Wetcoast

Die Wetter-Prognose war schon schlecht. Aber was uns dann am Morgen des 25. März erwartet, ist eine einzige Frechheit. Es gießt aus Eimern und eine Nebelwand die ihresgleichen sucht hängt über Glenorchy (und damit auch über Paradise). Da die Vorhersage auch für morgen einigermaßen bescheiden ist, beschließen wir schweren Herzens, die Elfenetappe zu canceln. Unser Regenzeug ist einfach zu schlecht. Glücklicherweise haben wir noch am Ankunftstag eine rund 2-stündige Tour ins Umland unternommen – die Landschaft ist auch hier schon spektakulär.

Glenorchy
Schicker Seeabschnitt auf dem Weg nach Glenorchy

Wir beschließen, ein paar Kilometer mehr zu fahren – unser Programm ist schließlich einigermaßen straff. Erstmal geht’s zurück nach Queenstown. Wir essen einen der berühmten Ferg-Burger (die Dinger sind wirklich groß!) und füttern die Möwen mit den übriggebliebenen Pommes.

Moewen
Ziel fest im Blick – fertigmachen zum Abflug – fokussiert zuschlagen (zu schnell für die Kamera)

Ansonsten ist Queenstown, wie erwartet, einigermaßen touristisch – viel Jungvolk ist unterwegs. Wir füllen also nur schnell unsere Vorräte auf, tanken und machen uns auf den Weg Richtung Westküste. Fox- und Franz-Josef-Gletscher warten auf uns.

Fox-Gletscher
Grüner geht’s nicht.

Kurz vor dem Fox-Gletscher machen wir den nächsten Stop, um am nächsten Morgen früh eine Tour starten zu können. Es regnet immer noch in Strömen, weshalb wir uns an einer nahe gelegenen Lachsfarm ein Trostpflaster für’s Abendessen besorgen. Der Wetterbericht sagt aber für morgen ab 10 Uhr besseres Wetter voraus. Leider ist die Verlässlichkeit hierzulande ähnlich wie bei uns zu Hause. Morgens regnet es stärker denn je. Trotzig fahren wir trotzdem zum Gletscher-Einstieg, müssen aber nach einem kleinen Fotostopp resigniert kapitulieren. Der Weg ist nass definitiv zu gefährlich, abgesehen davon, dass wir so kaum um eine Lungenentzündung herumkommen – es ist nämlich auch gar nicht mal so warm.

Wir fahren einen Campingplatz vor Greymouth an und setzen uns erstmal in den hauseigenen Whirlpool. Der ist für lau und gibt uns Zeit zum Nachdenken. Wir erwägen einen Heli-Flug über die Gletscher. Da aber nicht klar ist, wie die Sicht ist, trösten wir uns mit einer Bierverköstigung bei “Monteigh’s Brewing Co”. Die Tour durch die kleine Brauerei (leider inzwischen von DB aufgekauft) ist kurz und informativ, die maori-stämmige Dame kennt sich im Brauwesen aus und weiht uns in die Geheimnisse neuseeländischer Braukunst ein (die leider sehr britisch geprägt ist, also nix mit Schaumkrone). Die Verkostung sagt uns trotzdem zu.

Nach kurzer Ausnüchterung fahren wir an einem großartigen Stück Westküste Richtung Westport und damit an den berühmten Pancake-Rocks vorbei. Das Wetter meint es endlich wieder gut mit uns und die Sonne lacht uns freundlich ins Gesicht. Wir halten und drehen die übliche Touristenrunde. Einziger Wermutstropfen: dir äußerst lästigen Sandlflies, die einem den Spaß hier echt ein wenig vermiesen können. Garstige kleine Biester! Trotzdem ist die Aussicht toll.

Pancake Rocks
Pancake Rocks – Pfannkuchenfelsen an der Westküste

Wir fahren noch ein gutes Stück weiter nach Norden. Der Abel Tasman Nationalpark wartet. Der ist zwar eine der Hauptattraktionen und damit in der Regel ziemlich überlaufen, aber wir sind ja glücklicherweise nicht in der Hauptsaison unterwegs. Unser letzter Stopp vor der Nordküste ist Kawatiri Junction, ein ehemaliger Bahnhof aus dem späten 19. Jahrhundert. Viel ist nicht mehr übrig, dafür hat’s hier heute massig Sandflies. Wir stecken also – wie es hier Brauch ist – die Hosen in die Socken (der heißeste Scheiß, wenn wir wieder nach Hause kommen, wetten?) und überlegen satte 30 Sekunden, draußen zu essen, entscheiden uns aber doch dagegen.

Tags drauf erreichen wir – später als gedacht – Maharau und versuchen ein paar Kajaks zu ergattern, um den Abel Tasman National Park seeseitig zu erkunden. Leider teilt man uns mit, dass es um ein Uhr mittags schon zu spät ist, da allein die Sicherheits-Einweisung schon eine Stunde dauere … wir verstehen zwar nicht, was es da groß zu erklären gäbe, gönnen uns aber ein sauschweineteures Wassertaxi und lassen uns vom Skipper in Anchorage absetzen. Hier ist es glücklicherweise deutlich angenehmer als in der Bucht in Alaska gleichen Namens. Zeit also, eine kleine Pause einzulegen. Was folgt, ist der anstrengende Teil. Wir laufen rund 16 km auf dem Abel Tasman Track zurück nach Maharau. Der Weg ist schön, angenehm zu gehen und führt uns durch schattige Wäldchen an türkisfarbenen Buchten vorbei.

