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Kiwi, Kiwi oder Kiwi?

Posted by on 23 March, 2013

Die Frage muss man sich in Neuseeland schon mal stellen. Denn hier kann sowohl das Wappentier der Neuseeländer, die mittlerweile weltweit verbreitete Frucht oder aber der Einwohner daselbst gemeint sein … und offensichtlich noch einiges mehr.

Wie Ihr seht, beschäftigen wir uns standesgemäß mit den wirklich wichtigen (philosophischen) Fragen des Lebens. Das geht deshalb, weil unser Flug (gefühlt) wirklich flott war und der Jetlag aus unerfindlichen Gründen ausgeblieben ist.

Um uns nicht in Details zu verlieren (was gerade Herr Halemba bekanntermaßen gerne tut), möchten wir heute mal mehr Fotos als Text für uns sprechen lassen und werden versuchen, uns kurz zu fassen. Regel Nummer eins eines guten Vortrags haben wir hiermit schon mal gebrochen – es kann also nix mehr schief gehen … auf geht’s!

Wir starten in Christchurch, einer eigentlich ganz hübschen Stadt, die leider Anfang 2011 von einem schlimmen Erdbeben heimgesucht wurde. Leider sind die Folgen bis heute deutlich sichtbar – das Stadtzentrum ist immer noch komplett im Aufbau befindlich. Die Neuseeländer haben aber eine angenehm charmante Art mit Schicksalsschlägen dieser Art umzugehen. Im Zentrum wurden kurzerhand bunte Container übereinander gestapelt, die alten Geschäfte dort (wirklich schick) untergebracht und damit das Projekt Re:START ins Leben gerufen.

Container Christchurch

Container-Chique in Christchurchs Innenstadt

Anschließend starten wir unsere Tour Richtung Süden, mehr oder weniger entlang der Ostküste. Erster Halt ist die Rakaia Gorge. Wir ergattern einen Standplatz auf der “Terrace” mit tollem Blick auf den Fluss. Eine gute Gelegenheit für die Dame des Hauses, vor der Behausung der nächsten Wochen zu posieren.

Rakaia Gorge

Erster Halt: Rakaia Gorge. Der Camper läuft.

Wir gewöhnen uns langsam ans Fahren auf der linken Seite und brettern weiter Richtung Lake Tekapo. Da uns der etwas spießig-piefige Campingplatz direkt am See (und damit mitten im Touri-Ort) nicht zusagt, fahren wir eine lange Seitenstraße bis zum kleinen Lake McGregor und finden dort einen DOC-Campingplatz. Das ist nicht nur günstig, wir treffen auch eine Menge netter, gleichgesinnter Leute (überwiegend Franco-Kanadier), mit denen wir den Abend feucht-fröhlich beschließen.

Am nächsten Morgen schlafen wir lange aus (wir ham ja schließlich Urlaub!) und suchen dann einen einsamen Parkplatz, um ein Ründchen am See spazieren zu gehen. Klima und Landschaft meinen es gut mit uns; außerdem sind wir ganz unter uns. Was ‘ne Ruhe!

Lake Tekapo

Ganz entspannt am Rande des Lake Tekapo.

Als wir weiterfahren, sehen wir in der Ferne plötzlich Mount Cook – unser nächstes Ziel. Unser Freund Lake Tekapo wird seinem Ruf gerecht und leuchtet Blau für uns. Alles echt! (man unterstellt Herrn H. ja schon mal unlautere Mittel beim Bearbeiten der Fotos …)

Tekapo plus Cook

Lake Tekapo und Mount Cook machen es dem Fotografen einfach.

Es geht also weiter Richtung Südalpen. Wir gabeln noch zwei deutsche Anhalterinnen (beide blutjunge Dinger von 19 Jahren!) auf und nehmen endlich selber Kurs auf Mount Cook, den höchsten Berg Neuseelands. Mit 3754 Metern ist er nahezu genauso hoch wie der Großglockner, immerhin der höchste Berg Österreichs. Dabei ist er aber so schwierig zu besteigen, dass angeblich über 70 Menschen beim bloßen Versuch ihr Leben lassen mussten. Wir begnügen uns daher mit einer netten Tour ins Hooker Valley mit schönem Blick auf den berühmten Giganten.

Hooker Valley

Hängebrücke auf dem Weg ins Hooker Valley – der blaue Fleck ist Jenny.

Wir verlassen die Südalpen mit dem guten Gefühl der ersten erfolgreichen Wanderung in den Beinen gen Südosten – nicht ohne vorher an Peter’s Lookout zu halten. Der Blick ist einfach zu schön!

