Bula – it’s Fiji Time!

Nachdem wir unseren fahrbaren Untersatz ohne größere Komplikationen (nach rund 5.000 abgerissenen Kilometern) bei “Happy Campers” in Auckland abgeliefert haben, fliegen wir mit unserem breitestem Grinsen im Gesicht auf die Fiji-Inseln.

Schon am Flughafen Nadi auf der Hauptinsel können wir uns auf die kommenden elf Tage einstimmen: Fiji empfängt uns mit 33 Grad und singenden Einheimischen am Flughafen! Noch an Ort und Stelle lernen wir, was es mit dem Begriff “Fiji Time” auf sich hat. Auf Fiji kann aus fünf Minuten Wartezeit gerne mal eine Dreiviertel Stunde werden. “Lean back, relax and enjoy Fiji Time” heißt es hier. Somit üben wir uns in Geduld, als der einzige Geldautomat am Flughafen ausfällt und die Reparatur sagen wir mal gaaaanz entspannt angegangen wird.

Da wir bis auf die ersten beiden Nächte auf der Hauptinsel nichts Weiteres gebucht haben, erledigen wir das direkt zu Beginn und steuern am zweiten Morgen mit dem Katamaran “Yasawa Flyer” die gleichnamige Inselgruppe an. Fiji besteht in Summe aus 333 Inseln, sich bei ein paar verfügbaren Tagen für diese oder jene Inseln zu entscheiden fällt einem entsprechend schwer. Bei nur acht verbleibenden Nächten beschließen wir aber die Reise entspannt anzugehen, wir sind ja schließlich “on Fiji Time” und wollen nicht jeden zweiten Tag unseren Rucksack packen müssen. Von den 20 Yasawa-Inseln wollen wir zwei besuchen: Drawaqa Island und Nacula Island. Beide für jeweils vier Nächte.

Bei Drawaqa nehmen wir Kurs auf unsere erste Bleibe, die Barefoot Island Lodge, das einzige Resort der Insel. Schon der erste Eindruck vom Boot aus ist nicht zu verachten.

Barefoot Island
We arrive on Barefoot Island!

Bei unserer Ankunft werden wir von der Barefoot-Belegschaft mit Gitarre und Gesang am weissen Sandstrand begrüßt. Alles hier ist für uns perfekt: der kleine Inselabschnitt hat gleich drei Strände (Sunrise, Sunset und Mantaray Beach), die alle fußläufig in fünf Minuten erreichbar sind, es gibt einen Dive-Shop mit äußerst netten und kompetenten Tauchlehrern und die Hütten beziehungsweise “Bure” sind schlicht aber sauber. Die Crew ist so nett, dass man es fast nicht glauben kann. Schnell merken wir, dass das nicht nur professionelle Freundlichkeit, sondern echte Herzlichkeit ist. Hier können wir bleiben!

Barefoot-Crew
Ein Teil der Barefoot-Crew ausnahmsweise in traditioneller Fiji-Kluft

Gleich nach dem Check-In leihen wir uns Schnorchelequipment und erkunden die Korallenwelt rund um unsere Hausstrände. Es gibt ein Riff mit einem Drop-Off dahinter und unser erster Eindruck ist überwältigend.

Unterwasserwelt
Spektakuläre Einblicke in Fijis’ Unterwasserwelt

So beeindruckt von der bunten Unterwasserwelt, wollen wir es natürlich nicht beim Schnorcheln belassen. Wir sind ja schließlich zertifizierte Taucher und hoffen, bei dem ein oder anderen Tauchgang Mantarochen zu sehen, die hier während der Saison in Scharen die Fiji Inseln passieren. Direkt hinter Drawaqa (Barefoot Island) ist auch noch der “Mantaray Channel”, DER Hotspot für die größte Rochenart in der Saison.

Da Frau Schmitz aber seit einigen Jahren nicht mehr tauchen war, muss eine Auffrischung her. Die gibt es sogar kostenlos (sowas gibt’s doch noch) und nach einigen Anläufen bei den gängigen Übungen (Maske abnehmen unter Wasser ist kein Zuckerschlecken) ist die Hürde genommen.

Auffrischung Jenny
Alles roger – es kann losgehen

Wir machen so viele Dives, wie es das Budget zulässt. Bei einem Cave-Dive macht Monsieur Halemba (auch außerhalb der Caves) eine besonders gute Figur.