Abel Tasman
Der Abel Tasman von seiner Schokoladenseite

Nach kurzer illegaler Dusche in einem dort ansässigen Campingplatz wollen wir uns in der Golden Bay nordwestlich von hier einen Platz für die Nacht suchen. Die etwa 75 km ziehen sich heftig in die Länge, weil mindestens die Hälfte der Strecke aus feinsten Serpentinen besteht. Nicht ganz ungefährlich, aber dabei ziemlich spaßig und immer wieder mit Wahnsinns-Ausblicken. Spät finden wir das “Kiwiana” in Takaka, dem kulturellen Zentrum der Golden Bay. Wir kochen und lernen ein paar Winzer aus aller Herren Länder kennen, die in Neuseeland praktische Erfahrungen sammeln und einen Einblick ins hiesige Winzerwesen bekommen. Wir begießen gemeinsam den Abend zwischen Tischtennisplatte, Billardspiel und Jenga-Challenge. Schön.

Wir verlassen das Kiwiana gegen 10 Uhr am nächsten Tag und fahren zu den Te Waikoropupu oder kurz Pupu-Springs. Die Quellen sind mit 14.000 qm Wasser pro Sekunde die größten Australasiens und die angeblich klarsten der Welt. Als wir das Wasser sehen, glauben wir dran. Der schätzungsweise zehn Meter tiefe See sieht aus, als führe er gar kein Wasser, weil man wirklich komplett ohne erkennbare Trübung bis auf den Grund gucken kann – sehr zum Leidwesen der fetten Fische, die es hier schwer haben, sich zu verstecken.

Te Waikoropupu Springs
Ganz schön klar – die Te Waikoropupu Springs

Im Anschluss ist Erholung angesagt. Wir fahren zum Tata Beach und lassen uns für ein paar Stunden die Sonne auf den Pelz scheinen. So richtig verwöhnt worden sind wir diesbezüglich zuletzt ja nicht. Nachdem wir genug Sonne getankt und leider zusätzliche Sandfly-Bisse bekommen haben, machen wir uns nach Nelson auf, einer der angeblich lebenswertesten Städte der Welt. Wir passieren einige Höfe, die lustigerweise alle “Horse Poo” für 2$ den Sack anbieten und kaufen bei einer lokalen Hippiefarm Vegetables für die nächsten Tage ein. Anschließend noch schnell in den Supermarkt für den fleisch- und sprithaltigen Teil der lebensnotwendigen Verpflegung und ab auf die nächste Campsite. Morgen ist Ostern – wir sind vorbereitet.

Nelson ist zwar nett, aber an den Feiertagen auch ziemlich ausgestorben. Dafür tragen ein paar Kreuzträger ein solches durch die Stadt. Bizarrerweise kommen Ihnen in dem Moment, wo sie uns passieren, ein paar Leute in hippie-ähnlicher Kluft entgegen, die auf Schellen, Rasseln und Trommeln einen Höllenlärm machen. Teil des Programms, intendierte Zusammenkunft oder Gegenbewegung? Wir wissen es nicht.

Bevor wir uns in Richtung Marlborough aufmachen, besuchen wir noch das sogenannte “Centre of New Zealand”, wobei wir einem frechen Bluff aufsitzen. Das Hinweisschild an der Straße behauptet klar und deutlich, dass es zum besagten Centre nur noch 50 Meter sind, also steigen wir aus und beginnen mit der Suche. Es kommt wie es kommen muss: der Mittelpunkt Neuseelands befindet sich natürlich auf einem Berg, den wir ahnungslos mit unseren Flip Flops besteigen. Gute 15 bis 20 Minuten Fußmarsch und ca. 200 Höhenmeter später erreichen wir auf dem Gipfel den Mittelpunkt des Kiwi-Landes. Die Aussicht über Nelson bei Sonnenschein kann sich sehen lassen, wir schießen noch schnell ein Beweisfoto und starten den Abstieg.

Center of NZ
Mittendrin statt nur dabei. Die Schmitz-Halemba-Connection am Centre of NZ

Jetzt geht’s erstmal weiter Richtung Marlborough – der Weinverkostung, den Sounds und der Überfahrt zur Nordinsel entgegen. Es gibt schlechtere Aussichten.

Cheers, Hei kona ra und Frohe Ostern!
Jenny & Martin

Kiwi, Kiwi oder Kiwi?

Die Frage muss man sich in Neuseeland schon mal stellen. Denn hier kann sowohl das Wappentier der Neuseeländer, die mittlerweile weltweit verbreitete Frucht oder aber der Einwohner daselbst gemeint sein … und offensichtlich noch einiges mehr.

Wie Ihr seht, beschäftigen wir uns standesgemäß mit den wirklich wichtigen (philosophischen) Fragen des Lebens. Das geht deshalb, weil unser Flug (gefühlt) wirklich flott war und der Jetlag aus unerfindlichen Gründen ausgeblieben ist.

Um uns nicht in Details zu verlieren (was gerade Herr Halemba bekanntermaßen gerne tut), möchten wir heute mal mehr Fotos als Text für uns sprechen lassen und werden versuchen, uns kurz zu fassen. Regel Nummer eins eines guten Vortrags haben wir hiermit schon mal gebrochen – es kann also nix mehr schief gehen … auf geht’s!

Wir starten in Christchurch, einer eigentlich ganz hübschen Stadt, die leider Anfang 2011 von einem schlimmen Erdbeben heimgesucht wurde. Leider sind die Folgen bis heute deutlich sichtbar – das Stadtzentrum ist immer noch komplett im Aufbau befindlich. Die Neuseeländer haben aber eine angenehm charmante Art mit Schicksalsschlägen dieser Art umzugehen. Im Zentrum wurden kurzerhand bunte Container übereinander gestapelt, die alten Geschäfte dort (wirklich schick) untergebracht und damit das Projekt Re:START ins Leben gerufen.

