dschungelcamp” bei(glaube )RTL zu bewerben, ist glaube ich auch in Australien, das wird für dich die reinste Erholung sein. Zu deinen Bildern kann ich nur sagen: Suuper! Dann noch viel Spaß für den Rest der Reise und komm gesund heim!Wir freuen uns schon auf die gesammelten Werke(Fotos) von dir.
    Hau rein Alter bis demnächst in Wegberg
    Uli + Dieter

  4. hey maddin,
    da meldest du dich ja endlich noch einmal. Schöne Sachen hast du ja mal wiedr zu erzählen – aber dazu kannst du uns sicherlich in ein paar Tagen 😎 mehr erzählen.

    Wann kommst du denn in BKK an? am Samstag? Wo treffen wir uns denn dann (wir kommen Sonntag an)? Am besten gediegen auf der Kao San oder?

    naja, wir kriegen das schon ganz wunderbar hin. Zum Thema Blog – ich würde sagen, wir führen einfach deinen weiter, einen neuen auf thailzeit anzulegen wär jetzt zu viel Aufwand.

    Bis bal *ich freu mich*

    der wilk

  5. Ich flieg morgen – dachte, ihr kommt erst Sonntag an. Wollte Samstag mal wegen Anzug checken, aber ihr seid sicher eh erst spaet da, oder? Kao San halte ich fuer ‘ne gute Wahl – ich versuch mal in “unserem” Hostel ein Zimmer zu reservieren 😉

    Mit meinem Blog, das geht klaaa! Da freut sich der ein oder andere Leser +g+

  6. heyho,

    kommen ja auch Sonntag an – wie auch oben steht, aber wohl ziemlich früh – glaube so gegen 7-8 Uhr morgens…:smile:

    checko-mecko-greetz-a-lot-big-up-da-wilk

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