Tauchen Martin
Monsieur Halemba euphorisch unter Wasser

Die Mantas wollen sich uns aber nicht zeigen. Die Saison startet eigentlich auch erst im Mai und geht bis Oktober. Im April muss man also viel Glück haben, einem der Burschen zu begegnen. Das haben wir leider nicht, zu schade. Vor allem weil wir später erfahren, dass sich nur drei Tage nach unserer Abreise die ersten Mantas gezeigt haben … naja – beim nächsten Mal!

Dafür werden wir auf der Insel mit außerordentlich gutem Wetter belohnt. Und da täglich Gäste kommen und gehen, lernen wir in den vier Tagen eine Menge netter Leute kennen, mit denen wir teilweise bis in die Puppen unseren Spass haben. Fiji Gold und Fiji Bitter inklusive.

Am letzten Abend auf Barefoot Island ist, wie jeden Samstag auf der Insel, “Fijian Night”. Abends wird ein großes Buffet mit lokalen Köstlichkeiten aufgefahren, die vorher im Lovo, einer Art Erd-Grill, zubereitet wurden. Mnjamm! Dazu wird (wie immer beim Abendessen) live musiziert. Es gibt eine Feuershow, bei der die Jungs des Personals mit dem Feuer jonglieren und sichtbar Spaß daran haben. Wir auch!

Feuershow
Die Barefoot-Jungs on fire

Anschließend dürfen wir zum ersten Mal am fijianischsten aller Ereignisse teilnehmen – der traditionellen Kava-Zeremonie. Kava ist eine Pfefferpflanze, aus deren zerstoßenen und getrockneten Früchten ein kaltes teeartiges Getränk zubereitet wird, das eine gewisse rauschartige Wirkung haben soll. Einige der Jungs hier trinken das Zeug literweise – wir sind gespannt.

Da Jimmy Halemba die Musiker auf der Gitarre begleitet (was diese netterweise sehr zu schätzen wissen), stehen wir zwei besonders im Fokus der Zeremonienmeister und trinken über den Abend bestimmt 15-20 Kavas aus einer Kokusnussschale. Die Bezeichnung “das Zeug schmeckt wie altes Spülwasser” ist natürlich Blasphemie, kommt der Realität aber ziemlich nahe. Das Zeug sieht aus wie Schlammwasser. Wir finden es aber nicht so schlimm, wie der ein oder andere Reisende uns vorher glaubhaft machen wollte. Eine Wirkung spüren wir am Ende auch noch: zuerst werden Zunge und Lippen ein wenig taub, danach setzt eine leichte Schläfrigkeit ein. Tolle Sache, aber nicht wirklich unser Fall. Der anschließende Schlaf war allerdings tiefenentspannt.

Kava Session
Kava vom Feinsten

Am nächsten Morgen dann der tränenreiche Abschied von der Barefoot-Crew. Die Belegschaft versammelt sich, um uns beide Richtung Norden zu verabschieden. Fiji-Abschiedssong inklusive. Es ist schon erstaunlich, wie schnell man sich an einem Platz heimisch fühlen kann.

Abschied Barefoot
Die Mädels rufen uns ein letztes “Moce” (auf Wiedersehen) hinterher

Der nächste Stop ist die Nabua Lodge auf der Insel Nacula. Das Wetter schlägt leider um – Wolken ziehen auf, es wird etwas kühler und einzelne Regenschauer zeigen, dass wir das Ende der Regensaison doch noch nicht erreicht haben. Nichtsdestotrotz werden wir freundlich empfangen.

Nabua Lodge Garten
Top gepflegter Garten der Nabua Lodge. Rechts ist unser Bure zu sehen

Direkt am nächsten Morgen unternehmen wir einen Abstecher zur “Blauen Lagune” auf der benachbarten Turtle Island. Hier wurde 1980 der Streifen gedreht, der Brooke Shields zu Weltruhm verhalf. Das Wetter ist zwar noch schlechter geworden, der Strand ist aber schön und die Unterwasserwelt mal wieder sensationell.

Gebräunte Beine
Wer gewinnt den Bräunungswettbewerb?