Container Christchurch
Container-Chique in Christchurchs Innenstadt

Anschließend starten wir unsere Tour Richtung Süden, mehr oder weniger entlang der Ostküste. Erster Halt ist die Rakaia Gorge. Wir ergattern einen Standplatz auf der “Terrace” mit tollem Blick auf den Fluss. Eine gute Gelegenheit für die Dame des Hauses, vor der Behausung der nächsten Wochen zu posieren.

Rakaia Gorge
Erster Halt: Rakaia Gorge. Der Camper läuft.

Wir gewöhnen uns langsam ans Fahren auf der linken Seite und brettern weiter Richtung Lake Tekapo. Da uns der etwas spießig-piefige Campingplatz direkt am See (und damit mitten im Touri-Ort) nicht zusagt, fahren wir eine lange Seitenstraße bis zum kleinen Lake McGregor und finden dort einen DOC-Campingplatz. Das ist nicht nur günstig, wir treffen auch eine Menge netter, gleichgesinnter Leute (überwiegend Franco-Kanadier), mit denen wir den Abend feucht-fröhlich beschließen.

Am nächsten Morgen schlafen wir lange aus (wir ham ja schließlich Urlaub!) und suchen dann einen einsamen Parkplatz, um ein Ründchen am See spazieren zu gehen. Klima und Landschaft meinen es gut mit uns; außerdem sind wir ganz unter uns. Was ‘ne Ruhe!

Lake Tekapo
Ganz entspannt am Rande des Lake Tekapo.

Als wir weiterfahren, sehen wir in der Ferne plötzlich Mount Cook – unser nächstes Ziel. Unser Freund Lake Tekapo wird seinem Ruf gerecht und leuchtet Blau für uns. Alles echt! (man unterstellt Herrn H. ja schon mal unlautere Mittel beim Bearbeiten der Fotos …)

Tekapo plus Cook
Lake Tekapo und Mount Cook machen es dem Fotografen einfach.

Es geht also weiter Richtung Südalpen. Wir gabeln noch zwei deutsche Anhalterinnen (beide blutjunge Dinger von 19 Jahren!) auf und nehmen endlich selber Kurs auf Mount Cook, den höchsten Berg Neuseelands. Mit 3754 Metern ist er nahezu genauso hoch wie der Großglockner, immerhin der höchste Berg Österreichs. Dabei ist er aber so schwierig zu besteigen, dass angeblich über 70 Menschen beim bloßen Versuch ihr Leben lassen mussten. Wir begnügen uns daher mit einer netten Tour ins Hooker Valley mit schönem Blick auf den berühmten Giganten.

Hooker Valley
Hängebrücke auf dem Weg ins Hooker Valley – der blaue Fleck ist Jenny.

Wir verlassen die Südalpen mit dem guten Gefühl der ersten erfolgreichen Wanderung in den Beinen gen Südosten – nicht ohne vorher an Peter’s Lookout zu halten. Der Blick ist einfach zu schön!

Peter's Lookout
Blick auf die Südalpen von Peter’s Lookout am Lake Pukaki

Mit Oamaru wartet am irischen Saint Patrick’s Day ein Städtchen auf uns, das berühmt für seine Altstadt ist. Trotz schlechten Wetters hat sich das Zentrum für die Parade herausgeputzt und die Altstadt macht auf Achtzehnhundertsoundso. Wir fahren eine Runde mit der historischen Eisenbahn und versuchen vergeblich ein paar Pinguine am Hafen zu erspähen. Die sollen hier nämlich abends in Scharen auftreten. Dafür machen wir, zurück in der Altstadt, ein Foto einer pittoresken Ecke und erlauben uns diesmal, dem Retroschick mit einem Stich Sepia gerecht zu werden.

Oamaru City
Oamaru Altstadt – besonders heute ein schicker Fleck Erde

Bevor wir die Stadt verlassen, besuchen wir noch den Strand mit Lookout und sehen tatsächlich die ersten wilden Robben des Urlaubs. Die sind aber so faul, dass sie die meiste Zeit wie erschossen am Strand rumhängen. Da es zu kalt ist, als dass wir es ihnen gleich tun können, machen wir uns wieder auf den Weg.

In Neuseeland gibt es laut Wikipedia immer noch 32,4 Millionen Schafe. Und es waren mal noch mehr. Bei einer Einwohnerzahl von weniger als 4,5 Millionen Menschen eine unfassbare Zahl. Da wundert es nicht, dass man unterwegs eigentlich permanent an Schafherden vorbei fährt. Ein paar der wolligen Tiere haben wir mal “auf Film” gebannt.

Schafe
Das übliche Bild am Rande von Neuseelands Straßen: Schafe

Der nächste Halt ist Dunedin (Vorsicht, die Aussprache ist “De-nie-denn”). Die Stadt soll eigentlich sehr schön sein. Da das Wetter aber noch schlechter geworden ist, fahren wir nur einmal mitten durch, füllen unsere Vorräte auf und überlegen, was wir noch unternehmen können, bevor wir einen Schlafplatz für die Nacht suchen.

Es gibt eine Albatross-Kolonie, die wir gerne sehen würden. Die Neuseeländer wollen dafür aber satte 50(!), in Worten fünfzig Dollar haben, weshalb wir davon Abstand nehmen. In Oamaru hätten wir für die Pinguine schon 25 Dollar berappen müssen. An dieser Stelle sei trotz aller Sympathie mal gesagt: was ihr Kiwis mit den Touristen macht, ist üble Abzocke! Wir haben von Mitreisenden erfahren, dass viele “Attraktionen” bis vor einigen Jahren kostenlos oder zumindest sehr günstig waren. Der Preisanstieg ist so exorbitant, dass einem schlicht die Lust vergeht, Geld für diese Dinge in die Hand zu nehmen. So – genug der Tirade, wir wollten ja kurz und so …

Wir fahren etwa 25 km weiter nach Aramoana, wo es eine Free Campsite geben soll. Wir finden nur öffentliche Toiletten. Auf einer Mole steht ein Camper mit Locals. Die sind nett und schlagen vor, dass wir auch einfach bleiben und nix zahlen – das machen wir. So kommen wir zu unserer ersten “Freedom Camping” Erfahrung. Schön isses, auch wenn der Wind hier ordentlich laut pfeift.