Peter's Lookout

Blick auf die Südalpen von Peter’s Lookout am Lake Pukaki

Mit Oamaru wartet am irischen Saint Patrick’s Day ein Städtchen auf uns, das berühmt für seine Altstadt ist. Trotz schlechten Wetters hat sich das Zentrum für die Parade herausgeputzt und die Altstadt macht auf Achtzehnhundertsoundso. Wir fahren eine Runde mit der historischen Eisenbahn und versuchen vergeblich ein paar Pinguine am Hafen zu erspähen. Die sollen hier nämlich abends in Scharen auftreten. Dafür machen wir, zurück in der Altstadt, ein Foto einer pittoresken Ecke und erlauben uns diesmal, dem Retroschick mit einem Stich Sepia gerecht zu werden.

Oamaru City

Oamaru Altstadt – besonders heute ein schicker Fleck Erde

Bevor wir die Stadt verlassen, besuchen wir noch den Strand mit Lookout und sehen tatsächlich die ersten wilden Robben des Urlaubs. Die sind aber so faul, dass sie die meiste Zeit wie erschossen am Strand rumhängen. Da es zu kalt ist, als dass wir es ihnen gleich tun können, machen wir uns wieder auf den Weg.

In Neuseeland gibt es laut Wikipedia immer noch 32,4 Millionen Schafe. Und es waren mal noch mehr. Bei einer Einwohnerzahl von weniger als 4,5 Millionen Menschen eine unfassbare Zahl. Da wundert es nicht, dass man unterwegs eigentlich permanent an Schafherden vorbei fährt. Ein paar der wolligen Tiere haben wir mal “auf Film” gebannt.

Schafe

Das übliche Bild am Rande von Neuseelands Straßen: Schafe

Der nächste Halt ist Dunedin (Vorsicht, die Aussprache ist “De-nie-denn”). Die Stadt soll eigentlich sehr schön sein. Da das Wetter aber noch schlechter geworden ist, fahren wir nur einmal mitten durch, füllen unsere Vorräte auf und überlegen, was wir noch unternehmen können, bevor wir einen Schlafplatz für die Nacht suchen.

Es gibt eine Albatross-Kolonie, die wir gerne sehen würden. Die Neuseeländer wollen dafür aber satte 50(!), in Worten fünfzig Dollar haben, weshalb wir davon Abstand nehmen. In Oamaru hätten wir für die Pinguine schon 25 Dollar berappen müssen. An dieser Stelle sei trotz aller Sympathie mal gesagt: was ihr Kiwis mit den Touristen macht, ist üble Abzocke! Wir haben von Mitreisenden erfahren, dass viele “Attraktionen” bis vor einigen Jahren kostenlos oder zumindest sehr günstig waren. Der Preisanstieg ist so exorbitant, dass einem schlicht die Lust vergeht, Geld für diese Dinge in die Hand zu nehmen. So – genug der Tirade, wir wollten ja kurz und so …

Wir fahren etwa 25 km weiter nach Aramoana, wo es eine Free Campsite geben soll. Wir finden nur öffentliche Toiletten. Auf einer Mole steht ein Camper mit Locals. Die sind nett und schlagen vor, dass wir auch einfach bleiben und nix zahlen – das machen wir. So kommen wir zu unserer ersten “Freedom Camping” Erfahrung. Schön isses, auch wenn der Wind hier ordentlich laut pfeift.

Am nächsten Morgen geht’s noch mal für einen Abstecher in die Stadt, um die steilste Anliegerstraße der Welt zu sehen. Was sollen wir sagen – die ist wirklich steil (35%). Uns haut es die Kühlschranktür auf (die wir mal wieder vergessen haben zu verriegeln) und sämtlicher Inhalt verteilt sich im Bus. So groß ist die Sauerei glücklicherweise nicht, und wir posen noch schnell für’s obligatorische Foto.

Steile Straße

Steiler Typ.

Wir beschließen einen Umweg in die Catlins in Kauf zu nehmen. Dort ist es nämlich A) wenig touristisch, und B) können eine Menge Tiere in freier Wildbahn beobachtet werden, ohne einem dabei ans Portmonee zu gehen. Dass die Antarktis schon mal die ein oder andere frische Brise rüberbläst, können wir verkraften.

Auf dem Weg runter kommen wir an den Moeraki Boulders vorbei und –hey, wir sind Touristen –denken uns, dass wir die Zeit noch erübrigen können. Es regnet, aber der Weg lohnt sich. Die Welt hätte sonst den einzigartigen Boulder-Dance von Frau Schmitz verpasst. Schlanker Fuß, die Dame!

Boulder Dance

Jenny tanzt den Boulder Dance

Da bleibt dem Herrn der Schöpfung nur ergriffenes Staunen. Was macht der Mann von Welt also? Gute Miene zum nassen Spiel.