Zwischendurch müssen wir Schutz vor dem Regen suchen und stellen uns im angrenzenden Beach Resort unter. Dabei kommen wir mit einigen Locals ins Gespräch. Einer der Männer – bestimmt Mitte 60 – stellt im Laufe des Gesprächs nur trocken fest, dass er 25 Jahre arbeiten könnte und die Inseln trotzdem nicht verlassen könnte. Wir realisieren mal wieder, wie privilegiert wir sind, all das hier überhaupt unternehmen zu können.

Am nächsten Tag nehmen wir ein Boot noch weiter in den Norden an den äußersten Rand der Yasawa-Inselgruppe. Dort gibt es berühmte Höhlen, in denen man schwimmen gehen kann. Die erste Höhle ist groß, es gibt einen Durchlass in der Decke durch den das Sonnenlicht etwas Licht spendet. Unterwasser gibt es einen versteckten Durchlass in den dunklen Teil des Höhlensystems. Die Guides leuchten uns mit Taschenlampen den Weg und wir tauchen todesverachtend in die Finsternis. Das Ganze ist echt ein bisschen spooky, aber wir haben Spaß. Trotzdem ist es schön, nach einem Stündchen die Sonne in Gänze wiederzusehen.

Yasawa-Fels
Vulkanische Felsformation auf den Yasawas

Zurück “zu Hause” entkommt Jenny beim Durchstöbern eines Rucksacks nur knapp dem Tode. Ein spitzer Schrei und Indiana Halemba kommt wie von der Tarantel gestochen reingestürmt. “Da ist was in Deinem Rucksack! Es ist lang und hat ganz viele Beine”. Was macht ein echter Abenteurer da als erstes? Er schnappt sich seine Kamera und versucht ausfindig zu machen, was es zu entdecken gibt. Als der gesamte Inhalt des Rucksacks auf dem Boden liegt, ohne dass sich etwas zeigt, glauben wir schon an eine Halluzination. Das Ungetüm lässt sich nicht auffinden. Doch plötzlich erschreckt sich auch der sonst so coole Herr Halemba: “Ich glaub’ es nicht! Ein Skolopender!” Diese Viecher sind leider verdammt giftig! Ein Biss ist zwar normalerweise nicht lebensgefährlich, jedoch extrem schmerzhaft und verursacht üble Nebenwirkungen wie Lähmungserscheinungen, Schwindelgefühle und unter Umständen auch Atemprobleme und Herzrhythmusstörungen. Mit diesem Kollegen ist also nicht zu Spaßen! Mit der angebrachten Vorsicht gelingt es uns ein Beweisfoto zu schießen.

Skolopender
Sieht harmloser und kleiner aus als er ist: der Skolopender (ca. 15 cm) in unserem Rucksack

Wir beschließen, den Aufenthalt in der Nabua Lodge um einen Tag zu verkürzen (allerdings NICHT wegen des Skolopenders), um noch in den Genuss einer der kleinen Klischee-Südseeinseln zu kommen. Wir canceln also die letzte Nacht und buchen uns auf South Sea Island ein, einem kleinen Inselchen, das man in gut fünf Minuten zu Fuß umrunden kann. Was vorher aber noch kommt, kann man wohl einen langen Geburtstag für Herrn Halemba nennen.

Da jeden Tag neue Leute ein- und auschecken, ist es immer ein bisschen wie im Lotto. Am Abend vor Martin’s Geburtstag haben wir jedenfalls keine sechs Richtigen. Die meisten sind gegen zehn in Richtung ihrer Zimmer abgezogen – in großem Stil rein feiern ist also nicht. Macht aber nix, denn wir haben in weiser Voraussicht noch einen Rotwein mitgebracht, der jetzt stilvoll geköpft wird. Wir feiern also ganz gediegen zu zweit in den 24sten (beziehungsweise den 34sten) rein und machen uns einen schönen Abend.

Am nächsten Tag gibt es dann eine kleine Überraschung – das hat Frau Schmitz schön geschickt eingefädelt. Direkt nach dem Frühstück gibt es ein Geburtstagsständchen der Belegschaft, Bula-Kranz und pinkfarbene Schaumbombe inklusive.

Geburtstag Martin
BULA! Martin und die pinke Geburtstags-Puffbrause

Im Anschluss nehmen wir den gelben Yasawa Flyer zur finalen Lokalität. Die kleinste Insel der Mamanucas, South Sea Island, präsentiert sich uns im besten Licht – das Wetter schlägt pünktlich zum Ausklang unseres Fiji-Trips wieder in die richtige Richtung um.