Am nächsten Morgen geht’s noch mal für einen Abstecher in die Stadt, um die steilste Anliegerstraße der Welt zu sehen. Was sollen wir sagen – die ist wirklich steil (35%). Uns haut es die Kühlschranktür auf (die wir mal wieder vergessen haben zu verriegeln) und sämtlicher Inhalt verteilt sich im Bus. So groß ist die Sauerei glücklicherweise nicht, und wir posen noch schnell für’s obligatorische Foto.

Steile Straße
Steiler Typ.

Wir beschließen einen Umweg in die Catlins in Kauf zu nehmen. Dort ist es nämlich A) wenig touristisch, und B) können eine Menge Tiere in freier Wildbahn beobachtet werden, ohne einem dabei ans Portmonee zu gehen. Dass die Antarktis schon mal die ein oder andere frische Brise rüberbläst, können wir verkraften.

Auf dem Weg runter kommen wir an den Moeraki Boulders vorbei und –hey, wir sind Touristen –denken uns, dass wir die Zeit noch erübrigen können. Es regnet, aber der Weg lohnt sich. Die Welt hätte sonst den einzigartigen Boulder-Dance von Frau Schmitz verpasst. Schlanker Fuß, die Dame!

Boulder Dance
Jenny tanzt den Boulder Dance

Da bleibt dem Herrn der Schöpfung nur ergriffenes Staunen. Was macht der Mann von Welt also? Gute Miene zum nassen Spiel.

Boulder 2
Halembas Boulder-Blick

 Wir erreichen die Catlins und sind angetan von der wilden Schönheit des Landes. Klingt das jetzt geschwollen? Egal – die deutsche Sprache gibt eben Einiges her. Auch wild ist die Tatsache, dass wir mehr oder weniger zufällig gleichzeitig mit Freunden aus Köln in Neuseeland sind. Eine kurze Textmessage zwischen den Damen Uli und Jenny bringt dann plötzlich die Gewissheit, dass wir nur rund 30 km voneinander entfernt sind. Also schnell an der nächsten Abfahrt links und ab zum Nugget Point. Die Straße ist übel, aber der Camper überlebt die 15 km Gravel Road. Japanische Wertarbeit eben. Schnell noch zum Leuchtturm hoch und tatsächlich warten Marco und Uli schon und vertreiben sich die Zeit mit diesem Ausblick:

Nugget Point
Nugget Point – Blick auf den Südpazifik

Nach 20 Minuten Austausch von Reiseberichten machen wir uns auf den Weg zum Parkplatz, um noch mal auf das Wiedersehen anzustoßen – natürlich nicht ohne das obligatorische Gruppenfoto. Herr Halemba wird langsam alt und verpasst fast den Timer. Ein Hechtsprung katapultiert den alten Mann der Runde dann aber doch noch ins Bild.

Gruppenbild
Wiedersehen am Ende der Welt

Zurück am Parkplatz bauen wir erstmal stilecht das Campingmobilar auf und öffnen ein Fläschchen eisgekühltes Kiwi-Bier. Die öffentlichen Toiletten im Hintergrund komplettieren das traumhafte Ambiente.

Bierchen am Parkplatz
Bierchen am Parkplatz

Wir reißen uns rechtzeitig los, um noch am selben Tag in Pounawea anzukommen, unserem Platz für die Nacht. Schöner Platz, schlechtes Wetter – damit ist eigentlich alles gesagt. Tags drauf geht’s in die Porpoise Bay – ein letzter Versuch, Pinguine “in the wild” zu Gesicht zu bekommen. Die Bucht ist der Knaller. Direkt nach unserer Ankunft sehen wir ein paar Hektordelfine, die in der Hauptbucht fröhlich ihre Runden drehen. Das geht ja gut los. Wir essen und ziehen los, um auch noch einen Blick auf die Pinguine werfen zu können. Da Gelbaugenpinguine im Gegensatz zu praktisch allen andern Pinguinen Einzelgänger und dazu noch ziemlich scheu sind, ist es um so schwieriger, sie in freier Wildbahn zu sehen.

Wir legen uns also auf der Lauer und beginnen schnell zu frieren. Die Antarktis ist, wie schon erwähnt, ja nicht mehr so wahnsinnig weit weg und der Wind bestätigt das. Die Sonne geht langsam unter und die Umgebung wird noch schöner. Darum machen wir schnell ein Panorama-Bild bevor wir kapitulieren.

Curio Bay
Das Frieren hat sich gelohnt – die Curio Bay im Panorama

Auf dem Rückweg beschließen wir, die letzte Option zu ziehen und nehmen den Umweg über die andere Seite der Bay in Kauf. An einem kleinen Viewpoint stehen ein paar Leute und … beobachten zwei Gelbaugenpinguine an Land. Wir haben es also doch noch geschafft! 20 Minuten gucken wir dem Erkundungsgang des einen gebannt zu (der andere liegt die ganze Zeit faul rum), bevor uns die Kälte endgültig in den Van zurücktreibt.

Der nächste Tag steht ganz im Zeichen der Wasserfälle. Wir fahren vier oder fünf davon ab und laufen immer wieder durch urwüchsiges Kiwi-Gehölz, bis wir kein Wasser mehr sehen können. Stellvertretend für alle anderen, posten wir hier mal ein Bild der vielleicht schönsten Kaskade, die wir außerdem komplett für uns alleine haben.