Boulder 2

Halembas Boulder-Blick

 Wir erreichen die Catlins und sind angetan von der wilden Schönheit des Landes. Klingt das jetzt geschwollen? Egal – die deutsche Sprache gibt eben Einiges her. Auch wild ist die Tatsache, dass wir mehr oder weniger zufällig gleichzeitig mit Freunden aus Köln in Neuseeland sind. Eine kurze Textmessage zwischen den Damen Uli und Jenny bringt dann plötzlich die Gewissheit, dass wir nur rund 30 km voneinander entfernt sind. Also schnell an der nächsten Abfahrt links und ab zum Nugget Point. Die Straße ist übel, aber der Camper überlebt die 15 km Gravel Road. Japanische Wertarbeit eben. Schnell noch zum Leuchtturm hoch und tatsächlich warten Marco und Uli schon und vertreiben sich die Zeit mit diesem Ausblick:

Nugget Point

Nugget Point – Blick auf den Südpazifik

Nach 20 Minuten Austausch von Reiseberichten machen wir uns auf den Weg zum Parkplatz, um noch mal auf das Wiedersehen anzustoßen – natürlich nicht ohne das obligatorische Gruppenfoto. Herr Halemba wird langsam alt und verpasst fast den Timer. Ein Hechtsprung katapultiert den alten Mann der Runde dann aber doch noch ins Bild.

Gruppenbild

Wiedersehen am Ende der Welt

Zurück am Parkplatz bauen wir erstmal stilecht das Campingmobilar auf und öffnen ein Fläschchen eisgekühltes Kiwi-Bier. Die öffentlichen Toiletten im Hintergrund komplettieren das traumhafte Ambiente.

Bierchen am Parkplatz

Bierchen am Parkplatz

Wir reißen uns rechtzeitig los, um noch am selben Tag in Pounawea anzukommen, unserem Platz für die Nacht. Schöner Platz, schlechtes Wetter – damit ist eigentlich alles gesagt. Tags drauf geht’s in die Porpoise Bay – ein letzter Versuch, Pinguine “in the wild” zu Gesicht zu bekommen. Die Bucht ist der Knaller. Direkt nach unserer Ankunft sehen wir ein paar Hektordelfine, die in der Hauptbucht fröhlich ihre Runden drehen. Das geht ja gut los. Wir essen und ziehen los, um auch noch einen Blick auf die Pinguine werfen zu können. Da Gelbaugenpinguine im Gegensatz zu praktisch allen andern Pinguinen Einzelgänger und dazu noch ziemlich scheu sind, ist es um so schwieriger, sie in freier Wildbahn zu sehen.

Wir legen uns also auf der Lauer und beginnen schnell zu frieren. Die Antarktis ist, wie schon erwähnt, ja nicht mehr so wahnsinnig weit weg und der Wind bestätigt das. Die Sonne geht langsam unter und die Umgebung wird noch schöner. Darum machen wir schnell ein Panorama-Bild bevor wir kapitulieren.

Curio Bay

Das Frieren hat sich gelohnt – die Curio Bay im Panorama

Auf dem Rückweg beschließen wir, die letzte Option zu ziehen und nehmen den Umweg über die andere Seite der Bay in Kauf. An einem kleinen Viewpoint stehen ein paar Leute und … beobachten zwei Gelbaugenpinguine an Land. Wir haben es also doch noch geschafft! 20 Minuten gucken wir dem Erkundungsgang des einen gebannt zu (der andere liegt die ganze Zeit faul rum), bevor uns die Kälte endgültig in den Van zurücktreibt.

Der nächste Tag steht ganz im Zeichen der Wasserfälle. Wir fahren vier oder fünf davon ab und laufen immer wieder durch urwüchsiges Kiwi-Gehölz, bis wir kein Wasser mehr sehen können. Stellvertretend für alle anderen, posten wir hier mal ein Bild der vielleicht schönsten Kaskade, die wir außerdem komplett für uns alleine haben.

Wasserfall

Wasserfall in der grünen Hölle

Über Invercargill machen wir uns auf den Weg nach Te Anau, mit dem finalen Ziel Milford Sound. Unser erster Halt ist Henry Creek, wo wir in der Abendsonne kochen und ein “Feierabend-Bier” öffnen. Nachts ist es immer noch kalt, aber wir haben uns langsam daran gewöhnt. Am nächsten Tag erledigen wir einige praktische Dinge (wie Wasserwechsel) und halten am Cascade Creek. Hier gibt es eine schöne kleine Wanderstrecke, die durch einen absoluten Märchenwald führt. Die Eindrücke sind schwerlich auf Foto festzuhalten. Fast jeder Baum ist mit Moos überwachsen und wir meinen Baumbart an jeder Ecke zu sehen.