Southsea Island
Klischee Südsee-Insel

Die Entscheidung war auf jeden Fall gut. Hier finden wir alles, um pünktlich zum Abschied noch mal Richtig die Seele baumeln lassen zu können. Und zum krönenden Abschluss sehen wir fünf Minuten vor Ende unserer definitiv letzten Schnorchelrunde noch einen Hai. Den ersten und letzten auf Fiji … für dieses Mal.

Sonnenuntergang South Sea Island
Die Stühle bleiben für’s Erste leider leer …

Wir sind uns einig: die Fijianer werden uns in Zukunft noch mal zu Gesicht bekommen. Hier ist es einfach zu schön!

Vinaka und Moce
Martin & Jenny

 

Bis zum nächsten Mal, Hobbiton!

Unsere Muskeln brennen noch vom Tongariro Alpine Crossing, weswegen wir den Folgetag ziemlich gediegen in diversen vulkanischen Hot Pools im Tongariro National Park verbringen. Gut erholt treten wir anschließend die weitere Reise Richtung Lake Taupo, dem größten See Neuseelands, an. Dort stoppen wir als erstes bei den überaus beeindruckenden Huka-Falls. Diese gehören zum Waikato River, der im etwas höher gelegenen See entspringt. 220.000 Liter Wasser pro Sekunde schießen hier mal eben den Fluss herunter, das sind locker 1.500 Badewannen voll. Jede Sekunde! Das Wasser ist dabei kristallklar. An gehobener Wasserqualität mangelt es den Kiwis jedenfalls nicht.

Huka Falls
Die Huka Falls – 220.000 Liter Wasser … pro Sekunde!

Da wir nur alle paar Tage einen Holiday-Park anfahren, um Strom und Wasser zu tanken und Dreckswasser loszuwerden, versuchen wir dazwischen immer schöne, möglichst kostengünstige Plätze für die Nacht zu finden. Freedom-Camping wird inzwischen nicht mehr so gerne gesehen bei den Einheimischen. Das hat leider zu viele Idioten dazu verleitet, beispielsweise ihr Toilettenpapier und die damit “verbundenen Dinge” überall in der Gegend rumliegen zu lassen … die Geldstrafen sind dafür mittlerweile schwindelerregend hoch. Man muss also die Augen und Ohren offen halten, um was Geeignetes zu finden. Mit unserer Bleibe für die kommende Nacht sind wir daher mehr als zufrieden. Ein super schöner, kostenloser und am Fluss gelegener Park für Camper aller Art und wir ergattern DEN Sahneplatz direkt am Wasser. +Yaaayyy+

Waikato-Camping
So kann man mal ‘ne Nacht verbringen. Traumkulisse am Waikato River.

Anschließend machen wir einen Abstecher zur Tour de France. Herr Halemba ist drauf und dran, das Bergtrikot zu gewinnen. Die roten Punkte sind vorsorglich schon mal am Rad, am Trikot arbeitet er noch. Aber die Haltung ist toppstens.

Rennrad
Nur was für die ganz Großen. Radrennsport in Neuseeland.

Da Frau Schmitz aber nicht mehr mit auf das Rad passt, entscheiden wir uns schweren Herzens doch für den Camper zur Weiterfahrt nach Rotorua. Ist auch bequemer.

Dort angekommen empfängt uns ein – Tongariro sei Dank – inzwischen vertrauter Geruch nach faulen Eiern und Schwefel. In Rotorua wimmelt es nur so von heißen vulkanischen Quellen, meterhohen Geysiren und blubbernden, stinkenden Schlammlöchern. Es dampft und brodelt wohin das Auge schaut, die Erde scheint auf hoher Flamme ein paar Süppchen zu kochen.

Hot Lake
Sieht schöner aus als er riecht: Heißer See in Rotorua.

Den Schwefelgeruch kriegen wir am Besten im schönsten aller Kiwi-Landstriche aus der Nase – dem Auenland. In einem Kaff namens Matamata hatte Peter Jackson vor Beginn der Dreharbeiten zum Herrn der Ringe (1999) “sein” perfektes Hobbiton bzw. Hobbingen gefunden. Dank der letzten Dreharbeiten zum Film “Der Hobbit” sind die ursprünglich abgerissenen Hobbit-Höhlen wieder komplett errichtet und inzwischen langfristig für uns Touris zugänglich geworden.