Wasserfall
Wasserfall in der grünen Hölle

Über Invercargill machen wir uns auf den Weg nach Te Anau, mit dem finalen Ziel Milford Sound. Unser erster Halt ist Henry Creek, wo wir in der Abendsonne kochen und ein “Feierabend-Bier” öffnen. Nachts ist es immer noch kalt, aber wir haben uns langsam daran gewöhnt. Am nächsten Tag erledigen wir einige praktische Dinge (wie Wasserwechsel) und halten am Cascade Creek. Hier gibt es eine schöne kleine Wanderstrecke, die durch einen absoluten Märchenwald führt. Die Eindrücke sind schwerlich auf Foto festzuhalten. Fast jeder Baum ist mit Moos überwachsen und wir meinen Baumbart an jeder Ecke zu sehen.

Ent-Wald
Ent-Wald par excellence

Wir beschließen, vor Milford Sound noch eine Tagestour einzulegen und entscheiden uns für den Gertrud-Sattel. Von oben soll man in den Sound reinschauen können – das überzeugt uns. Der Aufstieg ist kniffliger als gedacht. Es geht über Geröllfelder und blanke Felswände (mit Kletterseilen aus Stahl) vorbei an schönen Bergseen, bis wir endlich oben den tollen (und kalten) Ausblick genießen dürfen.

Milford Sound
Milford Sound aus der Vogelperspektive

Da wir uns beim Anblick des nächsten Fotos nicht mehr eingekriegt haben (und es zudem das einzige Bild von uns beiden zusammen auf der gesamten Klettertour ist), wollen wir Euch am Spaß teilhaben lassen. Und fragt bitte nicht, warum der feine Herr links genau in diesem Moment an den Ultimate Hulk denken musste (Zur Auswahl bei der Wahl des neuen Spitznamens stehen im Moment “Der Halslose” oder “Hulklemba”). Die Kommentarfunktion ist jedenfalls hiermit freigeschaltet.

Hulklemba
Der halslose Hulklemba. In seinen Armen Betty Ross – ganz in Blau

Nach diesen Eindrücken ist der Milford Sound von unten fast nicht mehr der Rede wert. Wir schauen auf dem Rückweg noch bei den “Chasm”-Wasserfällen vorbei (Danke für den Tipp, Uli Benn) und hören schon von weitem den Schrei eines Keas. Glücklicherweise läuft der Lümmel nicht weg und wir können gerade noch die Knipstaste drücken, ehe er zu seinen Kumpels in den Wald fliegt.

Kea
Kea auf fremdem Terrain

Wir nächtigen heute in Glenorchy in der Nähe von Queenstown – wieder ziemlich im Nirgendwo. Morgen früh fahren wir nach Paradise hoch (etwa 25 km von hier), wo ein paar Szenen aus dem Herrn der Ringe gedreht wurden – unter anderem Lothlorien. Wir freuen uns also auf den Elfenwald. Bis dahin gibt’s noch ein Bierchen. Ihr hört von uns.

Feldbier
Happy Campers

Cheers
Eure Happy Campers

Good Morning Vietnaaam!

Zugegeben, einfach gemacht haben es uns die Vietnamesen nicht. Wenn man aus dem relaxten, beschaulichen und wunderschönen Luang Prabang ins verstopfte, überfüllte, hektische und versmogte Hanoi kommt, dann ist ein Kulturschock erstmal vorprogrammiert. Nachdem wir uns damit vertraut gemacht haben, dass man seine Augen sprichwörtlich überall haben muss, da es keine Gehwege gibt (die nicht voller Straßenstände, essender Menschen, Handwerkern, geparkten Mopeds oder Müll wären) und der durchschnittliche Verkehrsteilnehmer aber auch so gar keine Lust hat, auf uns unbedarfte Mitteleuropäer (die deutsche StVO §1-53 immer im Hinterkopf) Rücksicht zu nehmen, beschließen wir, zu überleben. Das ist nicht immer einfach, aber wir wollen nicht klagen. Wie Eingangs erwähnt, machen es uns die Vietnamesen wirklich nicht so leicht, zum Beispiel einfach eine Straße zu überqueren. Hier mal eine Impression des normalen Strassenwahnsinns. Welcome to Mopped-City!

Hanoi - Mopped City
Noch eine der harmloseren Kreuzungen

Trotz eindringlicher Warnungen bezüglich des Umgangs mit den Einheimischen (auch in Bezug auf Touristen-Nepp), lassen wir uns prompt von einer “freundlichen” Fruchtverkäuferin überrumpeln, die uns schneller den Hut aufgesetzt und die Fruchtkörbe umgehängt hat, als wir “Ananas” oder wenigstens “không”, das bedeutet schlicht “nein”, sagen können. Natürlich will sie “no money” von uns, nur die Tüte mit Ananasstückchen sollen wir doch BITTESCHÖN mitnehmen – für 80.000 Dong, das sind fast 3 Euro. Dafür kann man übrigens anderswo mindestens ein leckeres Bier bei einem netten vietnamesischen Gericht zu sich nehmen. Der Durchschnittsverdienst in Vietnam liegt laut unserer Quelle übrigens bei etwa 150 EUR im Monat … wie auch immer, wir speisen die inzwischen gar nicht mehr so fröhliche Dame mit 25.000 Dong ab (immer noch zu viel) und nehmen uns vor, es mit der Freundlichkeit nicht immer so genau zu nehmen, wenn wir angequatscht werden.

Fruchtverkauf in Hanoi
Zwei waschechte vietnamesische Fruchtverkäufer.