Ent-Wald

Ent-Wald par excellence

Wir beschließen, vor Milford Sound noch eine Tagestour einzulegen und entscheiden uns für den Gertrud-Sattel. Von oben soll man in den Sound reinschauen können – das überzeugt uns. Der Aufstieg ist kniffliger als gedacht. Es geht über Geröllfelder und blanke Felswände (mit Kletterseilen aus Stahl) vorbei an schönen Bergseen, bis wir endlich oben den tollen (und kalten) Ausblick genießen dürfen.

Milford Sound

Milford Sound aus der Vogelperspektive

Da wir uns beim Anblick des nächsten Fotos nicht mehr eingekriegt haben (und es zudem das einzige Bild von uns beiden zusammen auf der gesamten Klettertour ist), wollen wir Euch am Spaß teilhaben lassen. Und fragt bitte nicht, warum der feine Herr links genau in diesem Moment an den Ultimate Hulk denken musste (Zur Auswahl bei der Wahl des neuen Spitznamens stehen im Moment “Der Halslose” oder “Hulklemba”). Die Kommentarfunktion ist jedenfalls hiermit freigeschaltet.

Hulklemba

Der halslose Hulklemba. In seinen Armen Betty Ross – ganz in Blau

Nach diesen Eindrücken ist der Milford Sound von unten fast nicht mehr der Rede wert. Wir schauen auf dem Rückweg noch bei den “Chasm”-Wasserfällen vorbei (Danke für den Tipp, Uli Benn) und hören schon von weitem den Schrei eines Keas. Glücklicherweise läuft der Lümmel nicht weg und wir können gerade noch die Knipstaste drücken, ehe er zu seinen Kumpels in den Wald fliegt.

Kea

Kea auf fremdem Terrain

Wir nächtigen heute in Glenorchy in der Nähe von Queenstown – wieder ziemlich im Nirgendwo. Morgen früh fahren wir nach Paradise hoch (etwa 25 km von hier), wo ein paar Szenen aus dem Herrn der Ringe gedreht wurden – unter anderem Lothlorien. Wir freuen uns also auf den Elfenwald. Bis dahin gibt’s noch ein Bierchen. Ihr hört von uns.

Feldbier

Happy Campers

Cheers
Eure Happy Campers

7 Responses to Kiwi, Kiwi oder Kiwi?

  1. Sascha

    Mensch, wieder einmal umwerfende Bilder und was für Gegensätze zu euren ersten Tagen in Tokyo und den anschließenden Erlebnissen in Laos und Vietnam! Auf den Bildern kann man die Weite zwar nur erahnen, aber es wirkt trotzdem und wir LOTR-Fans erwarten fast jeden Moment die Reiter von Rohan über die Steppe preschen zu sehen. Und auch schön, an der am entferntesten Stelle von Deutschland aus gesehen Freunde aus Köln zu treffen!
    Weiterhin viel Spaß, genießt die Feierabendbiere, die “unendlichen Weiten” & Elfenwälder und die traute Zweisamkeit auf euren weiteren Etappen.

    P.S. Das Selbstporträt von euch beiden (auch wenn in der Z-Achse leicht versetzt :-) ) finde ich echt gelungen!

  2. DB_u_MB

    WOW!! weiter so!

  3. Saskia Tellers

    Hallo ihr beiden !

    Ein wirklich tolles Reisetagebuch führt ihr da !
    Eigentlich habe ich mit meinen drei Mäusen gar keine Zeit solche Dinge zu lesen, aber es ist so nett geschrieben, nicht zu lang und die Bilder sind umwerfend, da bin ich doch glatt irgendwie hängen geblieben ;-)
    Ganz großartig-ich wünsche euch noch eine tolle Reise und vielleicht läuft man sich ja mal (wieder) über den Weg…
    Ganz liebe Grüße
    Saskia

  4. kerstin

    Wie immer wunderbare Eindrücke! Eure “Camper-Tour” hat uns so inspiriert, dass wir ersthaft überlegen, diesen Sommer auch mal mit Kind und Kegel und Wohnmobil loszuziehen… Vieleicht nicht gerade bis ans andere Ende der Welt, aber wenigstens bis ans andere Ende von Europs ;) Weiterhin viel Spaß und gute Erholung!!

  5. wilkman

    Feini, feini, feini … das sieht herrlich aus :)

  6. Lisa

    Ich vermisse Instagram Bilder von eurem Essen! Ansonsten sieht das ja ganz in Ordnung aus ;)

  7. Bettina

    Da kommen wunderschöne Erinnerungen wieder…
    Viel Spaß noch und ich freue mich auf die nächsten Fotos :-)

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