Auf den Spuren von Frodo, Sam, Gandalf & Co. inspizieren wir das kleine grüne Paradies und wünschen uns, hier ein Ferienhaus (bzw. Ferienhöhle) kaufen zu können. Die meisten Höhlen und sämtliche Accessoires haben natürlich Hobbitgröße und erinnern fast an Puppenhäuser in einem Märchenland für Kinder. Festangestellte Gärtner und Requisiteure sorgen den ganzen Tag dafür, dass der Rasen grün ist, die Blumen blühen und auch die kleinsten Details an Haus und Hof tippitoppi aussehen. Fast zu schön, um wahr zu sein.

Hobbingen
Hobbingen ist immergrün.
Hobbithoehle
Sam’s Zuhause. Hobbit-Eigenheim deluxe.

Inzwischen brechen leider schon die letzten Tage unserer Neuseelandreise an. Bevor es nach Auckland geht, nehmen wir uns noch rund fünf Tage Zeit für die Coromandel Peninsula. Da hier subtropisches Klima herrscht, ist es wieder etwas milder. Der Unterschied zwischen Tag- und Nachttemperatur liegt jetzt nicht mehr bei über 15 sondern “nur” noch bei rund zehn Grad und wir frieren nicht mehr so nach dem Aufstehen!

Um es vorweg zu nehmen, der ganze Landstrich ist der Hammer! Es gibt tolle Strände, schöne Wege, viel Grün, viel Sonne und ganz wenige Menschen. Wir starten mal mit einem kleinen Panorama-Bild, aufgenommen in der Nähe der Cathedral Cove.

Coromandel Panorama
Küstenabschnitt der Coromandel Peninsula

Und wo wir schon beim Thema sind, zeigen wir gleich noch eine kleine Impression vom nördlichen Teil des Strands in der besagten Cathedral Cove. Die Bucht ist von einer Steilwand aus glattem, hellen Sandstein begrenzt und ziemlich spektakulär. Am besten gefällt uns aber nicht die namensgebende “Cathedral” – ein großer Felsdurchgang von einer Strandhälfte zur anderen – sondern der einsame Obelix-Hinkelstein, der am Nordende der Bucht aus dem Wasser ragt. Die Bäume an der Spitze und die kleine Fotografin unten links vermitteln eine ungefähre Vorstellung der gigantischen Ausmaße des Kiesels, der von den Maoris “Te Hoho” genannt wird.

Te Hoho
Te Hoho – schicker Gigant im Wasser.

Wir bewegen uns weiter nach Norden und strapazieren unseren fahrbaren Untersatz mit einem 15 Kilometer langen Höllenritt auf unbefestigter Straße. Die Tour lohnt sich. Wir teilen uns den Campground mit einem Maori-College und sind am nächsten Tag die einzigen Strandgänger am quasi hauseigenen Strand. Unfassbar, dass hier nicht tausende Menschen die Sonne anbeten. Uns freut’s umso mehr – wir fühlen uns wie die Eigner des Landes.

Coromandel-Beach
Coromandel-Strände sind schön, lang und derzeit einsam.

Anschließend – langsam machen wir uns mit dem unangenehmen Gedanken vertraut, dass unsere Reise sich dem Ende nähert – fahren wir die Westküste runter und bewegen uns gemächlich Richtung Auckland. Am 15.4. wird uns die Air Pacific nach Nadi bringen, der Hauptinsel der Fidschi-Inseln. Endlich Erholung …

Von da aus werden wir uns dann wieder melden – voraussichtlich schon zum letzten Mal.

Zur Übersicht haben wir mal eine kleine Karte der Neuseeland-Route gebastelt – animiert versteht sich *g*

New Zealand Map
Neuseeland in fünf Wochen: Schmitz und Halemba auf Abwegen. Da sind ein paar Kilometer zusammengekommen.