Um diese Erfahrung reicher, suchen wir die in Hanoi üblichen Sehenswürdigkeiten aus. Wir lassen uns von einem Taxi mit tatsächlich regulärem und nicht getürktem Taximeter zum Ho-Chi-Minh-Museum und -Mausoleum fahren (in dem die Leiche von “Onkel Ho” entgegen seinem letzten Willen einbalsamiert ausgestellt wird). Die Umgebung mutet doch sehr sozialistisch an, riesige geradlinige graue Gebäude, dazu ein geometrisch exakt abgestimmter Garten. Der Sonnenkönig hätte seine helle Freude daran gehabt. Jenny hat es sich nicht nehmen lassen eine stramme Parade zu organisieren – es wollte nur leider keiner mitmachen.

Mausoleum
Strammer Aufmarsch vor Onkel Ho’s Mausoleum.

Abends gönnen wir uns ein wenig Kultur und besuchen das in ganz Vietnam bekannteste und erfolgreichste Wasserpuppen-Ballett. In neun “Szenen” wird die vietnamesische Kultur und Teile der Landesgeschichte an Hand bunter im Wasser “tanzender” Puppen dargestellt. Schön asiatisch.

Water Puppets
Da tanzen Sie, die Water Puppets.

Wenn man schon mal im Norden Vietnams ist, sollte man sich einen Besuch in der Ha-Long-Bucht nicht entgehen lassen. Nach einem kurzen Wettercheck, der leider sehr ernüchternd ausfällt (Nebel und Nieselregen), entscheiden wir uns daher nur für eine Tagestour. Bei gutem Wetter wäre eine Zwei-Tagestour sicherlich schöner und weniger stressig gewesen. Sei’s drum, morgens um acht Uhr geht es mit dem Minibus von Hanoi aus los – rund dreieinhalb Stunden später sind wir am Hafen der Stadt Ha Long angekommen.

Vorab sei angemerkt, dass wir uns für die etwas teurere Tages-Tour entschieden haben, da die Dame im Reisebüro uns versichert hat, dass wir dann auf einem deutlich neueren Schiff mit hervorragendem Mittagessen untergebracht werden. Laut unserem Loose-Reiseführer sollte man vor Buchung einer Tour darauf besonders achten, denn viele Schiffe seien eigentlich gar nicht mehr seetauglich. Sozusagen “Betreten auf eigene Gefahr”.

Also wieder zurück zur Hafenszene! Wir schauen uns um – überall veraltete Schiffe, der Lack ist sprichwörtlich ab. Wir suchen nach einem neueren Modell – vergeblich! Da werden wir auch schon gebeten, eine der vielen Rostlauben zu betreten. Das ist also unsere ganz private Sterne-Yacht. Wir beten und betreten mutig die Planken. Die Vietnamesen wissen definitiv, wie man Geld verdient! Das ist also das Geheimnis des Aufschwungs der letzten Jahre. Wenigstens das versprochene Mittagessen ist tatsächlich gut und reichlich. Wir lernen an unserem Tisch ein paar junge Japaner kennen und können unsere kürzlich erworbenen Japanisch-Kenntnisse erneut unter Beweis stellen. Die Teller sind noch nicht ganz leer, da sind wir schon mitten drin in der Ha-Long-Bucht, die übrigens zu den neuen Weltwundern gezählt wird, worauf unser Guide sichtlich stolz ist! Auch wenn es bei Sonnenschein vermutlich etwas paradiesischer ausgesehen hätte, sind wir von der gesamten Kulisse bei Dunst und Nebel beeindruckt. Spooky!

Halong-Felsen
Neblige Karstfelsen in der Halong-Bucht.

Mitten in dieser Idylle befindet sich ein “Floating Village”, ein schwimmendes Fischerdorf. Die Einheimischen verdienen sich etwas Geld mit dem Verleih von kleinen Ruderbooten und Kajaks, mit denen wir Touris die nähere Umgebung samt “Höhlen” (irgendwie waren es am Ende nur Felsdurchgänge) selbst erkunden können. Wir suchen die körperliche Ertüchtigung und schwingen uns selbstredend in eines der kleinen Kajaks. Mit der Kamera bewaffnet (waterproof under the Hoodie) werden ein paar Bilder von Höhlen, Felsen und dem Fischerdorf geschossen, bevor es nach rund 30 Minuten wieder zurück auf unsere Rostlaube geht.

Floating Village
Floating Village Houses in der Halong-Bucht.

Unser pubertierender Tour-Guide gewährt uns einen Einblick in seine sehr ausgeprägte Phantasie und erklärt uns, welche Figuren in den Felsen zu erkennen sind: vom Fisch über kämpfende Hähne bis hin zu einem küssenden Paar ist angeblich alles zu sehen. Dieses Rätselraten wird anschließend während des Besuchs einer Tropfsteinhöhle fortgeführt. Dieses Mal “sehen” wir Affen, Palmen, Löwen, Brüste und andere spannende Körperteile. Kein Kommentar!

Einigermaßen erschöpft kommen wir abends um halb neun wieder in unserem Hostel an und lassen den Tag und die gewonnen Eindrücke Revue passieren. Fazit: wegen des schlechten Wetters haben wir uns unserer Meinung nach richtigerweise für die Tagestour entschieden, auch wenn diese alles in allem etwas schlaucht. Bei besserem Wetter würde ich aber jedem raten, eine 2- oder 3-Tages-Tour zu ordern. Die Ha-Long-Bucht ist es definitiv wert!