Eure traurigen Bald-Heimkehrer

Jen & Maddin

Heading North

Marlborough – Inbegriff für guten Wein. Zumindest in Neuseeland. Der hier produzierte Sauvignon Blanc ist tatsächlich bereits weltberühmt. Wir wollen wissen, ob das zurecht der Fall ist und buchen uns in ein familienbetriebenes Backpackers ein. Hausherrin Missus Watson erläutert uns erstmal 20 Minuten lang die Familiengeschichte, die (Wein-)Region und die anstehende Flugshow im Ort. Ach ja, das schöne Hostel zeigt sie uns nebenbei auch noch.

Wir starten also am nächsten Vormittag per gemietetem Velo die Tour durch die Weingüter der Region. Wir haben uns ganz schön was vorgenommen, denn in Marlborough gibt es dutzende Vineries – wir haben also die Qual der Wahl. In diesem ganz speziellen Fall lassen wir aber mal eine kleine Bildserie für uns sprechen.

Weintour
17 Weine an einem Nachmittag … und dann noch die Pints!

Nicht verschweigen darf man allerdings das Ende der Geschichte. Im englischen Pub Cork & Keg, der letzten Station unserer Tour, treffen wir nämlich nicht nur Leute aus unserem Hostel, sondern lernen auch noch das halbe Dorf kennen. Deswegen bleiben wir – die Pints mit lokalem Bier vertreiben langsam aber sicher den Weingeschmack auf der Zunge – bis zum Zapfenstreich hier und amüsieren uns prächtigst.

Leicht angeschwipst wollen wir anschließend auf unsere Drahtesel springen, um natürlich auf direktem Weg “nach Hause” zu fahren. Voller Entsetzen müssen wir aber feststellen, dass auch in Renwick im schönen Marlborough die Langfinger ihr Unwesen treiben. Die Räder sind weg (Schlösser gab es natürlich keine)! Wir scheuchen die ganze verbleibende Meute auf, um die Übeltäter dingfest zu machen. Das Ergebnis ist ernüchternd. Wir treten also betreten den Heimweg an, um dem Hostel-Papa das Unglück (gegen 12 Uhr nachts) zu schildern. Er kommt uns schon auf der Einfahrt entgegen und faltet uns regelrecht zusammen. Wir fühlen uns wie ungezogene Schulkinder. Es stellt sich nämlich heraus, dass ER die Räder “geklaut” hat. Laut Hausordnung hätten wir die guten Stücke nämlich bis sechs Uhr abends VOR dem Besuch des Pubs zurückbringen müssen … hätte man uns ja auch vorher sagen können. Naja – Unwissenheit schützt vor Schelte nicht.

Am nächsten Morgen – es ist Ostermontag – bekommen wir zum Abschied trotzdem noch ein Osterei in die Hand gedrückt und alles ist vergeben und verziehen. Wir können also guter Dinge Richtung Picton zu den Marlborough Sounds fahren, wo noch ein Kajak-Trip auf uns wartet. Laut Aussage der Locals soll das Wetter am kommenden Tag nämlich “beautiful” werden. Wir entscheiden uns also für den Ganztagestrip.

Der Kajakverleih sowie die Kajaks selbst machen einen sehr ordentlichen Eindruck. Wir erhalten die obligatorische Sicherheitseinweisung “quick and dirty” per Video und können morgens um zehn ins Wasser gleiten. Auf die Wettervorhersagen der Locals ist wieder einmal Verlass – es ist grau, bewölkt und windig. Macht nix, wir haben uns inzwischen daran gewöhnt und rudern durch die schönen Sounds.

Kajak
Frau Schmitz in schicker Weste auf dem Queen Charlotte Sound

Unsere Anstrengungen – sechs Stunden Kajakfahren haben es in sich – werden schließlich doch noch belohnt. Wir entdecken die ersten sonnenbadenden Seelöwen an Land und werden Zeugen der Show dieses besonders faulen Selbstdarstellers.

Seeloewe
Mimik á la Seelöwe

Abends belohnen wir uns mit dem Besuch einer ordinären Pommesbude – leider muss festgehalten werden, dass Frau Schmitz die wohl schlechteste Pizza Neuseelands zu sich nehmen durfte. Bahsses! Auch der Salat ist ein Witz – oder wird bei uns neuerdings auch pure Mayonnaise als Dressing serviert?

Am Folgetag verlassen wir die schöne Südinsel und setzen mit der Fähre “Interislander” auf die Nordinsel über. Petrus hat uns wieder lieb und beschert uns dieses Mal wirklich “beautiful” Wetter. Und da bei der Überfahrt der Queen Charlotte Sound durchfahren werden muss, erhalten wir doch noch die Möglichkeit, diesen bei feinstem Wetter zu knipsen.

Sounds
Kurz vor’m Verlassen der Südinsel – Ausgang der Marlborough Sounds

Gute drei Stunden später sind wir auch schon in Wellington, Neuseelands Haupstadt, angekommen. Die Stadt wird Ihrem Spitznamen “Windy Welly” voll gerecht – uns bläst ein mächtiger Wind entgegen, aber uns kann ja inzwischen nix mehr schrecken.

Windy Welly
Ganz schön windig in Windy Welly

Das Stadtleben tut uns trotzdem mal wieder gut und wir gehen für rund eineinhalb Tage den üblichen Tätigkeiten nach: Kühlschrank auffüllen, Tanken, Shoppen und Sightseeing beziehungsweise Kulturprogramm. Wir machen ein winzig kleines Studio ausfindig, das einen Teil zur “Herr der Ringe” Trilogie beitragen durfte. In der “Weta Cave” wurden einige Figuren und Kostüme entworfen und umgesetzt, die wir uns für umme (unfassbar!) anschauen dürfen:

Lurtz, der Ork:

Lurtz
Einschüchterungsversuche bei Lurtz dem Ork

Gollum:

Gollum
Ich mag sie roooh und zzzappelnd!

… und noch ziemlich viele Rüstungen, Waffen und anderer Schnickschnack.

Da wir leider nicht mehr soo viel Zeit haben, verlassen wir Wellington gen Norden an der wunderschönen Kapiti Coast entlang. Auf dem Weg in den Norden geraten wir zwischen Whanganui und Whakapapa plötzlich in eine Schafsherde. Die (nicht mehr ganz so) wolligen Kollegen sind wirklich überall.

Schafe
Schafe, Schafe, den ganzen Tag Schafe

Wir erreichen am 4.4. den DOC-Campingplatz in der Nähe des Tongariro National Parks. Abends trinken wir noch einen Tee mit unseren netten israelischen Nachbarn und halten den grandiosen Sonnenuntergang auf “Film” fest.

Sonnenuntergang
Sonnenuntergang am Rande des Tongariro National Parks

Da wir mit dem Ziel hergekommen sind, dem Schicksalsberg in Mordor Aug in Aug gegenüber zu stehen, beschließen wir, uns an das “Tongariro Alpine Crossing” zu wagen.  Die Wettervorhersage will es so (diesmal werden wir nicht enttäuscht), dass wir sofort am Morgen des 5.4. starten. Schon auf dem Weg zum Start zeigt sich uns der Schicksalsberg (eigentlich Mt. Ngauruhoe) – allerdings gar nicht mal so furchteinflößend.

Mount Doom
Der nette Schicksalsberg von nebenan

Bevor die Tour losgeht, hinterlassen wir noch ein Foto – man weiß ja nie …

Tongariro Crossing
Startschuss zum Tongariro Crossing

Schon kurz vor dem “Red Crater”, dem Hauptziel der Wanderung, bietet sich uns ein schöner (weil nicht komplett wolkenverhangener) Blick auf Mt. Ngauruhoe. Die Laune des Schicksalsbergs hat sich eindeutig verschlechtert!

Mount Doom 2
Es grummelt im Schicksalsberg. Wo sind die Orks?

Am Ziel angelangt bietet sich ein Wahnsinnsblick in den “roten Krater”, einem der Hauptkrater von Mount Tongariro, dem Namensgeber des Nationalparks. Die Wände sind wie nicht anders zu erwarten rot mit peschschwarzen Abschnitten, und Qualm steigt an vielen Stellen auf. Im dahinterliegenden Tal scheint paradoxerweise die Sonne. Es riecht heftig nach Schwefel beziehungsweise faulen Eiern.

Red Crater
Blick in den “Red Crater”

Wir schießen noch das Beweisfoto vor den knallgrünen “Emerald Lakes” und freuen uns auf dem Weg ins Tal schon auf das Bad in den heißen Quellen der Umgebung. Morgen ist nämlich Erholungsprogramm für die müden Knochen angesagt.

Emerald Lakes
Mordors Bezwinger vor den Emerald Lakes.

Man liest sich.
Jenny & Martin