Nach dem ganzen Staub, den wir in den vier Tagen Hanoi einatmen durften (ganz zu schweigen vom puren Stress des täglichen Überlebenskampfs) sehnen wir uns allmählich nach Sonne, Strand und Meer, vor allem aber auch nach Ruhe und guter Luft! Wir beschließen einen längeren Inselstopp einzulegen und nicht noch weitere Städte im zentralen Vietnam zu bereisen. So wahnsinnig viele Inseln hat Vietnam nicht zu bieten – unsere Wahl fällt (auch aufgrund der Nähe zu Ho Chi Minh City) schnell auf die südlichste und größte Insel Phu Quoc. Der Loose (Zur Erinnerung: das ist unser Reiseführer) schreibt, dass man definitiv JETZT nach Phu Quoc reisen soll, wenn man in einigen Jahren den berühmten Backpacker-Spruch bringen will: “Wärst Du mal vor 10 Jahren da gewesen”. In Kürze soll die Insel nämlich mit den bekannten Thai-Inseln Kho Samui und Phuket konkurrieren können. Das ist zumindest der Wille der Regierung in Hanoi. Russische Investoren gibt es wohl schon reichlich …

Auch die Taxifahrt gibt Aufschluss über die rasante Entwicklung, denn es gibt schlichtweg keine Möglichkeit für unter 120.000 Dong (ca. 4 EUR) zu unserem Ressort zu kommen. Laut Herrn Loose (Stand 2011) hätte dies maximal ein Drittel sein sollen, aber was will man machen. Der Tourismus hält Einzug, mit ihm steigen die Preise und mit ihm kommt der Müll (dazu später mehr). So ist das Leben. Wir konstatieren: wären wir schon VOR ein paar Jahren hier gewesen, hätte der Spruch seine Berechtigung gehabt, so ist er schon überholt. Wir lassen uns die gute Laune aber nicht verderben, zumindest das Wetter empfängt uns nämlich königlich. In unserem “Beachclub Resort” angekommen, werden wir nett empfangen, das Zimmer ist schön, sehr sauber (das ist nicht immer selbstverständlich) und hat darüber hinaus auch noch Meerblick! Auch sonst kann sich unsere neue Bleibe sehen lassen, allabendlicher Sonnenuntergang inklusive.

Beach Club Resort
Unser Hausstrand vor dem Beach Club Resort. Gar nicht mal so hässlich.

Der erste Tag steht ganz im Zeichen des “Nichts-Tuns” steht (Sonne, Essen, Lesen, Schlafen) und es gefällt uns gut. Dem guten alten Flipper übrigens auch.

Flipper is back
Flipper erfreut sich des Anblicks von Frau Schmitz auf der Luftmatratze.

Am Folgetag chartern wir zwei Exemplare des beliebtesten Fortbewegungsmittel der Vietnamesen – rischtiisch, et Mopped! Lustig behelmt geht es los, um die Nordhälfte der Insel zu erkunden. Die Helme hier sind im Übrigen nicht mit den unseren zu vergleichen. Style ist eben alles – die Teile ähneln eher normalen Baseball-Caps (gerne mit einer “FBI” oder “Police” Beschriftung) und sind garantiert nicht TÜV-geprüft.

Moped-Jenny
Cop Jenny vom FBI auf ihrer Rennkiste.

Die Fahrt gestaltet sich je nach Untergrund und Verkehrsaufkommen anspruchsvoll, nur die Haupt-Hauptstraße ist geteert. Da das Verkehrsverhalten der Einwohner, vorsichtig ausgedrückt, gewöhnungsbedürftig ist, lernen wir gezwungenermaßen schnell und kommen nach kleineren Komplikationen am nord-westlichen Zipfel der Insel an. Von dort aus fahren wir am Meer entlang zurück, machen hier und da Halt an einsamen Stränden und stoßen auf mehrere Fischer, die hier die weltberühmte Fischsauce “brauen”. Nice and smelly!

Fischsauce
Die angeblich beste Fischsauce kommt aus Phu Quoc.

Sonnencreme haben wir natürlich vergessen, womit uns der erste ordentliche Sonnenbrand nach fast 6 Stunden Mopedtour die Haut verbrennt. Wir reden uns ein, dass das Thema mit ein bisschen Aprés Sun Lotion schnell erledigt sein wird, sehen uns in dieser Annahme allerdings eine Woche später getäuscht. Es blättert also. Abends gönnen wir uns zur Abkühlung einen “Hot-Pot”, eine Art Fondue mit Gemüsebrühe. Neben Fisch und Fleisch schmeißen die Asiaten aber auch jegliches (uns teils unbekanntes) Gemüse in den Pott. Dazu gibt’s ein kühles Saigon Green – lecker!

Hot Pot
Herr Halemba heiß auf Hot Pot.

Wir suchen die gesunde Mischung aus Entspannung und Aktivität und buchen folgerichtig (nach einem weiteren Strandtag) eine Schnorcheltour zu den südlichen An Thoi Inseln. Bei Kaiserwetter betreten wir mit ca. 15 weiteren Personen das Boot und fahren gen Süden. Noch vor dem eigentlichen Schnorcheln sollen wir alle unser eigenes Mittagessen fangen – es wird also geangelt. Das Hightech-Equipment ist schon an Board. Jenny entscheidet die Challenge mit zwei zu eins Fisch(ch)en klar für sich. Der Verlierer ist angemessen zerknirscht.

Angeln
Big Fish!

Neben den selbstgefangenen Fischen wurde ordentlich zu Mittag aufgetischt. Außer den bekannten Gerichten (Vietnamesische Suppe, gebratene Nudeln, Reis, Ei und Gemüse) gab es jedoch auch eine absolute Premiere für uns: Seeigel! Was sollen wir sagen? Mit Zitronensaft und Chili durchaus lecker! Auch wenn so ein Seeigel aus gar nicht mal soviel Seeigel besteht, wenn er einmal geöffnet vor einem liegt.

Seafood on Board
Feinste vietnamesische Igel-Küche!

Das eigentliche Highlight ist dann leider eher traurig. Die Unterwasserwelt war sicher mal wunderschön – heute ist jedoch schon so viel zerstört und abgestorben, dass bunte Korallen und Fische Seltenheitswert haben. Wer die Organisation genauer unter die Lupe nimmt, dem wird auch schnell klar warum das so ist: pro Tour springen 15-20 meist unerfahrene Schnorchler ins Wasser und trampeln mit ihren Flossen auf so ziemlich alles, was sich Koralle oder Igel schimpft. Ein paar Idioten aus “unserer” Gruppe haben sich zur Verschnaufpause auch schön mitten auf eine Hartkoralle gestellt. Von den Guides kommt natürlich keine entsprechende Ansage – es zeigt sich, dass sie es selbst wohl auch nicht besser wissen. Und von diesen Anbietern gibt es leider ganz schön viele – da kann man sich ausmalen, wie lange hier noch Schnorcheltouren angeboten werden können. Beim nächsten Mal würden wir uns an eine Tauchschule wenden, da läuft das nämlich anders ab.

Auf dem Rückweg bekommen wir dann aber doch noch ein kleines Highlight: die Bucht einer der kleinen unbewohnten Inseln im Umkreis kann sich sehen lassen.

Nice Bay
Traumhafte Sicht auf versteckte Bucht im Süden.

Ein Besuch des angeblich schönsten Strands ganz Vietnams, dem “Beach Sao”, ist auch noch inklusive. Schön ist er schon (klares Wasser, feiner Sand, grüne Wälder rechts und links), aber auch hier liegt übelst viel Müll rum! Es gibt eigentlich kaum einen (bewohnten) Strandabschnitt, in dem nicht wenigstens eine Plastiktüte hier und da im Meerwasser schwimmt. Die meisten Anlagen scheinen es mit ihrer Liebe zur Natur nicht allzu ernst zu nehmen. Alles in allem ist uns das leider sehr stark in Erinnerung geblieben. Deshalb sehen wir Phu Quoc vermutlich nicht wieder. Schade eigentlich.

Zum Abschluss möchten wir noch gemeinsam tauchen gehen. Da die Kommunikation mit der Tauchschule aber suboptimal läuft und wir keinen zusätzlichen Tag für’s “Refreshing” haben, entschließt Jenny sich “zu Hause” zu bleiben. Herr Halemba darf sich also alleine morgens um 6 aus dem Bett quälen, um ein Tauchboot für zwei Dives zu entern. Schnell stellt sich raus, dass das Team fähig und lustig ist, die anderen Taucher nett und die Gruppe überschaubar klein. Der erste Tauchgang darf zu zweit, der zweite zu fünft absolviert werden. Das geht wirklich kaum besser. Die Tour findet im Norden der Insel statt und zur allgemeinen Überraschung (nach der Schnorcheltour) und vor allem Erleichterung, sieht es hier im Meer noch ziemlich gut aus. Es gibt ein paar tolle Korallen und Anemonen zu sehen, einige Nudiebranches und schöne Fische, und zu guter Letzt auch noch einen Giant Puffer Fish, der tatsächlich ganz schön “giant” ist.

Dive Crew
Tauchcrew Phu Quoc

Abends treffen wir uns noch mit ein paar Leuten vom Tauchtrip: Andreas (aus Schweden), Pete und Annika (aus Bielefeld) und Skyler (aus den USA) und haben einen feucht-fröhlichen Abend. Womit wir (wie wir finden) eine unglaublich geschickte Überleitung zur nächsten Destination Ho Chi Minh Stadt aus dem Hut gezaubert haben. Die gesamte Truppe fliegt eh am gleichen Tag dort hin und wir verabreden uns für einen gemeinsamen (Abschluss-)Abend.

Und schwups sind wir auch schon da. Ho Chi Minh Stadt erscheint uns spontan etwas weniger stressig, etwas weniger dreckig und insgesamt einfach etwas freundlicher als Hanoi. Das mag daran liegen, dass wir inzwischen schon etwas abgestumpft sind, oder aber an unserem wirklich netten kleinen Hotel mit wirklich netten, kleinen Menschen. Wir schauen uns in der Stadt um und treffen abends wie abgesprochen die Phu Quocler. Nach einem ziemlich tollen “Rooftop-Barbecue” verbringen wir den Rest des Abends in oder bei (?) einem zünftigen “Bia Hoi”. Dieses typisch vietnamesische Vergnügen besteht darin, in großer, geselliger (und wegen Platzmangels seeehr kuscheliger) Runde auf winzigen Plastikstühlen mitten im Verkehrschaos zu sitzen und das eigens in den Kellern gebraute “Bia”, also Bier zu sich zu nehmen.

Street Scene
Nächtliches Saigon – viel Andrang zum Bia Hoi.

Das Zeug schmeckt inzwischen ganz passabel und wir schmeißen fröhlich einige Runden (bei etwa 30 Cent pro Glas ruiniert uns das nicht), nicht ohne es am nächsten Morgen ein wenig zu bereuen.

Cheers
Gude Launee und hoch das Bia!

Unser letzter Tag in Ho Chi Minh Stadt (und damit auch in Südostasien) führt uns noch ins “War-Museum”, wo anschaulich die Gräueltaten der Kriegsparteien ausgeschlachtet werden. Hin und wieder gerät die Ausstellung etwas ins propaganda-hafte, aber es läuft einem schon kalt den Rücken runter, wenn man sieht, zu welchen Taten Menschen in der Lage sind. Wir lernen ein bisschen was über die jüngste vietnamesische Geschichte und verlassen das Museum nach rund drei Stunden wieder, um in der heißen Nachmittagssonne das Frösteln aus den Knochen zu bekommen.

Am 11.3. prügeln wir uns mal wieder früh aus dem Bett (6 Uhr – und das im Urlaub!) und lassen uns zum Flughafen kutschieren. Neuseeland wartet auf uns und wir freuen uns gerade sehr über die vor uns liegende Abwechslung!

In kollegialer Zusammenarbeit hochachtungsvoll
Jennifer Schmitz (jsz) und Martin Halemba (mha)